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Satirisch durchstreifen Bettina von Haken (l.) und Edeltraud Rey bei ihrem Auftritt im Kubiz Unterhaching alle Lebensbereiche.

Auftritt im Kubiz Unterhaching

Respektlos und rotzfrech

Unterhaching - Die "PrimaTonnen" überzeugen mit ihrem Programm "(T)Adel verpflichtet"

Tonnenweise respektlos, rotzfrech und nicht immer ganz bewusst politisch korrekt, gepaart mit bayerischem Wortwitz und gespickt mit Zweideutigem, das sind die „PrimaTonnen“. Zwei Vollblutgrazien, die Schwächen satirisch aufgreifen und aufbereiten, sich dabei nicht ausnehmen: So standen sie in Unterhaching auf der Bühne im fast ausverkauften Kubiz. Mit ihrem Programm „(T)adel verpflichtet“ strapazierten sie die Lachmuskeln und sorgten im Hirn für manchen nachdenklichen Schub.

Die Rollen waren klar verteilt: Edeltraud Rey ist Prima, Bettina von Haken die Tonne. So zumindest nach eigener Aussage. Und das „Eigenfettlifting“ hat auch etliche Vorteile: Falten gibt’s keine, die Bänke werden nicht verkratzt, wenn „ich sitze“, so Haken. „Figürlich bin ich ein Trendsetter, einige sehen schon aus wie ich.“ Und trotzdem: Haken ist ein Original: „Unverwechselbar. Mich gibt’s nur einmal, ich komm’ nie wieder“, singt sie.

Nach dieser Sicht auf den eigenen Nabel geht’s ins feindliche Leben. Auf zum Schachtelwirt zur Freude der Kinder: „Endlich gibt es was Gescheites zum Essen.“ Doch ungetrübt ist die Freude nicht. Da macht sich ein schlechtes Gewissen breit. Fleischfresser und bekennende Tierleichenfresser gehören zur aussterbenden Spezies. Angesagt sind vegetarische Veganer, die militant auf jeden losgehen, der Fleisch isst und nicht bei drei auf den Bäumen ist. „Das sind Glaubenskriege, die da geführt werden. Überhaupt ist das Leben nicht mehr wie es früher war. Das Oktoberfest verkommt immer mehr zum Ballermann. Und Rey hat erkannt: „Das Leben ist eine einzige Katastrophe, ist unfassbar, ein rechtes Desaster.“ Das beginnt schon morgens: das blaue Gewand kann sie nicht anziehen, es macht blass, die Lieblingsjeans ist gerade in der Waschmaschine. Da bleibt nur eins: „Ich glaube, ich bleibe heute im Bett.“

Probleme, die manche Frau im Publikum nachvollziehen kann, die Männer aber überhaupt nie verstehen werden. Da haben es die Promifrauen besser: „Ich bin mir sicher, die spritzen sich das Botox auch ins Hirn rein. Was sie mit ihrem Körper machen, dafür würde jeder Gebrauchtwagenhändler eingesperrt werden.“ Für ein paar Minuten werden die beiden politisch und dabei so richtig böse. Von Haken hadert mit ihrer Rolle als umweltbewusste Verbraucherin. Sie kauft faire Bauernmilch, fair gehandelten Kaffee, doch da schaut doch kein Mensch hin, prüft das nicht nach. Nur ihr geliebtes Haarspray, das gibt’s nicht mehr, wurde abgeschafft wegen des Ozonlochs. „Aber die Braunkohlenkraftwerke laufen weiter. Die sind nicht schuld am Ozonloch. Oder die 140 000 Flieger, die jeden Tag über meinem Kopf fliegen, sind auch nicht schuld. Nur ich soll schuld sein mit meinem Haarspray.“ Ihr Fazit: „Ich kaufe jetzt gar nichts mehr. Lieber bin ich schuld an der Rezession.“ 

Die Erkenntnis des Abends kommt am Schluss: „Ich glaube, ich habe Tinnitus am Auge, habe schon lauter Pfeifen vor mir“, meint von Haken. Und Rey stimmt zu. Das gilt natürlich nicht für die Unterhachinger. Sie belohnen das Duo für den erkenntnisreichen Abend mit reichlich Applaus und erklatschen sich Zugaben.

Siggi Niedergesäß

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