Ein Skitourengeher vor Bergkulisse
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Skitouren in großen Gruppen wird es unter Corona-Bedingungen bei den Alpenvereins-Sektionen im Landkreis nicht geben. 

Alpenvereinsmitglieder berichten

Bergtouren in der Corona-Pandemie: So gehen die DAV-Sektionen mit der Situation um

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
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Die Sektionen des Deutschen Alpenvereins stecken in einem Dilemma: Einerseits wollen sie ihren Mitgliedern ein attraktives Tourenprogramm anbieten, andererseits ist wegen der Corona-Pandemie kaum abschätzbar, was wann wo möglich ist. Der Münchner Merkur hat sich umgehört, wie die hiesigen DAV-Sektionen mit der Situation umgehen.

Landkreis – „Schon im Frühjahr haben wir das detailliert durchexerziert, jetzt wiederholen wir es“, sagt Bernhard Finke, Erster Vorstand der DAV-Sektion Haar. Ihr Veranstaltungsprogramm haben die Haarer mit einer Corona-Ampel hinterlegt: Grün heißt „Tour findet statt“, bei Gelb fällt die Entscheidung zu einem späteren Zeitpunkt, und Rot bedeutet, dass die geplante Tour mangels Durchführbarkeit ausfallen muss.

Fahrten in Risikogebiete sind tabu

Bei den Entscheidungskriterien orientiert der DAV Haar sich an den Empfehlungen der Bundesgeschäftsstelle des Alpenvereins. In Haar bedeutet dies: Fahrten in Risikogebiete wie derzeit zum Beispiel Tirol sind tabu, ebenso Touren mit Übernachtung; die Gruppengröße ist auf fünf Personen (ein Leiter plus vier Teilnehmer) beschränkt; mit Krankheitssymptomen ist eine Teilnahme ausgeschlossen; ein Mindestabstand von 1,5 Metern ist immer einzuhalten.

„Wir haben das Glück, dass wir Outdoorsport betreiben“, sagt Bernhard Finke. Doch ein Problem bleibt: die Anfahrt. Wegen Corona verzichtet der DAV Haar auf die Bildung von Fahrgemeinschaften, in einem Pkw dürfen also nur Einzelpersonen oder Familien sitzen. Schlimmstenfalls heißt das: fünf Leute, fünf Autos. „Das schmerzt uns sehr“, sagt Bernhard Finke, „schließlich ist der Alpenverein ja auch ein Umweltverein.“

Viele Grauzonen

Beim Alpenverein in Garching sieht der Zweite Vorsitzende Claus Fromm „viele Grauzonen“. Beispiel Fahrgemeinschaft: „Ist das jetzt Vereinssport oder dürfen nur Mitglieder aus zwei Haushalten in einen Pkw?“ Oder der täglich schwankende Inzidenzwert: Müssen Mitglieder aus dem Stadtgebiet München von Touren ausgeschlossen werden, wenn dort der Warnwert die 50er-Schwelle übersteigt? Und wie organisiert man umgekehrt die Garchinger Klettertreffs in der Kletterhalle in München-Freimann?

„Touren und Veranstaltungen finden nur an Orten statt, die keine ausgewiesenen Risikogebiete sind“, sagt Claus Fromm. Da sich dies kurzfristig ändern kann, ist es fast unmöglich, jetzt ein Programm für 2021 zu erstellen. „Über unsere Webseite und interne WhatsApp-Gruppen bieten wir deshalb öfters Spontantouren an.“ Für Fahrgemeinschaften gilt: Besteht ein Mitfahrer auf Mundnasenschutz, müssen alle einen aufsetzen. Die Tourenziele werden bewusst etwas vage gehalten, auf der Webseite www.dav-garching.de heißt es dann beispielsweise: „Berggipfel in Bayern“ oder „Bayerischer Berggipfel“. Und auch das ist festgelegt: keine Rituale wie „Berg Heil“-Händeschütteln am Gipfelkreuz.

Was die Mini-Kletterhalle in Garching angeht: Die ist seit März geschlossen. „Die Stadtverwaltung ist da sehr sensibel, wir können das nachvollziehen“, sagt Claus Fromm. „Wir arbeiten derzeit am Einbau einer Lüftung, die eine coronagemäße Öffnung wieder erlaubt.“

Wenig Einschränkungen bei den Gleißentalern

Die DAV-Sektion Gleißental in Oberhaching setzt bei ihrer Tourenplanung ebenfalls eher auf Bayern als auf Tirol. „Wir gehen kein Risiko ein und bleiben ein bisserl mehr bei uns im Land“, sagt der Vorsitzende Peter Niedermeier. Auch der alljährliche Sektionsausflug im April musste heuer kurzfristig abgesagt werden – er hätte damals nach Italien geführt, das zu jener Zeit Risikogebiet war. Natürlich gebe es Vereinsmitglieder, die innerhalb des erlaubten 48-Stunden-Zeitfensters derzeit Touren in Tirol machen. „Aber rein privat“, betont Peter Niedermeier, „als Sektion bieten wir das nicht an.“

Insgesamt gebe es bei den Gleißentalern aber „wenig Einschränkungen“, was auch daran liege, dass „unsere Senioren sehr flexibel und verantwortungsbewusst mit der Situation umgehen“. Zum Beispiel sei die Donnerstags-Wandergruppe untereinander so gut vernetzt, dass sich fast immer Tourenziele und Fahrgemeinschaften fänden: „Die neuen Medien sind insofern ein Segen.“ Bloß die Fahrtkosten würden steigen, weil man die Autos eben nicht mehr voll auslasten könne. Und mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Berge? Der Oberhachinger Alpenvereinschef winkt ab: „Das funktioniert nur, wenn man eine ganze Woche unterwegs wäre, aber nicht bei Tagestouren – darauf sind Bahn und Bus nicht eingestellt.“

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