Sebastiano Caruso (49) mit einer Carbonata Siciliana in zwei Variationen. Er gibt sein Lokal auf.
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Sebastiano Caruso (49) mit einer Carbonata Siciliana in zwei Variationen. Er gibt sein Lokal auf.

Beliebtes Restaurant

Die Gesundheit geht vor: Wirt schließt das „Caruso“

Das sizilianische Restaurant „Caruso“ in Unterschleißheim schließt aller Voraussicht nach zum 1. Mai. Im Gegensatz zu vielen anderen Gastronomen, denen im Lockdown die Luft ausgeht, hat dies nichts mit Corona zu tun – im Gegenteil.

Unterschleißheim - Inhaber Sebastiano Caruso begründete seinen Schritt gegenüber dem „Müchner Merkur“ damit, dass er sich heuer, zwei Jahre nach einem schweren Unfall, für seine Genesung entschieden habe statt für den Verdienst.

Unfall in Sizilien

2019 hatte ihn als Radfahrer ein Auto im Urlaub in seiner sizilianischen Heimat an eine Naturmauer gedrückt. Er erlitt Brüche an Knie, Schulter und Rippen; seine Nieren wurden lädiert. Ein ärztlicher Kunstfehler bei einer der OPs kam hinzu, und so kann er immer noch nur unter Schmerzmitteln als Padrone wirken. „Vor meinem Unfall war ich dem Geld hinterher“, sagt er. „Seither habe ich umgedacht: Leben ist wichtiger. Ich will nicht, dass mir ein Bein amputiert werden muss.“

Geschäft läuft

Den Lockdown hat Caruso mit seiner gehobenen sizilianischen Küche nach eigener Einschätzung geschäftlich gut überstanden, gesundheitlich war er für ihn sogar eine Erholung, aber die reichte nicht. Der Abholservice werde gut angenommen – aber zu gut, als dass er nicht ständig zwischen Terrasse und Küche sprinten muss. Er hätte sogar, sagt er, alle vorher sieben Angestellten weiterbeschäftigt – wenn er denn für sich selbst eine langfristige Perspektive gesehen hätte. Die kommerziellen Aussichten wären für ihn mit der Öffnung der Außengastronomie am 22. März – das „Caruso“ hat eine Terrasse – glänzend gewesen. Die Alternative, die jetzt noch zwei Angestellten alleine hantieren zu lassen – für den temperamentvollen Sebastiano Caruso mit seinen klaren Vorstellungen wäre sie keine. Damit liegt der Fall „Caruso“ ganz anders als der des „Alten Wirts“ keine 100 Meter weiter, bei dem Corona den Ausschlag zum Aufgeben gab (wir berichteten). Dem befreundeten Verpächter hat Caruso im besten Einvernehmen zum 1. Mai gekündigt, sagt er.

Einige Interessenten

Der lässt jetzt die Immobilie samt Mobiliar vermakeln. Wenn das „Caruso“ vor Corona wie so oft gerappelt voll war, dinierten innen 60 Gäste und außen 25. Sebastiano Caruso hat die mediterrane Einrichtung selbst bezahlt und gestaltet; dafür will er vom Übernehmer eine Ablöse. Ein halbes Dutzend Interessenten hätten sich die Location bereits angesehen.

Mit Sebastiano Caruso endet vorerst eine Ära in der an Pizzerien nicht armen Stadt Unterschleißheim. In der Hauptstraße ist Caruso seit sieben Jahren, zuvor war er 20 Jahre lang in der Einkaufsstraße Bezirksstraße im Stadtteil Lohhof.

Caruso ist mit Annette Motka verheiratet, die in Haimhausen (Kreis Dachau) einen Gemüsehof unterhält. Wer seine Leidenschaft kennen gelernt hat, ist sich sicher, dass der 49-Jährige nach seiner Genesung etwas Neues aufbaut. GEORG EBLE

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