Begabt: Maximilian (l.) und Adrian Kleemann aus Unterschleißheim. privat
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Begabte Musiker: Maximilian (l.) und Adrian Kleemann aus Unterschleißheim.

Landessieger im Wohnzimmer

„Jugend musiziert“: Diese talentierten Brüder nehmen am Bundeswettbewerb teil

  • Marc Schreib
    vonMarc Schreib
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Bei „Jugend musiziert“ war heuer alles anders. Die Nachwuchs-Talente spielten ihre Stücke im eigenen Wohnzimmer ein. Besonders gut machten das zwei Brüder aus Unterschleißheim.

Unterschleißheim – Der Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ ist wegen Corona heuer ausgefallen. Daher sind automatisch alle gemeldeten Teilnehmer in den Landeswettbewerb eingestiegen. Auch Adrian (14, Klavier) und Maximilian Kleemann (16, Violine) aus Unterschleißheim. Die beiden erreichten ein großartiges Ergebnis: den ersten Platz mit Weiterleitung zum Bundeswettbewerb in der Kategorie Klavier und ein Streichinstrument. Zum ersten Mal allerdings fand die Austragung online in einem speziellen Format statt: Die Musik kam aus dem heimischen Wohnzimmer.

Normalerweise gleichen die Austragungen Festivals und dauern fast eine ganze Woche. Die Vorspiele stehen für alle offen und können live verfolgt werden. Das hilft auf dem Weg der Ausbildung und macht Spaß. Auf diese Inspiration mussten die beiden begabten Unterschleißheimer verzichten, genauso wie auf die Vorbereitung mit der Lehrerin in einem Raum. Da ab Januar kein Präsenzunterricht mehr möglich war, haben die Jugendlichen regelmäßig Online-Unterricht erhalten und Videos ausgetauscht, um die Stücke einzustudieren. Auf diesem Weg war trotz des Lockdowns eine Teilnahme am Landeswettbewerb möglich.

„Mir macht das Geige spielen sehr viel Spaß“

Aber es war ein beschwerlicher Weg, denn die Schüler und ihre Lehrerin Zara Jerbashyan von der Musikschule Unterschleißheim übten via Online-Plattformen, die viele Nachteile haben: Die Übertragung findet nicht in Echtzeit statt und der Ton entspricht nicht dem akustischen Original. Es gab Richtlinien, wonach die Stücke zunächst angesagt und dann in einem Zug aufgezeichnet werden mussten. Die Brüder spielten eine Sonate von Beethoven, Melodien von Prokoffjew und eine Sonate von Brahms für Klavier und Geige. Während beim Wettbewerb das Stück einmal vorgetragen wird, will man sich in diesem Fall verbessern. Adrian und Maximilian mussten sich hier also entscheiden, welche der vielen Aufnahmen sie auswählen wollten.

Die Kunst bestand darin, das Authentische über die Aufnahme festzuhalten und ein gemeinsames Musikerlebnis zu erzeugen. Für die Aufzeichnung und das Umblättern waren die Eltern zuständig. Motiviert waren die beiden allemal, wie sie gegenüber dem Münchner Merkur betonen: „Mir macht das Geige spielen sehr viel Spaß“, erzählt Maximilian Kleemann. Für ihn und seinen Bruder ist es eine schöne Abwechslung zur Schule und auch anderen Hobbys. Gemeinsam mit Musikschullehrerin Zara Jerbashyan haben sie sich die Stücke ausgesucht, sich hineingekniet und damit offenbar genau ins Schwarze getroffen.

Jetzt heißt es wieder Daumen drücken

Ganz wichtig bei der Auswahl: Die Stücke sollte als Duo-Werke gleichwertig sein, also für beide Musiker gleich anspruchsvoll. Einen Vorteil hatte die Zeit der Pandemie übrigens auch: Die Schüler sparten sich den Schulweg und hatten daher mehr Zeit zum Üben.

Diese brauchten sie auch jetzt wieder, denn für den Bundeswettbewerb mussten sie eine neue Version erstellen, wieder eine digitale Aufnahme. Ziel war es, alle Feinheiten zu beachten und die Stücke noch ein bisschen mehr zu schleifen und an ihnen zu feilen. Jetzt nach der Abgabe heißt es wieder: die Daumen drücken.

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