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Keine Angebote: Stadt hat gerade noch einen Stromvertrag bekommen

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Von: Charlotte Borst

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Städte bereiten sich auf «Blackout» vor
Einige Kommunen müssen sich sorgen, wie der Strom in ihre Liegenschaften kommt. © Nicolas Armer/DPA

Bei einer Bündelausschreibung für Strom ist die Gemeinde Unterschleißheim jüngst leer ausgegangen. Da kam der Bürgermeister ganz schön ins Schwitzen.

Unterschleißheim – Einige Kommunen in Bayern müssen sich Sorgen machen, woher ab 2023 der Strom für ihre Liegenschaften kommt. Auch in Unterschleißheim war der Schock groß, als die Stadt Mitte Oktober bei einer Bündelausschreibung leer ausgegangen war und offen war, wer 2023 den Strom liefern sollte für Straßenbeleuchtung, Schwimmbad, Rathaus, Bürgerhaus, Bibliothek, die Schulen und viele andere Gebäude?

Bürgermeister Christoph Böck (SPD) und seine Verwaltung haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, und am Donnerstagmittag lagen sogar zwei Angebote vor. Dann musste sich der Bürgermeister schnell entscheiden: „Man ist nur eine halbe Stunde berechtigt, das Angebot anzunehmen, ansonsten wird es deutlich höher“, berichtete Böck am Abend dem Stadtrat. Er nahm das wirtschaftlichste Angebot an: Die Wahl fiel erneut auf die Gemeindewerke Oberhaching. Sie liefern 2023 Strom für 43,99 Cent pro Kilowattstunde netto. Am Abend segnete der Stadtrat die Eilentscheidung einstimmig ab.

Verwaltung steht unter Druck

Böck hatte erklärt, unter welchem besonderen Druck die Verwaltung stand: Ende 2022 laufen die aktuellen Lieferverträge aus. Schon im November 2021 hatte der Hauptausschuss beschlossen, dass die Stadt an der Bündelausschreibung der Kubus-Kommunalberatung und Service GmbH für die Jahre 2023 bis 2025 teilnehmen soll.

An dieser Ausschreibung beteiligten sich 1453 öffentliche Auftraggeber, um einen günstigen Strompreis zu erzielen. Die Ausschreibung, die im Sommer beendet sein sollte, zog sich aufgrund der Energiekrise bis Oktober. Doch am Ende bekamen zwei Fünftel der Teilnehmer kein Angebot, darunter auch Unterschleißheim. „Wir hatten Sorge, dass wir irgendwann zu spät dran sind, weil jetzt viele Gemeinden ein Angebot suchen“, berichtete Böck.

Unsicherheit im Vorgehen

Gleichzeitig musste die Stadt das Vergaberecht im Auge behalten: War sie an eine erneute Bündelausschreibung gebunden? Durfte sie selbst Angebote einholen oder sogar einen Stromanbieter direkt beauftragen?

Fachanwalt klärt die Lage

Dies klärte die Verwaltung mit einem Fachanwalt, dann stand fest: Die Stadt darf angesichts der Dringlichkeit einen Auftrag direkt vergeben. Ein Mindestmaß an Wettbewerb musste aber sein. Die Verwaltung forderte also acht Angebote an. Es zeigte sich, dass derzeit mit 40 bis 43 Cent pro Kilowattstunde netto zu rechnen ist, was brutto etwa 55 Cent entspricht (aktuell zahlt die Stadt 13,69 Cent netto/ brutto 30 Cent). „Wir sind noch im Rahmen mit unserem neuen Vertrag“, sagte Steven Ahlrep, der Sprecher der Stadt, auf Anfrage: „Ohne neuen Vertrag wären zwar die Lichter nicht ausgegangen, aber wir wären drei Monate in die Grundversorgung gefallen und hätten wohl einen schlechteren Preis zahlen müssen.“

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