Schließungen wegen zu weniger Kunden: Weitere Filialen machen dicht. (Symbolbild)
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Schließungen wegen zu weniger Kunden: Weitere Filialen machen dicht. (Symbolbild)

„Veränderte Kundenbedürfnisse“

Sparkassen-Schließungen wegen zu weniger Kunden - „Die Leute sind zurecht stinksauer“

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Sechs weitere Sparkassen im Landkreis München schließen nun. Kreissparkasse-Chef Andreas Frühschütz: Zwei von drei Kunden erledigen Bankgeschäfte bereits online.

Landkreis – Aschheim, Neuried, Schäftlarn, Aying, Putzbrunn: Diese Gemeinden im Landkreis haben keine Sparkassen-Geschäftsstellen mehr. Die Kreissparkasse hat die Filialen nun zu Selbstbedienungs-Standorten umgewandelt. SPD-Kreispolitiker sind deswegen wütend. Die Bank hält dagegen: Online-Banking wird immer beliebter, Kunden lassen sich deswegen kaum noch vor Ort beraten. Kommenden Montag sollen indes mehrere besetzte Geschäftsstellen wieder öffnen. Sie sind wegen der Corona-Pandemie seit November geschlossen.

Wegen der Filialschließungen habe es nur „Beschwerden im überschaubaren Ausmaß“ gegeben, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse für München, Starnberg und Ebersberg, Andreas Frühschütz, bei einem Pressegespräch. Mit den Schließungen trage die Bank aber „veränderten Kundenbedürfnissen“ Rechnung, so der Kreissparkasse-Chef.

Sparkassen-Filiale: Weniger Kunden vor Ort

Immer weniger Kunden hätten sich im vergangenen Jahr vor Ort beraten lassen oder eine Überweisung in Auftrag gegeben. Zwei von drei Kunden würden Bankgeschäfte bereits online erledigen. „Auch die Zahl der persönlichen Beratungsgespräche in unserer Online-Filiale hat 2020 deutlich zugenommen“, sagte Frühschütz. Dieses Kundenverhalten führe dazu, dass es in manchen Sparkassen nur noch wenig Beschäftigung für Mitarbeiter gebe. Folge: Bankautomaten statt Angestellte.

„Die Leute sind zurecht stinksauer“, kommentierte Kreis- und Fraktionsvorsitzender Florian Schardt (SPD) die Filialschließungen. Ihm stößt auf, „dass man sich offenbar keinerlei Gedanken über Alternativen macht“. Schardt forderte mobile Sparkassenbusse oder gemeinsame Filialen der Volksbanken und Sparkassen.

„Diese Varianten haben wir durchgeprüft“, sagte der Sparkassen-Chef. Beide Vorschläge seien keine „zukunftsfähigen Modelle“. Stattdessen sei die Sparkasse mit 38 Filialen in der gesamten Region präsent, mehr als Geschäftsbanken. Zudem könnten nicht internetaffine Kunden Überweisungen per Telefon tätigen.

Die Geschäftsentwicklung 2020 in Zahlen

  • Das Kundengeschäftsvolumen, also die Summe aus Einlagen, Krediten und Wertpapieren in den Kundendepots, stieg um 868 Millionen Euro. Es betrug zum Jahresende 2020 rund 24,1 Milliarden Euro.
  • Die Kreissparkasse konnte mit einem Wachstum bei den Krediten um 5,4 Prozent auf rund 9,2 Milliarden Euro nahezu an die Vorjahresentwicklung anknüpfen. Das Kreditinstitut reichte etwa 88 Prozent der Kundeneinlagen wieder als Kredite für Investitionen aus.
  • Das Jahresergebnis vor Steuern liegt mit 67 Millionen Euro deutlich unter dem Vorjahreswert von 87 Millionen Euro. Etwa 28 Millionen Euro wird die Bank an Steuern abführen.

Göbel reagiert auf SPD-Äußerung: „Das ist eine dumme Äußerung“

Auch Landrat Christoph Göbel (CSU) steht hinter den Filialschließungen. Er ist Vorsitzender des Verwaltungsrats. „Eine Geschäftsstelle in jeder Gemeinde ist nicht bezahlbar“, sagte er auf Nachfrage des Münchner Merkur. Der Aussage der SPD-Kreistagsfraktion, dass ohne wohnortnahes Bankenangebot das Sparkassensystem zunehmend obsolet werde, gibt Göbel eine Abfuhr: „Das ist eine dumme Äußerung.“

Das Wesen der Kreissparkasse sei, Kunden mit niedrigem Einkommen und kleine Firmen zu unterstützen. Damit die Sparkasse diese Dienstleistung erbringen könne, müsse die Bank auf die Kostenstruktur achten.

Corona-Krise habe wirtschaftliche Lage der Kreissparkasse eingetrübt

Kosten im Blick halten, das gilt in der Coronavirus-Pandemie umso mehr. Die Krise habe die wirtschaftliche Lage der Kreissparkasse eingetrübt, sagte Sparkassen-Chef Frühschütz bei dem Gespräch. Die Bank verzeichnete im vergangenen Jahr zwar ein „zufriedenstellendes Wachstum“, der Bestand an Kundeneinlagen etwa wuchs, genau wie der Wertpapierbestand.

Allerdings geht der Zinsüberschuss weiter deutlich zurück. Die Zinsspanne ist die wichtigste Ertragsquelle, sie sank im vergangenen Jahr um 11,1 Millionen Euro. Das nun verbleibende Jahresergebnis von 39 Millionen Euro soll in die Stärkung der Rücklagen und Vorsorgereserven der Kreissparkasse fließen.

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