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Zu Tisch, bitte! Cornelia Lieb übt mit den Neuntklässlern des Carl-Orff-Gymnasiums, wie sie an einer Essenstafel das Glas richtig halten und das Besteck angemessen benutzen.  

Kniggekurs am Gymnasium Unterschleißheim

Gutes Benehmen ist Übungssache

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Gutes Benehmen? Übungssache. Darum gibt‘s jetzt am Gymnasium Unterschleißheim einen Kniggekurs. Denn es fängt schon bei der Begrüßung an.

Unterschleißheim – „Man glaubt ja nicht, wie viele Jugendliche sich verweigern, einem Erwachsenen in die Augen zu schauen.“ Benimm-Expertin Cornelia Lieb aus Arnstorf hat das schon oft erlebt – und nun beim Besuch des Carl-Orff-Gymnasiums (COG) in Unterschleißheim festgestellt, dass den Schülern der neunten und zehnten Klassen dort das Erlernen von Tischmanieren richtig Spaß macht. Gelangweilte Blicke gab es nur vereinzelt, und auch nur zu Beginn des Seminars, das vom Elternbeirat initiiert und vom Förderverein sowie von der Schulleitung unterstützt wurde.

In der neunten Klasse spielt die Pubertät die erste Geige. Verschämte Blicke, schüchterne Zurückhaltung und Rückzug sind vor allem bei den Jungs stark zu spüren. Nicht so bei den Probanden des Carl-Orff-Gymnasiums. Dort fand Cornelia Lieb eine wissbegierige Gruppe vor, die sich vielleicht mal amüsiert zuschmunzelte, aber doch in einem Punkt schnell eine Übereinstimmung fand: Benimmregeln sind wichtig und hilfreich.

Die Seminarleiterin will nicht einfach einen langweiligen Vortrag halten und die Zuhörer danach heimschicken, sondern arbeitet mit den Jugendlichen in Kleingruppen, um auf Fragen einzugehen und mit ihnen zu üben, wie das Glas an den Mund geführt wird und dass man sich bei der Begrüßung in die Augen schaut. Aber nicht zu tief, bitte.

Die promovierte BWLerin und das Mitglied der Deutschen Knigge-Gesellschaft gibt seit 14 Jahren Kurse, berät mittelständische Unternehmen, Führungskräfte. Vor zwölf Jahren angesprochen, ob sie nicht ein Benimm-Angebot für Schulen entwickeln könne, erweiterte sie ihr Angebot, das mittlerweile in ganz Bayern gefragt ist. Das Angenehme bei den Schülern: Sie haben ihre Karriere noch nicht im Sinn. Bei ihnen geht es mehr um Persönlichkeitsbildung und darum, im Gespräch mit den Menschen nicht anzuecken, sondern angenehm zu wirken.

Die Benimm-Regeln sind übrigens nicht statisch. Heute öffnen Frauen im Berufsleben auch Männern die Lifttür und umgekehrt. Beim Niesen wünscht man heute nicht mehr unbedingt Gesundheit, da es mittlerweile unzählige Allergiker gibt, die sich andauernd bedanken müssten.

Bei den Tischmanieren fällt Cornelia Lieb stark auf, dass viele Jugendliche nicht mit Messer und Gabel essen können. Eine gemeinsame Mahlzeit mit den Eltern am Tisch – keine Selbstverständlichkeit mehr. „Eine Oma ist nicht mehr mit dabei, die sagt: Du, setz’ dich jetzt mal gerade hin.“ Gerade bei den Tischmanieren trifft die Vermittlerin im COG auf ein rundweg positives Echo. Alle sind begeistert, nicht nur weil es etwas zu essen gibt. Stattdessen erleben sie eine spezielle Form der Souveränität im Umgang.

Aber wie wirken sich die neuen technologischen Fortschritte auf das soziale Miteinander aus? Natürlich stimmt die Verhaltensexpertin zu, dass sich die Kommunikation verändert hat. Statt sich zu einem Plausch zu treffen, gibt es mit Whats-App und Facebook, mit Online-Spiel-Plattformen genug Alternativen. „Gerade die Jungs sind stark heimzentriert durch die Computerspiele.“ Gegen Bildschirmgewische und ständiges Gesurre oder Gebimmel hilft der Handy-Knigge. Gut, der Altmeister des Benehmens hat davon nie gehört, aber die Schüler des COG haben die Regeln trotzdem verinnerlicht. Sie wissen spätestens jetzt: Im Restaurant bitte das Ding auf lautlos stellen. Sonst ist es mit der Romantik schnell vorbei.

Im nächsten Jahr wird Cornelia Lieb wieder ins Gymnasium nach Unterschleißheim kommen, dann aber die Nachfolgeklassen unterrichten. Nach dem Kurs erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat, das sie ihren Bewerbungsunterlagen hinzufügen können.

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