Eine Erzieherin erklärt zwei Kindergartenkindern ein Bild.
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Symbolbild

Erzieherin Jutta Meyer verabschiedet sich nach 47 Jahren in derselben Einrichtung

Aus dem Wirbelwind in den Ruhestand

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Unterschleißheim – Für viele Unterschleißheimer gehört Jutta Meyer zu ihrer Kindheit. Für einige ist sie sogar ein Teil ihrer Familiengeschichte: Da gingen schon die Eltern zu ihr in den Kindergarten. Seit 47 Jahren ist Jutta Meyer tätig – in immer demselben Kindergarten in Unterschleißheim.

1974 trat sie ihre Stelle im Kindergarten St. Korbinian an. Vergangene Woche verabschiedet sich die 63-Jährige in den Ruhestand. Jutta Meyer, kurze braune Haare, fröhliches Gesicht, lächelt beim Rückblick auf ihr Berufsleben. „Die Arbeit mit den Kindern ist auch nach so vielen Jahren ganz ganz toll“, sagt sie, und es schwingt Begeisterung in ihrer Stimme mit. „Ich bin immer gerne in den Kindergarten gegangen.“ 47 Jahre war Jutta Meyer für die Kleinen da, singen, vorlesen, toben und trösten, basteln und Feste feiern. Immer wieder hat sie Vornamen gelernt und die Energie der Kinder genossen. Jetzt steht der Ruhestand an, den sie mit ihrem Mann Helmut in Unterschleißheim genießen will.

„Ein ganz ganz toller Beruf“: Jutta Meyer (63) hat die positive Energie der Kinder sehr genossen.

1974 waren die Kindergärten von St. Korbinian eine der wenigen Kinderbetreuungseinrichtungen. „Während es damals selten war, dass eine berufstätige Mutter ihre Kinder in den Kindergarten brachte, ist es heute ungewöhnlich, wenn eine Mutter nicht berufstätig ist und die Kinder zuhause bleiben“, erzählt die Unterschleißheimerin. Weil sich die Situation der Familien änderte, wurden die Betreuungszeiten im Laufe der Jahre ausgeweitet. Erst gab es Vormittags-, dann auch Nachmittagsgruppen, später war der Kindergarten bis 13 Uhr geöffnet, schließlich bis 17 Uhr. Auch die pädagogischen Konzepte wechselten: „Vieles wiederholt sich“, stellt Jutta Meyer am Beispiel der Vorschule fest, erst sollte man die Kinder im Schreiben und Lesen fördern, zwischenzeitlich wurde die Vorschule dann nicht mehr gewünscht, jetzt werden die Kinder wieder auf die Schule vorbereitet. Der Abschied von den Sechsjährigen sei ihr immer schwer gefallen, erzählt sie, „weil einem die Kinder ans Herz wachsen.“

Auch das Gebäude hat sich verändert

Jutta Meyer war dabei, als der erste Kindergarten aufgrund von Asbest geräumt werden musste. Es folgten drei abenteuerliche Jahre in Containern. Als Kinder und Erzieherinnen den „Wirbelwind“ am Kastanienweg 3 bezogen, „da waren wir mit dem tollen Haus sehr glücklich.“

Für Leiterin Anna McElroy ist ihre langjährige Kollegin einfach „Jutta“, die mit ihrer Erfahrung und Verlässlichkeit den Kindergarten mitgetragen hat. Bei einem gemeinsamen Frühstück haben Kinder und Kolleginnen sich verabschiedet. „Mit ihrer großen Ruhe ist Jutta eine feste Konstante gewesen“, sagt Anna McElroy. Die Kinder hätten sich bei ihr wohl und geborgen gefühlt, lernten aber auch Rücksicht zu nehmen, „sie hat eine Konsequenz in der Erziehung, hat die Kinder gefördert und gefordert und sie mit einem riesigen Fundus an Liedern, Kreis- und Fingerspielen angeregt.“

Ehemalige melden ihre Kinder an

Mit der Pandemie sind im Kindergarten viele Vorsichtsmaßnahmen und Regeln eingezogen. „Eigentlich sind wir ein ganzer Kindergarten mit drei Gruppen, in dem sich die Kinder frei bewegen konnten“, sagt Jutta Meyer. Jetzt aber seien die Gruppen getrennt, „sogar draußen hat jede ihr eigenes Abteil, alle sind vorsichtiger und gehemmter.“ Sie wünscht „ihrem“ Wirbelwind, dass der Alltag wieder unbefangener und freier wird. Besonders freut sie, dass der familiäre Geist der Einrichtung immer wieder Ehemalige ins Haus führt, die ihre Kinder im Wirbelwind anmelden, „weil sie wissen, dass sie hier in guten Händen sind.“

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