Gruß aus der Kiste: Frau Nobel im fortgeschrittenen Alter (unten) erzählt aus ihrem Leben als junge Frau (oben), während Herr Nobel mal eben seinen Sarg öffnet. Foto: Förtsch

Dynamische Liebesbeziehung macht Geschichte lebendig

Unterschleißheim - Wenn der Erfinder des Dynamits und eine Friedensaktivistin aufeinandertreffen, dann birgt das eine Menge Zündstoff. Im Bürgerhaus Unterschleißheim fand diese Begegnung statt, denn dort gaben sich Alfred Nobel und Bertha von Suttner die Ehre

Beide trennen auf den ersten Blick Welten - und doch sind sie freundschaftlich verbunden. Esther Vilar dichtete den beiden sogar mehr an, als bekannt ist. Denn in ihrem Stück „Mr. und Mrs. Nobel“ hatten die beiden sogar eine Liebesaffäre. Bertha von Suttner erhält 1905 den Friedensnobelpreis und erzählt zurückblickend aus ihrem Leben - mal als betagte Preisträgerin (Christine Hammacher) und mal als junge Friedensaktivistin (Katharina Haindl).

Einst bewarb sie sich bei Alfred Nobel (Michael Roll) um eine Anstellung, doch es bahnte sich mehr an: Eine Liebesgeschichte. Dennoch heiratet sie Arthur von Suttner und der Weg führt das Ehepaar in den kriegsgebeutelten Kaukasus. Der Kontakt zwischen Bertha von Suttner und Alfred Nobel reißt deshalb aber nicht ab: Ein reger Briefwechsel sorgt schon dafür. Später treffen sich die beiden wieder in Paris und die Romanze nimmt ihren Lauf.

Sie hat auch eine Idee, wie man seinen „Namen reinwaschen“ kann, denn als Erfinder des Dynamits und als Fabrikant hat Alfred Nobel ein Vermögen gemacht. Zwar ist Nobel von der „Namenwaschanlage“ nicht begeistert, aber er macht mit und gibt sein Vermögen an eine Friedensstiftung ab, die auch nach seinem Tod für den Frieden wirken soll. Das war die Geburtsstunde des Nobelpreises.

Geschichtsunterricht mal anders: Das Publikum reiste von Paris in den Kaukasus, entspannte im Liegestuhl am Züricher See und landete in Wien und Oslo. Das Stück war gespickt mit originellen Einfällen: Und so holte man für das Stück Alfred Nobel wieder ins Leben zurück, indem er aus seinem Sarg steigt und zur Carmen-Musik „Auf in den Kampf“ dem Gespräch mit der Bewerberin entgegen geht. Klar, dass diese gegensätzlichen Menschen sich nicht immer einig sind und sich tüchtig die Meinung sagen. Das war Geschichtsunterricht, der spannend und intelligent zugleich war - und die kleine Liebes-Extrawürze verlieh dem Schauspiel eine reizvolle Note.

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