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Die Apfelernte ist in vollem Gange: Werner Reindl hat auch im eigenen Garten genug zum Pflücken. Dort stehen mehrere Bäume, die ihm verschiedene Sorten bescheren.

Gartler aus Unterhaching hat ein besonderes Steckenpferd

Er freut sich über Prinz Albrecht im Garten

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Sie heißen Prinz Albrecht, Freiherr von Berlepsch, Melrose oder Ballerinus. Und ihre liebevolle Pflege hat sich Werner Reindl aus Unterhaching zur Aufgabe gemacht.

Unterhaching – Der 74-jährige Unterhachinger ist ein Freund der alten Apfelsorten. Gleich sechs verschiedene hat er im eigenen Garten, allein drei auf einem Baum. Wie das möglich ist? „Durch Veredelung“, erklärt der Obstexperte und zeigt auf einen Wulst am Boskopbaum in der Mitte seines Gartens, wo ein Melrose-Zweig aufgepfropft wurde.

Die Apfelernte ist schon voll im Gange. „14 Tage früher als sonst.“ Vier Kisten hat Werner Reindl am Nachmittag geerntet. Die bringt er jetzt zur Apfelpresse nach Großeichenhausen bei Sauerlach, von wo er mit mehreren Kisten Apfelsaft zurückkommen wird. „Ein Apfelsaft, den man im Supermarkt kauft, ist vielleicht günstiger, aber er schmeckt immer gleich.“ In seinem Apfelsaft aus dem Eigenbau sind verschiedene Sorten enthalten, „das hat für mich geschmacklich eine besondere Qualität“, sagt er und nimmt einen Schluck des süßsauren Fruchtsafts.

In der Gegend von „Hachingen“, weiß Reindl, hat die Veredelung von Obstbäumen eine besondere Tradition, weil Benediktinerabt Petto in Schäftlarn um 806 seinem Kloster nicht nur Höfe und Ländereien vermachte, sondern auch „Pomiferis“, also Obstbäume.

Auf alte Apfelsorten zurückgreifen zu können, kann nicht nur wegen des individuellen Geschmacks sinnvoll sein, sondern auch aus gesundheitlichen Gründen: „Wer Allergien auf Äpfel hat, sollte alte Sorten ausprobieren, die vertragen Allergiker oft besser.“ Werner Reindl, der mehrere Bücher über Heimatkunde und Gartenbau geschrieben hat, lernte alles, was er über Obstbäume weiß, vom 2007 verstorbenen Unterhachinger Alois Nickel. Sein eigenes gärtnerisches Handwerkszeug gibt Reindl heute in Obstschnittkursen weiter.

Das Interesse an alten Sorten und an ganzen Streuobstwiesen sei heute wieder größer, erzählt er. „Beim letzten Obstschnittkurs haben 15 Teilnehmer mitgemacht.“ Der Nachteil sei, dass die Obstbäume lange brauchen, bis sie auch richtig tragen.

Im Landschaftspark und am Sportpark in Unterhaching hat es sich der Gartenbauverein Unterhaching, den Reindl 1984 mitgegründet hat, zur Aufgabe gemacht, alte und regionale Apfelsorten zu erhalten. „Vielleicht würde es solche Bäume sonst bei uns kaum mehr geben“, sagt Reindl. Über 40 Bäume wurden am Sportpark gepflanzt, über 100 Bäume im Landschaftspark. Zwölf bewährte Sorten hat die Projektgruppe „Obstsorten“ vor etwa 20 Jahren für die 80 Meter breite und etwa 200 Meter lange Scholle, dem dem Gartenbauverein im Landschaftspark zugeteilt wurde, ausgewählt.

Die älteste ist der Winterrambur, der schon seit 1700 bekannt und in Streuobstwiesen auch heute noch anzutreffen ist. Auch sehr alt ist der Danziger Kantapfel, der um 1760 gezüchtet wurde, und eine glänzende, knallrote Schale hat. Oder der Rheinische Bohnapfel, der erst im Oktober oder November reift und bis Juni haltbar ist. – Alles Äpfel mit tollen Eigenschaften, die aber kaum noch bekannt sind. Die Bäume auf der Scholle im Landschaftspark tragen erst jetzt: „Man muss am Anfang sehr lange auf den Durchbruch warten“, sagt Reindl.

Auch wenn das Projekt nur mit Idealismus und Ehrenamt möglich ist, betreibt es die Projektgruppe gern. Dass hier zwölf Sorten auf kleinem Raum zu finden sind, begeistert die Paten. Auch für die Bienen und Insekten bieten die Obstbäume gute Lebensbedingungen, und anders als das Obst im Supermarkt, sind hier die Äpfel ungespritzt. Ernten darf übrigens jeder, der möchte.

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