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Status quo: Die Zahlen in den Kreisen entsprechen den Hausärzten pro Gemeinde. Kritik gibt es daran, dass die Landeshauptstadt und ihre Umgebung bei den Ärztezulassungen in einen Topf geworfen werden.

Keine neuen Zulassungen für Hausärzte

Ärztemangel im Landkreis: Landrat schreibt offenen Brief an Gesundheitsministerin

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Im Landkreis gibt es in manchen Orten zu wenige Hausärzte, beklagt  Landrat Christoph Göbel. Er hat einen offenen Brief an Gesundheitsministerin Melanie Huml geschrieben. Doch ein Allgemeinmediziner diagnostiziert auch: Für volle Wartezimmer gibt esnoch weitere Gründe.

Landkreis – Wenn Michael Schwandner täglich um 8 Uhr seine Praxis aufsperrt, dann steht vor der Tür oft schon mehr als ein Dutzend Patienten Schlange. Die Frühaufsteher hoffen auf eine baldige Untersuchung durch den Unterschleißheimer Hausarzt. Doch wenn das Wartezimmer voll ist, bevor der erste Patient das Sprechzimmer betritt, kann es bei der offenen Sprechstunde zu Wartezeiten von bis zu drei Stunden kommen. „Ich ärgere mich auch, wenn ich anderswo so lange warten muss“, bekennt der Arzt. Doch alles, was er tun kann, ist einen Patienten nach dem anderen abzuarbeiten.

Kassenärztliche Vereinigung sagt: Es gibt zu viele Hausärzte

Knapp 190 Hausärzte zu viel gibt es derzeit im Großraum München, sagt die kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB). Doch trotzdem tun sich in der Versorgung des Landkreises München Lücken auf – sagt wiederum Landrat Christoph Göbel. In einem offenen Brief an seine CSU-Parteikollegin, die Gesundheitsministerin Melanie Huml, beklagt er, ihm würden immer wieder Einzelsituationen bekannt, „welche nicht mit den gesundheitspolitischen Ansprüchen einer guten kassenärztlichen Versorgung“ in Einklang gebracht werden können.

Landrat Christoph Göbel ruft das Gesundheitsministerium auf, etwas gegen den Ärztemangel im Landkreis zu unternehmen. 

Heißt im Klartext: Einzelne Patienten kommen zu kurz, sagt der Landrat. Ein solches Beispiel trug sich dem Vernehmen nach in der Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn zu, wo ein Patient von mehreren Hausarztpraxen abgelehnt wurde. „Dies mag einerseits mit einer realen Überlastungssituation oder zudem mit den kassenärztlichen Abrechnungsmodalitäten zusammenhängen“, spekuliert Göbel. Besonders betroffen seien ältere Menschen mit mehreren Leiden oder einer Gehbehinderung, die dringend einen Arzt in der Nähe brauchen.

Keine neuen Zulassungen mehr

Ein Problem, so Göbel ist bei der Ärzte-Abdeckung die Zulassungsvergabe der KVB. Denn weil ihr zufolge in der „Mittelregion“ München im Schnitt eine Ärzte-Überversorgung besteht, gibt es dort keine neuen Zulassungen mehr. Die Region ist gesperrt. Daran wiederum rüttelt Göbel: Regionale Besonderheiten sollen stärker gewichtet werden, fordert er, Kommunen mehr mitreden dürfen. Eine Antwort von Ministerin Huml hat er bisher laut Landratsamt nicht.

Ein Blick auf die Hausärzte-Übersichtskarte der KVB zeigt, dass es durchaus Ungleichgewichte bei der Hausärzte-Abdeckung gibt. So sitzt in Grasbrunn nur ein, in Brunnthal gar kein Allgemeinmediziner. Dafür ist in Grünwald nur ein Arzt weniger niedergelassen als im fast dreimal so großen Unterschleißheim; Ottobrunn scheint mit 21 Ärzten schier aus allen Nähten zu platzen.

KVB kündigt Veränderungen an

Auf Anfrage deutet die KVB Reformbereitschaft an: „Mögliche Teilungsszenarien für den Mittelbereich München“ würden neu analysiert. Das heißt: Wenn es die Versorgungsprobleme hergeben, könnte die Planungsregion München, zu der Stadt, Landkreis und noch einige weitere Umland-Kommunen gehören, doch noch aufgeteilt werden – was ganz am Ende mehr Hausärzte für manche Landkreis-Kommune bedeuten könnte.

Erfahrungen eines Unterschleißheimer Hausarztes

Ob das aber Abhilfe schafft, daran zweifelt Hausarzt Michael Schwandner. Er vergleicht die Schaffung weiterer Hausarztpraxen mit dem kreuzungsfreien Ausbau des mittleren Rings, wo sich der Verkehr trotzdem noch staut. „Manchmal regelt das Angebot auch die Nachfrage“, sagt der 62-jährige Mediziner.

Michael Schwandner ist Hausarzt in Unterschleißheim. 

In seinen 34 Jahren als praktizierender Allgemeinarzt habe er beobachtet, dassdie Menschen immer häufiger in seine Praxis kämen. „Wir arbeiten viel ab, was vor 30 Jahren nicht für einen Arztbesuch gereicht hätte.“ Und erzählt von einem Mitte-20-Jährigen, der verängstigt bei ihm vorgesprochen habe: Er habe seit drei Tagen Kopfschmerzen und brauche schleunig ein MRT, denn im Internet habe er gelesen, dass er einen Hirntumor haben könnte. Drei Tage später sei das Kopfweh – normaler Spannungsschmerz – von selbst vorbei gewesen. Lustig machen will sich Schwandner darüber nicht. Auch, wer nur an einer Bagatelle leide, habe das Recht zum Arzt zu gehen. „Und sei es nur, um ihnen eine Sorge zu nehmen“, sagt der Hausarzt. Doch mancher Patient neige mittlerweile dazu, seine Symptome zu googeln und sich dann die schlimmste Diagnose auszusuchen.

Psychosomatik hat sich binnen einer Generation verdoppelt

Und neben der immer älter werdenden Bevölkerung hat sich noch ein Phänomen in Schwandners Praxisalltag geschlichen: Die Generation der heute 20- bis 30-Jährigen nehme viel mehr Antidepressiva als damals, als Schwandner angefangen habe – wegen gestiegenen Drucks im Arbeitsleben, vermutet Schwandner. „Die Psychosomatik hat sich binnen einer Generation verdoppelt.“

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