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Schokolade aus dem 3D-Drucker: Benedikt Daschner aus Ismaning tüftelte rund ein Jahr an der Technik, mit er formschöne Süßigkeiten fertigt.

Auf der Internationalen Handwerksmesse

Gefalteter Stuhl und Schoko aus dem Drucker: Diese Tüftler räumten Staatspreis ab

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Schaukelstühle und Schokolade aus dem 3D-Drucker: Drei Tüftler aus dem Landkreis haben ihre Ideen auf der Internationalen Handwerksmesse präsentiert und Preise abgeräumt.

Landkreis – Aus fragil wird stabil, zumindest mit dem richtigen Knick. Was die Japaner vor rund 700 Jahren mit dem Origami entdeckt haben, macht sich die Designerin Maria van Vügt (27) aus Unterschleißheim zunutze: Mit einer Falttechnik verwandelt sie eine runde, flache Scheibe aus Holz und Leder in einen Schaukelstuhl.

Bei der Internationalen Handwerksmesse (IHM) in München hat van Vügt mit ihrer Konstruktion den Staatspreis gewonnen. Eigentlich arbeitet sie nicht mit Holz und eigentlich gestaltet sie keine Möbel. Die gelernte Polsterin lässt alte Sofas und Sessel in neuem Glanz erstrahlen. Der Schaukelstuhl ist ihr erstes eigenes Designstück und gleichzeitig ihre Abschlussarbeit an der Akademie für Gestaltung in München. Es sei „eine unglaubliche Ehre“, dass sie damit den mit 5000 Euro dotierten Preis gewonnen hat, sagt sie. „Bekannte Firmen stellen dort aus – und ich bin Newcomerin und Einzelkämpferin.“

Damit aus der vier Millimeter dünnen Sperrholzplatte mit Ledereinsatz ein stabiler Schaukelhocker wird, knickt van Vügt sie. Dann fädelt sie an der Unterseite Lederriemen im Zickzack ein wie bei einem Schnürschuh. Das geht in wenigen Minuten. Reibung und Klemmwirkung halten sie an ihrem Platz. So trägt die lederne Sitzfläche bis zu 140 Kilogramm. Zieht man am Riemen, klappt der Hocker zusammen.

Den richtigen Knick gefunden: Designerin Maria van Vügt mit ihren prämierten Schaukelstühlen.

Zunächst trauten sich die Messebesucher nicht, darauf zu sitzen, sagt Maria van Vügt. Doch sie hat sie überzeugt, genau wie die Jury, die sich fragte, warum die Unterschleißheimerin auf Metall verzichtet. „Holz ist ein guter Faktor“, sagt sie, nicht nur aus ästhetischen Gründen. Es ähnelt Papier, ist aber standhafter. Sie nutzt nachhaltig produziertes Sperrholz. Mit einer Polsternähmaschine vernäht sie es mit dem Leder. Durch die feste, aber zugleich flexible Verbindung lässt sich der Hocker platt machen. Praktisch in einer Zeit, in der knapper Wohnraum möglichst gut genutzt werden will.

„Der Stuhl trifft den Zeitgeist“, sagt Maria van Vügt. Da sie bisher in Kleinserie produziert, liegen die Herstellungskosten pro Hocker bei 600 bis 900 Euro. Dank des Preisgelds kann sie aber wohl bald größere Stückzahlen produzieren, dann sinken die Kosten. Ihr Traum ist es, einmal von ihrer Idee leben können. „Ich will viele Menschen glücklich machen mit meinem Schaukelhocker.“ Wer darauf sitzt, lockert und stärkt nicht nur seine Rückenmuskeln. Schaukeln ist ein Naturinstinkt des Menschen, sagt sie. Wer wippt, ist gut drauf.

Auch Stefan Oetzel aus Unterföhring wurde mit dem Staatspreis geehrt. Er arbeitet seit mehr als 20 Jahren im Bereich Wasserhygiene und hat eine Spülanlage entwickelt, die Trink- und Abwassersysteme reinigt. Wechselnde Spülrichtungen und Druckluft lösen Beläge und waschen sie aus, dann wird desinfiziert. Die computergesteuerte Anlage kommt in Krankenhäusern zum Einsatz, so Oetzel, aber auch in Einfamilienhäusern und Industrieanlagen.

Schokolade aus dem 3D-Drucker hat Benedikt Daschner (27) auf der Messe vorgestellt. Oder besser: Einen handelsüblichen Drucker, den er so umgebaut hat, dass er geschmolzene Kuvertüre in allen Formen auftragen kann, Schicht für Schicht. Dafür wurde er mit dem Bundespreis belohnt. Rund ein Jahr lang tüftelte der Ismaninger, der sein Physikstudium für die Konditorlehre an den Nagel gehängt. Nun ist die Technik so weit ausgereift, dass sich Firmen für seine Produkte interessieren. Gedruckte Schokolade ist ein Hingucker auf Veranstaltungen.

Seit Oktober widmet Daschner sich Vollzeit seinem Start-up-Unternehmen, doch mit wachsendem Erfolg wächst auch die Arbeit. Daher sucht er Kollegen, die sich mit Vertrieb und Marketing auskennen, sagt er. Seine Schokofiguren sollen bekannter werden und nicht nur bei Events ein Höhepunkt sein, sondern auch bei Geburtstagen und an Weihnachten. Die Auszeichnung auf der Messe soll erst der Anfang gewesen sein.

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