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„Es ist eine Win-Win-Situation“: Bei den Familienpatenschaften wachsen Beziehungen, die allen Freude machen, den Kindern, den Eltern und den ehrenamtlichen Paten.

Das Projekt „Familienpaten“

Ehrenamtliche werden zu Vertrauten

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Die Einen suchen händeringend nach Entlastung. Die Anderen haben Zeit und bieten ehrenamtlich Hilfe an. Diese Menschen will das Projekt „Familienpaten“ zusammenbringen. Gerade in einer mobilen Gesellschaft, wo Großeltern oft weit entfernt wohnen, sind diese Patenschaften sehr gefragt.

UnterschleißheimKatharina Späth bringt den Sonnenschein mit ins Haus. Ihr fröhliches Naturell strahlt Kraft und Sicherheit aus. Heute war sie mit dem einjährigen Moritz im Schlosspark in Oberschleißheim unterwegs. „Ein schöner Ort für unsere Spaziergänge.“ Katharina Späth ist 28 Jahre alt, hat Soziale Arbeit in Eichstätt studiert und leitet ein Kinderhaus in Oberschleißheim. Neben dieser verantwortungsvollen Aufgabe besucht sie in ihrer Freizeit jede Woche Moritz und seine Eltern.

„Ich wollte ehrenamtlich was Gutes tun. Ich liebe das Zusammensein mit Kindern und bin in das Projekt reingerutscht“, erzählt Katharina. Die Idee der Familienpaten habe ihr sofort gefallen. Seit zwei Jahren ist sie dabei und hat inzwischen ihre zweite Patenschaft übernommen. Zu Moritz Mutter Laura (27) ist ein vertrauensvoller Kontakt entstanden.

Die Paten helfen bei Hausaufgaben, entlasten Alleinerziehende und stehen Familien in schwierigen Situationen bei. Sie gehen ein Mal pro Woche für maximal drei Stunden in die Familie. Seit drei Jahren läuft das Projekt „Familienpaten“ bei der Nachbarschaftshilfe (NBH) in Unterschleißheim, und es ist längst zu einer gefragten Initiative geworden. Ehrenamtliche werden zu Vertrauten in Familien und unterstützen sie einmal in der Woche in ihrem komplexen Alltag.

Für die Eltern von Moritz war der Start ins Familienleben anfangs schwer. „Wir waren neu in Unterschleißheim, unsere Eltern wohnen weiter weg“, erzählt Laura vom Leben zu dritt: „Katharinas Berufserfahrungen aus der Krippe tragen dazu bei, dass es uns besser geht.“ Oft unterhält Laura sich mit der Familienpatin über schwierige Alltagssituationen: Wie würdest Du Grenzen setzen? Ab wann versteht Moritz diese überhaupt?

Gerade hat die kleine Familie die nächsten Umstellungen gemeistert: Das Ende der Elternzeit, die Eingewöhnung in der Krippe und den Berufseinstieg von Laura. Sie hat ebenfalls Soziale Arbeit studiert und gerade eine halbe Stelle angenommen. Gleichzeitig stand der Umzug in eine größere Wohnung an. Wenn Katharina kommt und Moritz für drei Stunden mitnimmt, können seine Eltern einmal durchatmen: „Wir sind unheimlich froh über die Entlastung“, sagt die Mutter.

Moritz ist beim Spazierengehen im Kinderwagen eingeschlafen, jetzt ist er ausgeruht und flitzt mit roten Bäckchen übers Parkett. Er setzt sich kurz auf den Schoß seiner Mutter und entdeckt schon die nächste Attraktion: einen langen Schuhlöffel, den er strahlend hochhält. Der fröhliche Lockenkopf ist ein aufgeweckter Junge, der viel lacht und zu Katharina Späth schnell Zutrauen gefunden hat. „Es ist ganz ganz toll mit ihm“, sagt die Familienpatin strahlend: „Schon beim zweiten Treffen ist er mit mir eine kleine Runde nach draußen gegangen.“

Das Engagement in einer bestimmten Familie ist auf Zeit angelegt, in der Regel auf ein Jahr. „Es geht um Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt Projekt-Koordinatorin Simone Baade (43) von der NBH. Vor Beginn ihres Einsatzes bekommen die Helfer eine Schulung, damit sie gut vorbereitet sind. Ein Mal im Monat findet ein Treffen mit Simone Baade statt, bei dem die Paten sich untereinander austauschen können. Wie läuft es mit den Familien, was haben sie mit den Kindern unternommen, wie kann man auf schwierige Situationen reagieren?

„Ganz wichtig ist hierbei die Diskretion. Es werden keine Namen der Familien genannt und keine Details preisgegeben, damit keine Rückschlüsse auf die Familien gezogen werden können“, sagt Simone Baade, „das ist uns wirklich wichtig. Denn unsere Familien, die uns um Hilfe bitten, müssen uns vertrauen können.“

Privates gehtnicht nach außen

Ganz leicht ist das am Anfang nicht: Ein komplett fremder Mensch kommt in die privaten Räume. „Um Hilfe zu bitten, ist ein großer Schritt für die Familien“, sagt Simone Baade: „Das muss man honorieren. Eine Familienpatin trägt nichts Privates nach außen. Die Familie steckt in einer schlimmen Situation und bittet: Helft mir! Das versuchen wir zu verstehen und wollen es auf keinen Fall bewerten.“ Die Paten wachsen nach und nach in die Familie hinein. Für sie ist es tabu, besserwisserisch Aufgaben an sich zu reißen nach dem Motto: „Das mache ich doch mit Links.“

Acht Paten sind aktuell im Einsatz. Viele weitere Anfragen von Familien gibt es. Wer Familienpate werden möchte, benötigt keine Vorkenntnisse, sondern lediglich guten Willen, Lust und Laune, neue Menschen kennenzulernen und die Bereitschaft, an einer Schulung teilzunehmen.

Kontakt

Alle die sich für das Projekt „Familienpaten“ interessieren, bekommen Informationen unter Tel. 089/37 07 35 81, mittwochs von 9 Uhr bis 12 Uhr.

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