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Thomas Wellenhofer erklärt Schülern der FOSBOS Unterschleißheim die Ausbildungsmöglichkeiten bei der Bayerischen Staatsbauverwaltung.

Berufsmesse an der FOS/BOS Unterschleißheim

Arbeitgeber auf Werbetour

Unternehmen suchen händeringend Azubis, Lehrlinge haben oft freie Wahl. An der FOS/BOS kamen beide Seiten bei der Berufsmesse zusammen - und haben viel gelernt.

Unterschleißheim – 2402 Ausbildungsplätze gab es laut der Bundesagentur für Arbeit zwischen Oktober 2016 und September 2017 im Landkreis München – und nur 1396 Bewerber. Fachkräfte – dazu zählen auch Auszubildende – werden dringend gesucht. Dennoch bleiben viele Lehrstellen unbesetzt, die Unternehmen müssen um Nachwuchs kämpfen. Das bekommt auch die Schreiner Group aus Oberschleißheim zu spüren. „In den technischen Berufen ist es schwer, alle Ausbildungsplätze zu besetzen“, sagt Tara Wimbauer. Sie vertritt das Unternehmen auf der Berufsmesse, die vom Förderverein und dem Elternbeirat der FOS/BOS Unterschleißheim ins Leben gerufen wurde und nun an der Schule stattfand.

Schreiner Group keine Schreinerei

Die Schreiner Group ist eines von 45 Unternehmen aus der Region München bei der Veranstaltung und regelmäßig auf Messen zu finden – mit Erfolg. „Die Schüler haben sich teilweise direkt danach beworben, und wir konnten sie bereits kennenlernen“, sagt Wimbauer. Obwohl die Schreiner Group seit 66 Jahren in direkter Nachbarschaft zur Schule in Oberschleißheim ansässig ist, gab es an der FOS/BOS viele Schüler, die das Unternehmen nicht kannten. „Die Schüler dachten teilweise, wir wären eine Schreinerei und sind direkt vorbei gelaufen.“

Mit Vorurteilen haben auch die Pflegeberufe zu kämpfen: Zu viele Patienten kommen auf einen Mitarbeiter, die Bezahlung ist schlecht und die Wertschätzung gering. „Man muss sich halt klar machen, mit welchen Leuten man arbeitet“, sagt Christine Aichhorn. Die Ergotherapeutin ist für die Akademie Schönbrunn vor Ort und bringt den Jugendlichen die verschiedenen Ausbildungsberufe im Pflegebereich näher. „Die Arbeitsbedingungen sind bei weitem nicht so schlecht, wie es teilweise dargestellt wird. Aber ja, Ergotherapeuten sind zu wenige auf dem Markt, und in der Altenpflege gibt es zu wenig Auszubildende.“

Abi und Studium gefragter als Lehre

Ein Grund für den Azubi-Mangel ist die zunehmende Akademisierung. Laut Industrie- und Handelskammer stieg die Zahl der Abiturienten seit 2005 um 57 Prozent, während es 28 Prozent weniger Mittelschul-Absolventen gibt. Laut dem Bayerischen Kultusministerium gibt es im Wintersemester 2017/18 etwa 391 000 Studierende im Freistaat. Im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von rund 10 000.

Beamtenlaufbahn beliebt

Neben den staatlichen Universitäten gewinnen die privaten immer mehr an Bedeutung. Knapp zehn Prozent der Studierenden in Bayern gehen auf eine private Hochschule – etwa die Hochschule für angewandtes Management (HAM) in Ismaning. Auch sie stellt sich auf der Berufsmesse vor. Laut Pierre Rafih, Dozent an der HAM, liegt der Fokus dort auf dem Praxisbezug. „Etwa die Hälfte unserer Studenten wird von Unternehmen angemeldet.“ Das berufsbegleitende Studium an der HAM ähnelt einem dualen Studium. Dass auch beim Staat ein duales Studium möglich ist, wissen laut Thomas Wellenhofer nur wenige. Seit 30 Jahren ist er bei der Bayerischen Staatsbauverwaltung angestellt. Dort sieht es ganz anders aus mit der Ausbildungssituation. „Das Interesse an einer Beamtenausbildung ist groß, unser duales Studium dagegen nur wenig bekannt.“

Ob Unternehmen, Hochschule oder Behörde: Im Kampf um die Fachkräfte von morgen setzen alle auf eine Karte. Präsent sein und für sich werben.

Sebastian Schuch

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