Landrat bringt vorgezogenen Ferien ins Spiel - Kliniken machen wieder Intensivbetten frei

Impfzentren sollen Mitte Dezember betriebsbereit sein

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Der Impfstoff könnte schneller verfügbar sein, als bisher gedacht. „Der Landkreis wurde aufgefordert, bis zum 16. Dezember Impfzentren bereitzustellen“, sagte Landrat Christoph Göbel (CSU) am Freitag beim Pressegespräch.

Wann genau ein Corona-Impfstoff verfügbar sein wird, ist noch unklar. (Symbolbild)
  • Landrat Göbel hat die Kliniken im Landkreis aufgefordert, vorsorglich Intensivbetten frei zu machen.
  • Bis zum 16. Dezember sollen die Impfzentren im Landkreis betriebsbereit sein.
  • Standorte sind in Haar, Unterschleißheim und Oberhaching vorgesehen.
  • Landrat Göbel bringt vorgezogenen Weihnachtsferien ins Spiel: „Die Schulen sollten im Regelbetrieb bis Mitte Dezember weiterlaufen.“
  • Mancherorts erschweren Anwohner die Testungen bei den Hausärzten

Landkreis – Die Dringlichkeit der Impfzentren lässt hoffen, dass es Mitte Dezember mit dem Impfen losgehen kann. „Wir wissen nicht, ob es am 16. Dezember zum Start kommt“, blieb Göbel vorsichtig. Auf jeden Fall will der Landkreis bis dahin mit Impfzentren in Haar, Unterschleißheim und Oberhaching gerüstet sein. Das Landratsamt holt schon Angebote von Rettungsdiensten ein, die die Impfzentren betreiben werden. „Wir bekommen unsere Rationen zu den Impfzentren geliefert“, sagte Göbel.

Vorgezogene Ferien?

Der Impfstoff muss extrem tief gekühlt werden. Daher ist sein Transport nicht einfach. Es sei es schwierig, den Impfstoff in Heime oder zu gefährdeten Personen zu bringen. „Wir müssen uns mit mobilen Impfteams auseinandersetzen“, sagte Göbel, „oder sehen, wie wir für Menschen, die nicht mobil sind, die Impfung an den Impfzentren organisieren“, eventuell müsse man Busfahrten anbieten.

Die Impfungen werden noch aus einem anderen Grund – zumindest am Anfang – nicht über die Arztpraxen verabreicht werden können. „Dass zwei Impfungen nacheinander erforderlich sind, bedeutet einen immensen bürokratischen Aufwand“, erklärte Göbel.

Die Infektionszahlen bleiben weiter auf sehr hohem Niveau. Die Schulen sollten, sagte Göbel, „aber nach Möglichkeit bis Mitte Dezember im Regelbetrieb weiterlaufen“, womit er die Überlegung ins Spiel brachte, die Weihnachtsferien vorzuziehen.

Ansturm beim Testen: 1000 Personen an einem Tag

Der Ansturm an den Testzentren habe zugenommen, berichtete Göbel. Bis zu 1000 Personen am Tag würden sich in Haar und Unterschleißheim testen lassen. Gut laufe die Zusammenarbeit mit dem mobilen Testzentrum, das seit zwei Wochen im Landkreis unterwegs ist, Reihentests macht und die Situationen vor Ort klärt.

Wie ernst die Lage ist, zeigt, dass der Landrat diese Woche die zweite Stufe des Rettungsplans auslösen musste. Drei Kliniken im Landkreis sind – wie schon im April – aufgefordert, Betten für Intensivpatienten vorsorglich frei zu machen. Grund dafür ist, dass 90 Prozent der Intensivbetten in der Landeshauptstadt belegt sind. „Wir haben schon in etwa den Höchststand erreicht“, Göbels Appell: „Reden Sie Corona nicht klein.“

Anwohner erschweren mancherorts Arbeit der Hausärzte

Dankbar sind Landrat und Versorgungsarzt Dr. Oliver Abbushi für die enorme Unterstützung der Hausärzte und der medizinischen Fachangestellten. „Die Belastungen für die Hausarztpraxen sind enorm“, sagte Abbushi, „sie sind unser Rettungsring. Die Infrastruktur würde nicht ausreichen, wenn die Leute nicht auch zu ihren Hausärzten gehen könnten.“

Tests würden oftmals aus dem Fenster heraus, an der Hintertür oder im Hof gemacht, damit Infizierte keinesfalls mit anderen Patienten in Berührung kommen. „Leider gibt es mancherorts Schwierigkeiten mit Anwohnern“, Abbushi appellierte: „Machen Sie die Arbeit nicht schwerer. Nehmen Sie Corona weiterhin ernst.“

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt/ dpa

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