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Prozess vor dem Landgericht 

Angeklagter kann Missbrauchvon Buben nicht erklären

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Er hat Buben mit Schlafmittel im Kakao betäubt, sich dann an ihnen vergangen. Er war in einschlägigen Chats unterwegs. Warum? Weiß der 47-Jährige aus Unterschleißheim nicht.

UnterschleißheimEr mischte ihnen Schlafmittel in den Kakao, verging sich an den Buben und filmte seine sexuellen Übergriffe mit dem Handy. Seit Anfang September muss sich ein Gebäudereiniger (47) aus Unterschleißheim vor dem Landgericht München I verantworten. Am vorletzten Verhandlungstag sprach er über seinen Lebensweg und über seine Abwege in pornografische Internet-Chats.

Geschehenes hätte er gerne bagatellisiert. Der Gutachter konnte bei ihm keine krankhafte Persönlichkeitsstörung feststellen. Als 15-Jähriger war der Angeklagte nach Unterschleißheim gekommen. Zuvor hatte ihn seine Großmutter am Niederrhein großgezogen. Er lernte den Beruf des Drehers, ging zur Bundeswehr und landete schließlich bei einer Fastfood-Kette.

Er heiratete, bekam zwei Söhne, die brachten Freunde mit ins Haus, für die der 47-Jährige sexuelles Interesse entwickelte. Zu dieser Zeit gab es zwischen ihm und seiner Frau kaum noch sexuellen Kontakt. Mit 40 Jahren hatte er Potenzprobleme bekommen. Der Arzt konnte keine Erkrankung feststellen. Trotz der Enthaltsamkeit verlief die Ehe weiterhin harmonisch. Sein Augenmerk galt den beiden Söhnen, mit denen er viel unternahm. Vor Gericht räumte er ein, sich in dieser Zeit hinter den Kindern versteckt zu haben.

Er begann, auf dem Computer Pornobilder anzuschauen. „Ich hatte einen neuen PC und bin in die Räumlichkeiten hineingeraten“, sagte der Angeklagte. „Dort wurde aber sicher nicht über das Wetter geredet oder die nächste Bundestagswahl“, versuchte ihm der psychiatrische Gutachter die Sinnlosigkeit seiner Angaben vor Augen zu führen. Doch der 47-Jährige schaffte es einfach nicht, über seinen Schatten zu springen. Natürlich hatte er sich auch die Kinderpornos angeschaut und kassierte dafür zwei Vorstrafen.

Völlig unklar blieb, wieso er sich an den Freunden der Söhne zu schaffen machte. Er hatte einen Job, die Familie funktionierte, er empfand keinerlei Erregung für das gleiche Geschlecht, empfand nach eigenen Worten sogar Ekel, wenn er Männer sah, die Männer küssten. Dennoch trieb er sich nachweislich auch in Homosexuellen-Chats herum, angeblich weil er dort auf angenehmere Gesprächspartner traf. Der Gutachter attestierte ihm volle Schuldfähigkeit. Das sexuelle Interesse des 47-Jährigen an pubertierenden Buben bezeichnete der Experte als unter Männern weit verbreitet. Krankhaft sei es nicht. Der Prozess wird am 6. Oktober fortgesetzt. 

Rubriklistenbild: © Stefan Puchner /dpa

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