Corona-Regeln sorgen für Verwirrung

„Die Unsicherheit ist groß“: Geschäfte dürfen wieder öffnen - doch die Kunden bleiben aus

  • Laura Forster
    vonLaura Forster
    schließen

Nach mehreren Monaten Lockdown dürfen die Geschäfte im Landkreis München seit Montag wieder öffnen – dank eines Inzidenzwerts von unter 50. Der große Ansturm bleibt jedoch aus. Bei vielen Bürgern sorgen die unterschiedlichen Öffnungsschritte für Verwirrung.

Landkreis – Das Telefon klingelt. „Parfümerie Howerka“, meldet sich Mitarbeiterin Sandra Mangold. „Wir haben ganz normal geöffnet und freuen uns über jeden Kunden“, erklärt sie dem Anrufer am anderen Ende der Leitung. Es ist nicht das erste Telefonat dieser Art. Seit Ende vergangener Woche erkundigen sich die Bürger bei der Parfümerie und anderen Geschäften in der Unterschleißheimer Bezirksstraße, ob, wie und wann sie wieder geöffnet haben.

Corona-Lockerungen: Neue Regeln sorgen für Verwirrung bei Kunden - Geschäfte bleiben leer

„Als ich am Sonntag den Inzidenzwert von 48,8 für den Landkreis gesehen habe, dachte ich mir nur: JA!“, sagt die Leiterin der Parfümerie-Filiale Martina Seidl am Montagmorgen kurz nach der Wiedereröffnung. Bis zum Schluss war nicht klar, ob sie ihren Laden aufsperren darf oder nicht. Liegt der Inzidenzwert unter 50 dürfen die meisten Geschäfte unter Einhaltung der Corona-Maßnahmen aufmachen.

Ist die Zahl jedoch höher, wie in München, ist nur ein Terminshopping-Angebote („Click & Meet“) möglich. Diese Regelung verunsichert viele. „Es standen schon Kunden vor der Tür und haben in den Laden geschaut, weil sie nicht wussten, ob sie reinkommen dürfen oder nicht“, sagt die Leiterin der Parfümerie-Filiale Martina Seidl. „Es herrscht Verwirrung.“

„Das ist aber nicht das gleiche Gefühl“

Gertraud Wolejnik, Inhaberin Buchladen „Art und Weise“

Trotzdem ist Seidl glücklich, dass endlich wieder etwas Leben in die Parfümerie kommt – lange hat sie auf diesen Tag hingefiebert. Während des Lockdowns hat Seidl einen Lieferservice und „Click & Collect“ angeboten. „Das ist gut angekommen. Wir haben die Produkte selbst geliefert oder per Post geschickt“, sagt die Filialleiterin.

Corona in Bayern: Einzelhandel im Landkreis München freut sich über Lockerungen

Auch der Buchladen „Art und Weise“ auf der anderen Straßenseite hat in den vergangenen Wochen per Lieferung oder Abholung Bücher verkauft. „Das ist aber nicht das gleiche Gefühl“, sagt Inhaberin Gertraud Wolejnik. „Wir können jetzt wieder mit den Kunden in Kontakt treten und über Bücher sprechen.“

Trotz monatelanger Schließung bleibt der große Ansturm jedoch aus. Während die Inhaberin eine Frau an der Kasse bedient, stöbert ein junger Mann durch die Kartenständer vor der Buchhandlung. Sonst ist das Geschäft leer.

Stille herrscht in den großen Hallen des Ikea in Brunnthal. „Damit haben wir nicht gerechnet“, sagt Marktleiter Michael Vortkamp. 

Nach zehn Wochen Corona-Pause: Die Friseursalons in Bayern sind seit Montag wieder geöffnet. Termine gibt es derzeit nicht. Ein Besuch bei Monaco Cut in Ismaning.

Nicht nur in der Bezirksstraße beginnt die Wiedereröffnung der Läden mit Zurückhaltung – selbst in den riesigen Hallen des Möbelgeschäfts Ikea in Brunnthal herrscht Stille. „Damit haben wir nicht gerechnet“, sagt Marktleiter Michael Vortkamp. Die extra errichtete 500 Meter lange Sicherheitsschleuse vor dem Eingang: unbenutzt. Der Parkplatz für mehrere tausend Wagen: nahezu autofrei. Eine digitale Anzeige am Eingang zeigt an, dass 856 weitere Personen in den Laden dürfen.

Corona-Lockerungen: Großer Andrang in den Geschäften bleibt aus - „Ein bisschen mehr Leben wäre schon schön“

Nur rund ein Drittel der erlaubten Kunden shoppt sich durch die 18 000 Quadratmeter großen Verkaufsflächen. „Die Kunden aber auch die Mitarbeiter sind froh, dass der Andrang nicht so groß ist“, sagt Vortkamp. „Ein bisschen mehr Leben wäre aber schon schön.“ Der Grund für das Ausbleiben: „Es herrscht große Verunsicherung. Viele Kunden rufen bei der Hotline an, weil sie nicht wissen, ob wir geöffnet haben oder nicht“, sagt Vortkamp.

„Die Unsicherheit bei den Kunden ist groß“, sagt Brigitte Felzmann, Inhaberin des Schuhhaus Felzmann in Unterhaching. 

Diese Erfahrung hat auch Brigitte Felzmann gemacht. „Die Unsicherheit bei den Kunden ist groß“, sagt die Inhaberin des Schuhhaus Felzmann in Unterhaching. „Seit Freitag steht das Telefon nicht mehr still.“ Felzmann habe sich deshalb kurzerhand dazu entschieden trotz des normalen Geschäfts ein paar „click & meet“ Termine für die nächsten Tage zu vereinbaren. So können sie auch bei einer kurzfristigen Schließung planen. „Ich wünsche natürlich, dass wir weiter offen bleiben dürfen.“ Zumindest heute steht dem nichts im Wege– die Inzidenz bleibt unter 50.

Corona-Lockerungen in Bayern: Geschäfte öffnen wieder - „Unsicherheit bei den Kunden ist groß“

Die Zahl der Corona-Infizierten steigt im Landkreis München weiter an, auch der Inzidenzwert steigt. Alle Informationen gibt es hier im Ticker. Außerdem startet der Landkreis München ein Pilotprojekt: Sechs Arztpraxen bieten in den kommenden Tagen Corona-Impfungen für ihre Patienten an. Statt ins Impfzentrum in die gewohnte Praxis. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Landkreis-München-Newsletter.

(Von Laura Forster)

Rubriklistenbild: © Gerald Förtsch

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare