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„Authentisch und charaktervoll“ schmecke das „Lissi Green“, lobt Ilse Aigner. Das Bier ist eigens für die Wirtschaftsministerin von „Crew Republic“ in Unterschleißheim gebraut worden. Gründer Tim Schnigula (mit Kappe) beobachtet gespannt, wie der prominente Gast eine Kostprobe nimmt.

Wirtschaftsministerin stösst mit Crew-Republic an

Ein Prost auf das Reinheitsgebot

Ministerin Ilse Aigner besucht die Bierbrauer von „Crew Republic“ in Unterschleißheim. Und lernt ganz neue Geschmackserlebnisse kennen.

Von Patrik Stäbler

Unterschleißheim– Ilse Aigner blickt dann doch etwas skeptisch drein, während sie die Flasche mit dem grünen Etikett in die Höhe hält. Nicht, dass der Wirtschaftsministerin und stellvertretenden Ministerpräsidentin der Inhalt nicht schmecken würde – die CSU-Politikerin lobt das in Unterschleißheim gebraute Bier ausdrücklich als „authentisch und charaktervoll“.

Aber der Name? Ilse Aigner schüttelt lächelnd den Kopf. „Lissi Green?“ Sie macht eine kurze Pause. Mit „Lissi“ könne sie sich ja noch anfreunden, schließlich sei sie – „und das wissen nur wenige“, sagt die 52-Jährige – auf den Namen Elisabeth getauft. Aber „Green“, also Grün? Nicht wenige CSU-Politiker würden nun wohl einen flotten Spruch bringen über die herzliche Abneigung, die man als Schwarzer gegenüber Grünen hege. Und ein Markus Söder hätte ganz sicher ein markiges Zitat parat, das später in allen Zeitungen auftaucht.

Doch Ilse Aigner lächelt bloß, lässt die Grünen und das Bier grün sein – und kommt auf den Alkoholgehalt von „Lissi Green“ zu sprechen: „Fünf Prozent? Als Politiker kann man sich damit nicht zufriedengeben.“

Und so ist es an Timm Schnigula, das Geheimnis um den Namen zu lüften. Der 37-Jährige trägt eine Trucker-Kappe, unter der lange, blonde Haare hervorwallen; auf seinem grauen Kapuzenpulli prangt das Logo von „Crew Republic“ – jener Brauerei aus Unterschleißheim, die das „Lissi Green“-Bier kreiert hat. Das Grün im Namen beziehe sich auf die vier Hopfensorten, die der Präsident des Bayerischen Brauerbunds der CSU-Politikerin im April als Geschenk überreicht habe – beim Festakt zu 500 Jahren Reinheitsgebot. Sie seien im „Lissi Green“ als Grünhopfen verarbeitet worden, erklärt Schnigula, also frisch geerntet und nicht etwa getrocknet.

Dass das Aigner’sche Bier ausgerechnet bei „Crew Republic“ gebraut wurde, wo nun auch die Abschlussveranstaltung des Jubiläumsjahrs stattfindet, hat natürlich einen Grund. Denn im Gegensatz zu vielen anderen kleinen Craft-Bier-Brauereien, die das Reinheitsgebot „verteufeln“, wie Tim Schnigula sagt, brauen die Unterschleißheimer alle ihre Biere getreu dem 500 Jahre alten Statut. Sprich: nur aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser. „Das ist eine Herausforderung“, sagt Timm Schnigula. „Wenn wir wollen, dass ein Bier fruchtig schmeckt, dann können wir nicht einfach die Frucht beigeben, sondern müssen mit einer entsprechenden Hopfensorte arbeiten.“

Im Jahr 2011 haben Schnigula und sein Kompagnon Mario Hanel ihre Jobs als Unternehmensberater an den Nagel gehängt und stattdessen – nach ersten Brauversuchen in ihrer WG-Küche – „Crew Republic“ gegründet. Anfangs arbeiteten sie mit einer Brauerei zusammen; seit Mai 2015 kommen sämtliche Biere aus dem eigenen Werk am Unterschleißheimer See. „Hätte mir vor zwei Jahren jemand gesagt, dass wir die Abschlussveranstaltung von 500 Jahre Reinheitsgebot in Unterschleißheim feiern, hätte ich geantwortet: Spinnst du völlig?“, sagt Bürgermeister Christoph Böck (SPD). Dass der Brauer-Bund nun jedoch „Crew Republic“ für das Fest ausgewählt habe, sei für ihn nicht überraschend. „Ich war im Urlaub in Bremen bei einem Craft-Beer-Festival“, erzählt der Bürgermeister. „Und jeder dort hat mir gesagt, dass das beste Bier von Crew Republic kommt.“

Wie es im Innern der Brauerei aussieht, bekommen die Besucher hernach bei einem Rundgang gezeigt. Und gerade, als sich alle auf den Weg zurück in die Eingangshalle machen, wo das „Lissi Green“ zur Verkostung wartet, greift Tim Schnigula zu einer Flasche mit dunklem Etikett und drückt sie Ilse Aigner in die Hand. „Wir brauen hier auch zwei Schwarzbiere“, sagt er grinsend. „Davon packen wir Ihnen auch ein paar Flaschen ein. Vielleicht passt das ja besser.“

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