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Damals... Beim Königsschießen 2016 verteilte die Schützengilde Lohhof noch Wurst- und Breznketten.

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Debatte um Wurst-Ketten beim Königsschießen: Sind sie noch zeitgemäß?

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Die Ketten aus Würsten haben beim Königsschießen Tradition. Der Bayerische Sportschützenbund will sie jedoch abschaffen. Die Meinungen bei den Schützenvereinen gehen auseinander.

Landkreis – Das Königsschießen gehört zu einem Schützenverein wie Würste und Brezn zu einer Brotzeit. Bei der Königsproklamation vereinen sich diese Elemente: Der Schützenkönig bekommt die Münzkette, die Zweit- und Drittplatzierten eine aus Würste und Brezn. Diese Tradition könnte aber schon bald ein Ende finden, zumindest wenn es nach dem Bayerischen Sportschützenbund (BSSB) geht.

Der Verband bemängelt die Lebensmittel-Trophäen seit Jahren. BSSB-Schützenmeister Wolfgang Kink hat die Diskussion in einem BR-Beitrag nun neu entfacht. Für ihn sind sie keine Tradition, sondern ein überflüssiges Relikt aus der Nachkriegszeit – und unhygienisch obendrein. „Das gehört nicht zum Schützenbild“, schimpft Kink. Ein weiteres Manko der essbaren Ketten: Sie hinterließen Fettflecken auf den schicken Schützenanzügen.

Die Vereine im Landkreis stehen ganz unterschiedlich zu diesem Brauch. Teilweise haben sie die Ketten schon abgeschafft. Wurst und Brezn sind aber trotzdem fester Bestandteil des Vereinslebens.

Bei der SG Fröhlicher Abend Taufkirchen gibt es sie noch, die Ketten aus Fleisch und Teig. Erster Schützenmeister Michael Müller hat auch gar nicht die Absicht, sie abzuschaffen. „Das ist eine schöne Tradition, seit ich im Verein bin.“ Und das sind immerhin 40 Jahre. Bei den Preisen in Kettenform gehe es um die Gemeinschaft. Lange am Hals des neuen Besitzers bleiben sie eh nicht hängen. „Nach den offiziellen Fotos ist es Brauch, die Würste und Brezn unter den Anwesenden zu verteilen und sie zu essen.“

Das Argument, dass die Ketten die Schützenanzüge ruinieren, lässt der 57-Jährige nicht gelten. „Bei uns hat sich noch keiner beschwert.“ Mit Lebensmittelverschwendung habe es auch nichts zu tun. „Es ist nicht wie beim Karneval, dass wir es auf die Straße werfen und es dann liegen bleibt.“ Trotzdem hat Müller Verständnis dafür, wenn Vereine auf die Ketten verzichten. „Das sollte man den Vereinen überlassen.“

Bei der SG Frohsinn Höhenkirchen gibt es keine essbaren Ketten mehr. Vor acht Jahren haben sich die Schützen entschieden, die sie abzuschaffen. „Wir sehen das nicht als sinnvoll an“, sagt der Dritte Schützenmeister Klaus Schokolinski. Eine Tradition sei es auch nicht. Außerdem: „Wurst- und Breznkönig klingt schon etwas komisch.“

Weil das Königsschießen so ins Lächerliche gezogen werde, habe der damalige Schützenmeister beantragt, die Ketten abzuschaffen. Der Verein ist dem Vorschlag gefolgt. Einen Aufschrei gab es nicht.

Statt Wurst- und Breznketten bekommen die Zweit- und Drittplatzierten jetzt eine Nadel angesteckt. Aber natürlich gehören Würste und Brezn weiter fest zum Königsschießen, aber eben auf dem Teller. Nur bei der Frohsinn-Jugend gibt es die verzehrbereiten Ketten noch. Als Anreiz, „damit nicht nur der Erste was um den Hals gehängt bekommt“.

Heute... Bei der Gilde Lohhof sind die essbaren Ketten Geschichte. Die Zweit- und Drittplatzierten bekommen Körbe, so wie Wurstkönigin Lisa Forstner (3.v.l.).

Frei bleiben die Hälse seit Neuestem auch bei der Schützengilde Lohhof. „Bei uns gibt es seit letztem Jahr keine Ketten mehr, sondern Körbe“, sagt Lisa Forstner. Die 20 Jahre alte, amtierende Wurstkönigin der Gilde Lohhof erklärt, warum: „Vor zwei Jahren ist eine Veganerin Zweite geworden, die hätte sich die Kette umhängen müssen.“ Sie hat sie dann in die Hand genommen. Ein kurioser Vorfall, nach dem der Vorstand die Ketten durch Körbe ersetzt hat. Was Forstner durchaus gut findet, da es eben doch ein bisschen unangenehm und unhygienisch sei, sich Würste oder Brezn um den Hals hängen.

Durch die Körbe sind auch die Schützenanzüge der Lohhofer nicht mehr gefährdet, mit Fett beschmiert zu werden. Sie lassen sich die Schmankerl lieber gleich schmecken. Statt an ihren Revers landen die Würste und Brezn nach dem Königsschießen nur noch auf ihren Tellern. So, wie es sich für eine deftige Brotzeit gehört.

ses

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