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Museumsleiterin Gabi Wolf (r.) und ihr Team haben die Ausstellung konzipiert.

Ausstellung im Unterschleißheimer Heimatmuseum

In die eigene Schulzeit zurückversetzt

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Das Thema „150 Jahre Schule in Unterschleißheim“ ist dem Heimatmuseum eine Ausstellung wert. Emotionale Erinnerungen werden bei vielen wach.

Im Foyer des Bürgerhauses lud Bürgermeister Christoph Böck (SPD) Besucher und Lehrer ein, „sich in die eigene Schulzeit zurückzuversetzen“. Seit die Witwe von Kurfürst Maximilian I. den Schulmeister Simon Schitgabler 1651 in der Hofmark Feldmoching ins Amt gehoben hat und die Schleißheimer Klausner anwies, ähnlich zu verfahren, ist Schule ein Thema. Geschichten wie diese, zusammengetragen von Museumsleiterin Gabi Wolf und ihrem Team, lassen die Ausstellung zu einem Erlebnis werden.

Dass es noch eineinhalb Jahrhunderte bis zur Einführung der sechsjährigen Schulzeit im Jahr 1802 dauerte, bis Kinder tatsächlich die Schulbank drückten, ist an anderer Stelle ebenfalls zu erfahren. Die allgemeine Schulpflicht von 1751 verpuffte wirkungslos. Es brauchte erst die gesetzliche, sechsjährige Unterrichtspflicht. Bis dahin galt Schule als Zeitverschwendung. „Kinder mussten in der Landwirtschaft helfen“, weiß Wolf. Lange noch nach dem 30-jährigen Krieg (1618 bis 1648) beklagt ein Schleißheimer Verwalter in einem Schreiben vom 14. März 1740 an Kurfürst Karl Albrecht schlimme Zustände: „Kinder lungern ohne Aufsicht herum, treiben unnütze Dinge, erlernen den Müßiggang. Werden sie älter, so scheuen sie die Arbeit, geraten in Laster und Schande, erregen in der Öffentlichkeit Anstoß und fallen anständigen Menschen zur Last.“ Irgendwie zeitlos.

Anna Eberl (80) hat mit Müßiggang vermutlich nichts am Hut, als sie von 1942 bis 1950 im ersten Schulhaus Unterschleißheims neben dem Alten Wirt und hernach auf dem Hackergrundstück die Schulbank drückte. Allerlei Erinnerungen schimmern durch die Tränen in ihren Augen, als sie die Schautafeln studiert. „Da, das bin ich“, ruft sie und deutet auf ein altes Foto. 

Als Anna Eberl erfährt, dass sie im Bürgerhaus Bilder aus Kindertagen betrachte kann, macht sie sich auf den Weg. In der fünften Klasse hat sie für ein Jahr in dem ersten Schulhaus an der Hauptstraße gelernt. „Die Klassen waren gerammelt voll.“ Verträumt blickt sie auf das nachgebaute Klassenzimmer mit Rechenschieber und Schiefertafel. Die Schule auf dem Hackergrundstück, die sie im Anschluss besuchte, hat direkt neben dem Hof der Familie ihres späteren Ehemannes gestanden.

Gelernt hat Anna Eberl gern und eifrig. Wobei die seinerzeit noch übliche Rute in des Lehrers Hand ihrer Motivation Anschub geleistet haben dürfte. „Ich habe Grundrechnen gelernt, habe alles gekonnt.“ Dass die Schüler heute Taschenrechner, Handy oder Computer für sich arbeiten lassen, kann sie nicht nachvollziehen. „Die finden sich doch nicht mal im Telefonbuch zurecht, weil sie nicht wissen, dass N nach M kommt.“

Die Ausstellung 

im Bürgerhaus kann werktags ganztägig, Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr, besichtigt werden.

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