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Fühlt sich vor der Kamera, aber auch auf der Bühne wohl: Schauspieler Matthias Ransberger.

Schauspieler Matthias Ransberger spielt in Fortsetzung des Kinoerfolgs mit

Eine ganz heiße Nummer

Als Bauer Willi hat er Lena in dem bayerischen Komödienhit „Eine ganz heiße Nummer“ den Kopf verdreht. In der Fortsetzung schlüpft Matthias Ransberger erneut in die Rolle. Aber auch auf der Bühne fühlt sich der Schauspieler aus Unterhaching wohl - wenn die Chemie stimmt.

Unterhaching – Die Arbeit vor der Kamera bereitet Matthias Ransberger (37) am meisten Freude. Es ist diese Mischung: „Du musst perfekt vorbereitet hinkommen. Sehr eigenverantwortlich deine Rolle angelegt haben, weil es am Set sehr schnell zugeht.“ Acht Wochen Theater zu proben findet der Unterhachinger zwar auch reizvoll: „Es muss aber sehr gut passen, was Kollegen und Regie anbetrifft.“

Die Bedingungen beim „Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza in bairischer Sprache waren für den Allround-Schauspieler ideal – mit drei Kollegen auf der Bühne von „Heppel & Ettlich“ in Schwabing – eine Eigeninszenierung unter der Regie von Johannes Rieder. „Da ist man immer aktiv und spürt das Publikum die ganze Zeit. Nur so ist Theater großartig.“

Hauptsächlich ist der 37-Jährige momentan mit einer „ganz heißen Nummer 2“ beschäftigt – die Fortsetzung des Kinoerfolgs aus dem Jahr 2011 mit 1,3 Millionen Zuschauern. In den Hauptrollen Rosalie Thomas, Bettina Mittendorfer und Gisela Schneeberger. Matthias Ransberger aus dem alten Cast ist auch wieder dabei. Er spielte in der ersten Folge schon den Bauern Willi, der die Lena (Rosalie Thomas) interessant findet. Gedreht wird hinter Deggendorf in Niederbayern. Drei bis viermal schon musste der Drehplan umgestellt werden, weil alles draußen spielt, wetterabhängig.

Die Leerlaufzeiten füllt der Freiberufler mit Sprechjobs. Es kann schon vorkommen, dass er am Tag drei Einsätze fürs Synchronsprechen hintereinander weg schrubbt. Soeben sprach er den Soapdarsteller Esteban aus der US-amerikanischen Serie „Jane the Virgin“. Bei manchen Terminen hat er keinerlei Hintergrundinformationen. Er kommt hin, und vor ihm liegt die Dispo mit Projekt, Regisseur und Rolle. Im Studio blättert er die Stelle auf, sieht einmal die Szene im Original. „Und wenn ich Glück habe, erkenne ich sofort, wer ich sein soll.“ Dann geht die Szene auf. Ransberger: „Der Sprecher hat zwei Minuten Zeit, um einen solchen Take reinzunageln.“

Für eine Kinorolle mittlerer Größe war zuvor schon mal mehr Zeit im Studio. Er sprach die Rolle von Tom Hopper in der Komödie „I feel pretty“, die gerade in den Kinos läuft.

Vielseitigkeit ist etwas, was Matthias Ransberger gerne von sich abverlangt. Für ihn ist Multitasking kein Schimpfwort, sondern gehört zur Veranlagung. Da ist es ganz selbstverständlich, dass er die Leerräume füllt, die jeder Freiberufler mal hat. Und es hat viel für sich, „weil man durch das Sprechen jede Woche sein Instrument benutzt“.

Die Anfänge für die Theaterbegeisterung führen weit zurück: Ein Jahr war Matthias Ransberger bei der Schauspielgruppe am Lise-Meitner-Gymnasium in Unterhaching. Er gab den Thaltybios in die „Frauen von Troja“ von Euripides. Detailliert kann er sich nicht erinnern. Es ist auch schon über 20 Jahre her. In der Schule war für ihn nicht so sehr die Bühne prägend, sondern vielmehr die Musik, besonders die Klarinette und das Tenor-Saxofon, die er in der Schul-Bigband, im Chor und im Orchester zum Einsatz brachte.

Die eigentliche Entscheidung für die Schauspielerei fiel spät. In der letzten Minute sozusagen. Er lief ins Berufsinformationszentrum: „Bei den Tests kam heraus, ich soll Landschaftsgärtner oder Pfarrer werden.“ Bei dem jungen Mann mit dem expressiven Gesicht, in dem alles markant wirkt, von der Augenbraue bis zur Nasenspitze, jedenfalls kein Volltreffer. Etwas lustlos machte er eine Ausbildung bei der Münchner Rückversicherung. Stand in der Vorweihnachtszeit am Ostbahnhof. Es war kalt und grau, auf dem Weg in die Berufsschule. Blockunterricht, sechs Wochen lang. Das einzige kreative Überbleibsel aus der Schulzeit waren ein paar musikalische Abende mit der Musikschul-Jazzband Chicos del Valle. Das konnte so nicht weitergehen.

In diese Trostlosigkeit platzte Schauspieler Wolfgang Wolter, der mit seinen Theaterproduktionen im Kubiz eine feste Fangemeinde mit seinen Bühnenstücken unterhielt. „Er war mein erster Schauspiellehrer, auch wenn ich das damals gar nicht so empfunden habe.“ Gemeinsam hatten sie ein Projekt aus der Taufe gehoben: einen erfolgreichen Wedekind-Abend. Das Zwei-Personen-Stück führte sie in einer griechischen Taverne am Leonrodplatz auf. Ganz unspektakulär im kleinen Rahmen. Die Reaktionen darauf waren überwältigend.

Ein Ausflug nach Berlin wird dem Unterhachinger für immer unvergesslich bleiben. Wolter hatte dort ein Gast-Engagement. Also ging es zu Acht mit dem Bus, ausgeliehen von der Jugendkulturwerkstatt Unterhaching, hinauf nach Berlin. In einer Kneipe eines Freundes schmeißt Wolfgang Wolter plötzlich eine Kassette mit Wedekind-Liedern in den Rekorder und richtet eine Bühne ein. „Er zerrte uns hinauf zum Mitspielen.“ Anschließend trat ein Typ, Marke Lastwagenfahrer vor der Klotür auf Ransberger zu. Er schaut ihn an, zwinkert. „Du weiß schon, ne?“ Ransberger hatte keine Ahnung, er wusste nicht. „Ja, du weißt schon, du strahlst da raus.“ Ein paar solcher Erlebnisse fallen Matthias Ransberger am Ostbahnhof wieder ein, als er mit Wolter telefoniert. Alles klar, Schauspieler muss es sein.

Beworben hat er sich mit 24 Jahren an staatlichen Schauspielschulen. Da war die Altersgrenze fast erreicht. „Jenseits der 25 ist es extrem schwer, angenommen zu werden.“ Bei der vierten, bei der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam (heute Filmuniversität Babelsberg) klappte es. Er fing sofort an, im Sommersemester. Es war ein Kulturschock, von Unterhaching dorthin zu ziehen. „Das musste ich erst einmal verdauen.“ Schon nach einem Monat wusste er: „Da werde ich nicht hängen bleiben.“ Berlin selbst empfand er als laut, kalt und unzugänglich. „Wenn ich am Zoo ausgestiegen bin, wäre ich am liebsten gleich wieder in die U-Bahn rein.“

Es war der vorletzte Diplom-Jahrgang vor dem Bachelor. „Ich hatte noch mal Glück. Wir konnten damals viel bewegen und wurden breit ausgebildet.“ Ein Film mit Andreas Klinert wurde gedreht, und neben den Theaterszenen-Studien gab es eine Abschluss-Inszenierung (Shakespeares Sturm). Der Klassiker. Ransberger gab den jungen Liebhaber Ferdinand. „Eine schöne körperliche Rolle, wie ich sie mag. Du musst über die innersten Grenzen hinüber, und das war schon sehr herausfordernd.“ Für seine vielfältige Arbeit kann er von der ausgezeichneten Ausbildung zehren. Beim Film zum Beispiel weiß er haargenau, worauf es ankommt. „Du hast den Text gelernt, die Rolle drauf. Dann wirst du vom Fahrer abgeholt, hingestellt, geschminkt und angezogen. Und dann hast du zu spielen.“

Aktuell spielt Matthias Ransberger mit bei „Der Gott des Gemetzels“ im „Heppel & Ettlich“ in Schwabing (Feilitzschstraße 12) an fünf Abenden, von 27. Juni bis 1. Juli jeweils um 20 Uhr.

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