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Mario Hanel und Timm Schnigula stehen für eine ganz neue Generation von Bierbrauern.

Craft Beer

Wie "Crew Republic" Bayerns Bierwelt revolutionieren will

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Unterschleißheim - Sie sind jung, hip, anders – und haben den Geschmack getroffen: Timm Schnigula und Mario Hanel brauen in ihrer „Crew Republic“ Craft Beer. Ein mutiger Versuch im Land des Hellen.

Erst die Revolution, dann eine neue Republik. Davon träumen Mario Hanel und Timm Schnigula. Sie arbeiten nicht im Verborgenen, sie drängen in die Öffentlichkeit. Die Zahl der Anhänger wächst. Die Revolution kämpft sich seit 2011 goldgelb durch München und Umgebung. Das Ziel: „eine eigene Bier-Republik gründen und den deutschen Biergeschmack revolutionieren“, sagt Hanel, 34, Tiroler Dialekt, gestyltes Haar, selbstbewusst und lacht. Ein Seitenwechsler und „Bier-Enthusiast“. Vom Unternehmensberater zum Unternehmer. Wie sein Partner Timm Schnigula, 35, Rheinländer, cool, lässig, lange Matte, Boardertyp. Hanel macht das Marketing, Schnigula kümmert sich ums Produkt. Craft Beer nach deutschem Reinheitsgebot – made in Unterschleißheim. Willkommen in der „Crew Republic“.

Handgranate und Hopfendolde

Hier in der Brauerei am Unterschleißheimer See werden die Biere mit den ungewöhnlichen Namen wie „Munich easy“ und „Roundhouse Kick“.

Sechs Sorten „Handgemachtes“ werden in der Brauerei der beiden Jung-Unternehmer am Unterschleißheimer See hergestellt, getrunken werden sie deutschlandweit. Doch die „Crew Republic“ soll regional bleiben. Zwei Revolutionäre in Bayerns Bierregion, in der das Helle aus der Industrie regiert. „Wenn Du mit Deinem Tragl von Bar zu Bar ziehst, um die Biere vorzustellen, wirst du oft als Aussätziger behandelt“, erzählt Hanel. Oft, aber nicht immer. Mittlerweile sind die Unterschleißheimer Biere in mehreren Bars und ausgesuchten Läden erhältlich. Außerdem gibt’s einen Online-Bestell- und Lieferservice direkt über die Brauerei. Und so gelangt die Handgranate mit der Hopfendolde – das Logo der Brauerei – in die gesamte Republik. Die kleine Republik wächst in der großen.

Craft Beer - ein Trend mit Potenzial 

Craft Beer, ein Trend. Aber noch „ein ganz zartes Pflänzchen“, sagt Hanel. Mit viel Potenzial und Luft nach oben. Darum freuen sich die beiden Münchner über Brauer, die diesen Trend bedienen. „Mitbewerber“ nennt Hanel sie, nicht Konkurrenz. Das Jubiläum 500 Jahre Reinheitsgebot „war für uns ein Gottesgeschenk“. Denn Craft Beer, der neue Trend, war in aller Munde. Schön wäre es. 

Daran arbeiten die beiden Unternehmer jeden Tag. Sie wollen auffallen, auch durch Provokation. Das Logo, die Handgranate, „hat schon für Irritationen gesorgt“, gesteht Hanel. Die Werbung hat’s ebenfalls in sich. Sechs Sorten Bier, sechs Geschichten. Erzählt vom bunten Etikett auf jeder Flaschenrückseite.

"Ein Tribut an die schönste Stadt der Welt" 

Sechs Sorten „Handgemachtes“ werden in der Brauerei der beiden Jung-Unternehmer am Unterschleißheimer See hergestellt.

Da kommt das „Munich easy“ Sommerbier, „ein Tribut an die schönste Stadt der Welt“, das man beim Grillen an der Isar oder Sonnen im Englischen Garten trinkt, noch harmlos daher. Das „Roundhouse Kick“, ein Imperial Stout mit 9,2 Prozent Alkohol, verspricht „einen Schlag direkt ins Gesicht“, gebraut für solche, „deren Geschmacksnerven nie genug bekommen. Schwarz wie die Nacht und explosiv wie Dynamit“. Auch die Eskalation um 7.45 Uhr in der Früh („7:45 Escalation“, Double India Pale Ale, 8,3 Prozent) provoziert. Ein Craft Beer, für die, die um 7.45 Uhr „nicht aufhören wollen zu feiern. Ein Bier für die, die immer die Letzten sind, wenn wir schon schlafen. Du bist der Held der Nacht“. Und auch an diejenigen, die „schon seit dem Aufwachen an nichts anderes mehr denken können“, wurde was gebraut: „Hier ist deine persönliche Hopfen-Spritze“: Das „Detox“, ein Session India Pale Ale mit 3,4 Prozent Alkohol.

Lockerer Umgangston, flache Hierarchien 

Aber das ist reines Marketing. Die „Crew Republic“ mit aktuell zehn Mitarbeitern ist „eine eingeschworene Gemeinschaft“, alles läuft „freundschaftsbasiert“. Man merkt’s beim Rundgang durch die Brauerei. Der Umgangston locker, die Hierarchien flach. Und dieses Gefühl wollen die Chefs auch den Kunden vermitteln. Nicht nur durch Produkte, die jung, hip, bunt und anders daherkommen. Sie lassen gerade in und an der Brauerei einen Ausschank und Biergarten bauen. Die Eröffnung ist für den Sommer geplant. Durch Verkauf, Verkostungen, Führungen und Aktionen wollen die beiden ihren Kunden „Herz und Augen öffnen, was Bier alles sein kann“. So erging es ihnen selbst, als sie sich bei beruflichen Reisen in Australien und den USA durch die Bierwelt in Übersee tranken. Diese Vielfalt wollen sie über den großen Teich bringen und hier etablieren – und dabei die deutsche Reinheit nicht verlieren. 

Hopfen aus aller Welt 

Dafür kommt der Hopfen aus aller Welt. Denn er macht den besonderen Geschmack. „Hopfen ist fürs Bier, was die Traube für den Wein ist“, verdeutlicht Hanel. Die Dolde lässt das Craft nach Maracuja oder Schwarzbier schmecken. Qualität, die kostet. Rund zwei Euro im Supermarkt, zirka 4,70 Euro in der Bar pro 0,33-Liter-Flasche. Auch deshalb ist es immer noch „eine große Herausforderung“, Händler zu finden, die das Bier der „Crew Republic“ vertreiben und die Republik vorantreiben. Aber Revolution geht eben nicht ohne Kampf.

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