Knusprige Brezen.
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Mutter sauer

Wahlgeschenke vor der Grundschule: Ärger um SPD-Brezn-Aktion

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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SPD-Brezn für die Schultüte: Eine Wahlkampfaktion der Sozialdemokraten sorgt für Ärger. Dabei sind sie nicht die einzigen, die zur Einschulung Wahlkampf betreiben.

Landkreis – Die Einschulung ist nicht nur für die Erstklässler ein großer Tag. Der Schulanfang ist auch für Politiker ein beliebter Termin, um kleine Geschenke mit Partei-Emblem zu verteilen. Doch manche Eltern ärgert die Wahlwerbung in der Schultüte.

S, P, D: Diese drei Buchstaben dürften viele Unterhachinger Erstklässler lesen können. Das Parteilogo ist auf Brotboxen gedruckt, die ihnen zusammen mit Brezn und Fahrradreflektoren zur Einschulung überreicht wurden. Für die SPD Unterhaching ist die Verteilaktion seit Jahren Tradition. Sogar die bayerische Spitzenkandidatin Natascha Kohnen ist gekommen. Die Wahlkämpfer schwärmten vor den beiden Unterhachinger Grundschulen aus, um die Kinder zu beschenken. Viele Eltern nehmen die Präsente gerne entgegen. Manche fragen sogar nach einer Extra-Brotbox für die Geschwisterkinder. „Kinder für Wahlzwecke missbraucht“

Aber nicht jede Familie freut sich über diese Geschenke. Anka S. findet Wahlwerbung am ersten Schultag fehl am Platz. „Der erste Schultag ist ein Familienfest, da hat Wahlwerbung nichts zu suchen“, sagt die 28-Jährige, deren Tochter eingeschult wurde. Sie fühlte sich belästigt. „Die Mitglieder der SPD verteilten sich direkt vor dem Ausgangsbereich. Man konnte nicht hinausgehen, ohne angesprochen zu werden.“ Anka S. beklagt: „Ganz gleich, welche Partei es gewesen wäre, ich finde es eine Frechheit, dass sechsjährige Kinder für Wahlzwecke missbraucht werden“.

Genau die richtige Zielgruppe

Nicht alle Eltern fühlen sich gestört. Manche wollen ein Selfie mit Spitzenpolitikerin Kohnen machen. „Familienpolitik ist ein zentraler Punkt meines Wahlkampfs“, sagt sie auf Nachfrage, „deshalb spreche ich mit jungen Eltern über kleinere Klassengrößen, Kinderbetreuung und bezahlbaren Wohnraum. Dafür ist der Schulanfang eine gute Gelegenheit.“

Auch bei der CSU gibt es Aktionen zum Schulanfang. In Putzbrunn haben die Mitglieder rote Rosen an Mütter und Großmütter verschenkt.

Grüne machen nicht mit

Die Grünen sind am Einschulungstag nicht präsent. Claudia Köhler, Landtagskandidatin im nördlichen Landkreis München, lehnt „Kinderwahlkampf“ ab. „Wir halten uns da mit Absicht zurück“, sagt sie und geht lieber einen anderen Weg. „Ich habe Geschenke für Kinder am Infostand, frage aber erst die Eltern, ob ich sie überreichen darf.“ Die Unterhachingerin erinnert sich, dass sie selbst sich über Wahlwerbung zur Einschulung ihrer Söhne ärgerte. „Der erste Schultag ist ein sensibler Tag, da hat so etwas nichts verloren.“ 

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