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Die erste Kerze brennt in St. Korbinian Lohhof. 

„Staade Zeit“

Adventssingen in St. Korbinian Lohhof

Unterschleißheim – Das Adventssingen in St. Korbinian Lohhof hat einfühlsam auf die staade Zeit eingestimmt. Die Veranstaltung in der schmucken katholischen Kirche in Lohhof ist als Zäsur gedacht.

Eine Gelegenheit, Geist und Körper einzustellen auf die Vorweihnachtszeit, den Takt herunter zu fahren. Seit mehr als 40 Jahren lädt die Pfarrgemeinde zum Adventssingen. Ulrich Hufnagl organisiert den Termin, der ihm persönlich sehr wichtig ist: „Es ist die Zeit der Hoffnung und der Vorbereitung.“ Seine Texte, die Hufnagl anhand aktueller Ereignisse auswählt, sollen den Menschen helfen, inne zu halten, „sich Zeit nehmen“, rät Hufnagl. „Mal einen Moment aussetzen, sich treiben lassen, sich vielleicht sogar eine Auszeit gönnen.“

Lohhofer Stubnmusi

Für die passende Stimmung sorgten die Musiker, die gemeinsam mit Hufnagl das Adventssingen gestalteten. „Marbacher Deandl“, „Lohhofer Stubnmusi“ mit Zweigesang und die Bläsergruppe der Stadtkapelle Unterschließheim spielten vor dem Altar auf. In einem Kirchenraum vorgetragen, entfalten heimatliche Klänge eine ganz eigene Stimmung, eine Atmosphäre, die den Effekt von Hufnagls Texten verstärkte. Der Organisator des Adventssingens las aus den Adventsbetrachtungen von Papst Franziskus; er zitierte aus „Staunenswert sind Deine Werke“, einem vom Münchner Ordinariat herausgegebenen Band als Begleiter für die Advents- und Weihnachtszeit sowie aus einem Text von Pater Anselm Grün. Mit einer Reihe von spirituellen Büchern ist der Benediktinerpater zu einem der meistgelesenen deutschen Gegenwartsautoren geworden. „Die besinnliche Zeit hat begonnen“, eröffnete Hufnagl den Abend, „XXL-Advent. 28 Tage stade Zeit“, so Hufnagl weiter. „Eigentlich etwa Wunderbares. Doch ist es wirklich so?“ Die Zeit mag noch so staad sein, so still und heilig. „Wir sind es nicht.“ So viel ist noch zu tun, zu besorgen. „Menschenskinder“, rief Ulrich Hufnagl den 150 Gästen zu, „war das im Sinne des Erfinders?“

Waffen zu Pflugscharen

Wie der Christkindlmarkt sozialer Einrichtungen, der auf dem Kirchplatz zu Ende ging, war auch das Adventssingen einem sozialen Zweck gewidmet. Einnahmen und Spenden gehen an die „Aktion für das Leben“, Hilfe für Mutter und Kind in Not, teilte Hufnagl mit. Später erinnerte er an das Leiden durch Krieg und durch Terror. 71 Jahre nach dem Zeiten Weltkrieg drohe eine neue Phase blutigen, heimtückischen Sterbens. Gedanken zu diesem Szenario fasste Hufnagl in einem bekannten Bibelzitat zusammen, „Schwerter zu Pflugscharen“. Die Westdeutsche Friedensbewegung hatte sich „Schwerter zu Pflugscharen“ ausgewählt, um ihren Zielen einen Slogan zu geben. „Alle Menschen, Völker und Nationen sind gemeinsam auf einer Reise durch die Zeiten“, sagte Hufnagl in Papst Franziskus’ Worten. „Es wird ein wunderbarer Tag sein, wenn Waffen zu Werkzeugen werden.“ 

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