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Fieser Trick: Die Betrüger geben sich am Telefon als Polizisten aus.

Mehrere zehntausend Euro

Falscher Polizist: Betrüger zockt Rentnerin (73) ab

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Wie fies: Mehrere zehntausend Euro hat ein Betrüger von einer Rentnerin aus Unterschleißheim (73) ergaunert. Es grassiert eine regelrechte Betrugswelle im Landkreis.

Unterschleißheim – Der Schock muss gewaltig gewesen sein, als einer 73-jährigen Unterschleißheimerin dämmerte: Sie hat Betrügern mehrere zehntausend Euro in den Rachen geworfen. Weil sie sich von angeblichen Polizeibeamten hat einschüchtern lassen. „Die Dame war total aufgelöst, weil sie nie geglaubt hätte, dass sie auf so etwas hereinfällt“, sagt Michael Graf, Dienststellenleiter der Inspektion Oberschleißheim. Aber die Täter seien so hochprofessionell und psychologisch geschickt gewesen, dass sie die 73-Jährige dahin dirigieren konnten, wo sie sie hinhaben wollten.

Mehr als 130 Fälle in der Region

Eine regelrechte Betrugswelle mit dem Polizeibeamten-Trick hat die Kripo in den vergangenen Tagen registriert. Von 30 Fällen berichtete die Polizeiinspektion Oberschleißheim. Bei diesen Anrufen wurde durch eine technische Manipulation im Display der Opfer die Nummer der Schleißheimer Polizeiwache angezeigt. Das Polizeipräsidium München hat allein am Dienstag 61 Fälle registriert, die Schleißheimer inbegriffen, das Polizeipräsidium Oberbayern Nord weitere 77. 

Angeblich hat Einbrecherbande Daten der Rentnerin

Im Fall der 73-jährigen Unterschleißheimerin müssen die Täter dagegen so überzeugend gewirkt haben, dass sie keinen Verdacht schöpfte. Am Montag gegen 15.30 Uhr hatte sie den Anruf eines angeblichen Polizeibeamten erhalten, der Mann nannte sich „Bach“. Er warnte die Unterschleißheimerin: Bei Mitgliedern einer festgenommenen Einbrecherbande sei ein Zettel mit den Daten der 73-Jährigen gefunden worden. Um das Geld der Frau in Sicherheit zu bringen und den Tätern auf die Spur zu kommen, vereinbarte der „Polizeibeamte Bach“ einen Übergabetermin. 

Geld unterm Briefkasten

So eingeschüchtert, ging die Frau zur Bank und hob mehrere zehntausend Euro ab. Auch Nachfragen der Banker hatten die Betrüger einkalkuliert. „Herr Bach“ schärfte der 73-Jährigen ein, dass die Bankmitarbeiter in die kriminellen Machenschaften verwickelt seien und sie deshalb auf gar keinen Fall etwas sagen dürfe. So nahm sie das Bündel Geldscheine und legte es wie mit dem falschen Polizisten vereinbart vor ihrer Haustür unter dem Briefkasten auf den Boden. Als sie nach wenigen Minuten wieder vor die Tür schaute, war das Geld schon „abgeholt“ worden. Erst nach und nach wurde der Frau bewusst, dass der fürsorgliche „Herr Bach“ sie betrogen hatte. Über den Notruf 110 holte sie die echte Polizei. Die ermittelt jetzt. 

Tatverdächtiger aus dem Landkreis

In einem Betrugsfall in Gauting ist ein Tatverdächtiger festgenommen worden – ein 38-Jähriger aus dem Landkreis München. Eine alte Dame war nach einem Anruf misstrauisch geworden und hatte die echte Polizei gerufen. Wobei der Schleißheimer Dienststellenleiter sich sicher ist: Der Mann ist nur ein Handlanger. Die Drahtzieher, die Anrufer, sitzen im Ausland – und nehmen sich Region für Region systematisch vor. In den vergangenen Tagen wieder den Großraum München. 

Das rät die Kripo:

-Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, auch nicht durch angeblich dringende Ermittlungen zu einem Einbruch in der Nähe. 

-Die Polizei fordert niemals Bargeld, Überweisungen oder Wertgegenstände, um Ermittlungen durchzuführen. 

-Rufen Sie nie die am Telefon angezeigte Nummer zurück, fragen Sie beim Notruf 110 nach. 

-Gesundes Misstrauen ist keine Unhöflichkeit. Im Zweifel wählen Sie den Notruf 110. Mehr Informationen gibt’s unter www.polizei.bayern.de und den „Facebook-„ und „Twitterseiten“ des Polizeipräsidiums München

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