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Mit Tempolimit gegen zu schnelle Autofahrer: Am Kindergarten Regenbogen in der Walter-Paetzmann-Straße plant die Gemeinde einen Versuch mit Tempo 10 (statt 30). Die Polizei steht den Überlegungen aus dem Rathaus aber skeptisch gegenüber.

Verkehr

Tempo 10 vor Kindergarten

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Unterhaching - Zwei Verkehrsprobleme, sofern sie denn überhaupt welche sind, sollen in Unterhaching auf unterschiedliche Weise gelöst werden.

Die Anwohner grummeln schon lange, dass die Walter-Paetzmann-Straße in Unterhaching als Schleichweg benutzt werde. Von Auswärtigen, aber auch von anderen Bewohnern der Stumpfwiese (wir berichteten). 

Nun reagiert die Gemeinde. Zwar nicht so, wie die Anwohner es sich wünsch(t)en – die hatten für eine Aufteilung mit Sperre beim Kindergarten Regenbogen plädiert, um Autofahrer auf die Normalroute zu zwingen. Nein, die Rathaus-Lösung sieht anders aus: Ein Tempolimit von zehn km/h im Bereich von Kindergarten und Seniorenheim soll Autofahrer ausbremsen. Und vor allem, so hatte der ursprüngliche Antrag der SPD gelautet, die Verkehrssicherheit von Fußgängern erhöhen. 

Nun also Tempo 10 – Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) verkündete den Plan im Gemeinderat. Bis zum 31. Dezember 2016 soll das Tempolimit versuchsweise gelten, man werde auch regelmäßig kontrollieren, ob die Autofahrer sich daran halten. Im Februar soll das Vorhaben die kommunalpolitischen Gremien passieren. 

Einräumen musste Panzer allerdings, dass die örtliche Polizei das Tempolimit nicht unterstützt. „Um solch eine Geschwindigkeitsbeschränkung dauerhaft anzuordnen, müsste dies von der Gefahrensituation her unbedingt notwendig sein“, erläutert Harald Haberl, Verkehrssachbearbeiter der Polizeiinspektion Unterhaching, auf Nachfrage des Münchner Merkur. Indizien dafür seien erhöhte Unfallzahlen oder permanente Geschwindigkeitsüberschreitungen (aktuell gilt dort Tempo 30). Noch ist die Polizei, die in solchen Fällen in beratender Funktion hinzugezogen wird, offiziell nicht gehört worden. Aber eine Tendenz gibt es schon. Haberl: „Aus polizeilicher Sicht ist Tempo 10 dort nicht notwendig.“ 

Auch das zweite, im Gemeinderat thematisierte Verkehrsproblem hält die Polizei für überbewertet. Florian Riegel (CSU) monierte die „teils chaotische Linksabbiegesituation“ im Gewerbegebiet am Grünwalder Weg. Wenn’s pressiert, hält sich manch einer nicht an die offizielle Verkehrsregelung, beim Ausfahren von einem der diversen Großparkplätze nach rechts abzubiegen und am nächsten Kreisverkehr umzudrehen. Im Einzelfall kann so ein „Mehrweg“ von bis zu 400 Metern entstehen, den einige abkürzen, indem sie verbotswidrig links abbiegen und dabei die durchgezogene Linie überfahren. Dieses Gebahren führe, so Riegel, immer wieder zu brenzligen Situationen. Seine Idee: Analog zu einigen Tunnelpassagen am Mittleren Ring in München soll die durchgezogene Linie mit umklappbaren Plastikteilen bestückt werden. „Visuell wäre das eine andere Art der Trennung“, argumentierte Riegel. 

Die Unterhachinger Polizei winkt hier ebenfalls ab. „Das Beschwerdeaufkommen ist absolut unauffällig“, sieht Haberl keinen Handlungsbedarf. „Das verbotswidrige Linksabbiegen geschieht nicht in einem Maße, dass die Polizei eingreifen müsste.“ Den Vorschlag mit den Plastik-Trennelementen erachtet der Polizeibeamte als zu wenig durchdacht: „Wenn wir mal richtig Winter haben, würde das Schneeräumen nicht mehr gescheit funktionieren“, warnt Haberl.

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