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"Das Haus hat schon eine Masse" sagt Maria Thomaser von der „Regenbogen Wohnen gGmbH“, dem Träger des Wohnprojekts. Sie spricht damit einigen Anwohnern aus der Seele. Sie beklagen allerdings nicht nur architektonische und bauliche Mängel, sondern vor allem auch das schlechte Benehmen einiger Heimbewohner.

Anwohner ärgern sich über Wohnheim

Unterschleißheim - Gerade erst sind 68 Menschen mit seelischer Behinderung in das Wohnheim an der Feldstraße eingezogen – da gibt es bereits Unmut. Nachbarn beschweren sich über Lärm und Pöbeleien. Ein Infoabend direkt im Haus soll die Wogen glätten und Verständnis wecken.

Der neue Block in der Feldstraße 29 bietet psychisch Kranken Raum, die ihren Alltag nicht allein meistern können. Aber auch nicht in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht werden müssen. Sie sind Anfang 20 oder im Rentenalter, leiden unter Psychosen, Persönlichkeitsstörungen, Zwängen oder Angststörungen. Sie brauchen ganz praktische Hilfe im Alltag: den Ansporn, überhaupt aufzustehen, sich regelmäßig zu ernähren, etwas für sich und die eigenen Fähigkeiten zu tun, Begleitung beim Besuch von Ämtern. Und sie bleiben nicht nur ein paar Tage oder Wochen, sondern oft mehrere Jahre in der Einrichtung. 

Menschen also, die herausgefallen sind aus dem „normalen“ Alltag – und sich offensichtlich hin und wieder auch so verhalten. Anwohner beklagen, dass Zigarettenkippen von den Balkonen fliegen. Heimbewohner aus den Fenstern Passanten anbrüllen und pöbeln. Zudem seien Kinder auf offener Straße angesprochen worden, heißt es in einer Unterschleißheim-Gruppe auf facebook. Eine Anwohnerin hatte dort andere nach ihrer Meinung zum Haus gefragt. Die Folge: ein Shitstorm gegen das Projekt. Beschwerden erreichten auch das Rathaus. Einiges, vor allem bauliche Mängel, konnte bereits verbessert werden.

 Dennoch sieht Unterschleißheims Zweiter Bürgermeister, Stefan Krimmer (CSU), Handlungsbedarf. Es sei wichtig, die Anwohner ernst zu nehmen und ihren Bedürfnissen gerecht zu werden. Ein Informationabend soll daher dazu dienen, konkrete Beschwerden aufzunehmen und dann für Verbesserungen zu sorgen, in Absprache mit dem Träger der Einrichtung, der „Regenbogen Wohnen gGmbH“, deren Vertreter an der Veranstaltung teilnehmen.

 Eine von ihnen ist Maria Thomaser, Prokuristin und Leitung Fachdienst der „Regenbogen Wohnen gGmbH“. Sie erstaunen die negativen Reaktionen nicht. „Ich kenne all diese Vorwürfe, das ist unser tägliches Brot“, sagt sie und verweist auf ähnliche Projekte, die der Träger in anderen Kommunen betreibt. Auch dort habe es Kritik gegeben. Nicht immer zu Unrecht, wie sie sagt. Die Bewohner seien stigmatisiert, benähmen sich nicht gesellschaftskonform und eckten an. Ablehnung, Angst und Unsicherheit seien daher „verständlich“. 

Wichtig sei es, offen zu kommunizieren, die Probleme anzusprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Deshalb nehmen auch „Condrops“-Mitarbeiter an der Veranstaltung teil. Denn sie werden demnächst im Erdgeschoss des Hauses minderjährige unbegleitete Flüchtlinge betreuen. Um Barrieren abzubauen, findet der Abend im Wohnheim statt. Die Menschen von draußen sollen sehen, wie die Menschen drinnen leben.

Die Veranstaltung ist am Donnerstag, 17. November, ab 18.30 Uhr, im ersten Stock des Wohnheims, Feldstraße 29.

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