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Wer macht das Rennen? (v.l.) Stefan Krimmer (CSU), Martin Reichart (FB), Tino Schlagintweit (Grüne) und Amtsinhaber Christoph Böck (SPD) stehen zur Wahl.

Kommunalwahl 2020

Podiumsdiskussion: So haben sich die vier Kandidaten geschlagen

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Es war das erste große Aufeinandertreffen: Die vier Bürgermeisterkandidaten in Unterschleißheim stellten sich den Fragen der Bürger. Impressionen eines Abends.

Unterschleißheim – Vier Bewerber streben in Unterschleißheim den Bürgermeisterjob an. Ihr erstes Aufeinandertreffen verfolgen im rappelvollen Bürgerhaus gut 600 Besucher. Die eigentlich sehr unterschiedlichen Herren wirken bei der Podiumsdiskussion des Lohhofer Anzeigers erstaunlich einig. Auf die zugeschickten Fragen von Lesern und von den Moderatoren Niko Ponschab und Janine Jacobsen antworten Amtsinhaber Christoph Böck (SPD), Stefan Krimmer (CSU), Martin Reichart (Freie Bürgerschaft) und Tino Schlagintweit (Grüne). Sie alle sehen in Mobilität, Naturschutz und Wohnungsbau die Herausforderungen. Ihre konträren Positionen treten kaum hervor. Weder die Shared-Space-Idee von SPD, Grünen und ÖDP für die Bezirksstraße wird thematisiert noch das Nein der CSU zur historischen Entscheidung für das neue Stadtzentrum. Auch die Frage, wo sich die Kandidaten Wohnbau wünschen, blieb offen.

Schlagintweit – als einziger nicht im Stadtrat – überrascht mit Außenseiterpositionen. „Kann Unterschleißheim dauerhaft gute Lebensbedingungen bieten, ohne ständig weiter zu wachsen? Wir brauchen nicht mehr Gewerbe, schon gar nicht im künftigen Moos-Haide-Park.“ Der 60-Jährige überrascht mit dem Vorschlag, Wohnungsbau auf Grünstreifen im Gewerbegebiet zu schaffen. Widerspruch kommt nicht.

Ein Podium, vier Bewerber.

Böck wirkt gelassen, punktet mit Konkretem. Getreu seinem Motto: „Ich mache Wahlkampf für mich, aber nicht gegen andere“, reitet der 53-Jährige keine Attacke. „Die Stadt wird ihr sehr gesundes Verhältnis zwischen Wohnbevölkerung und Arbeitsplätzen beibehalten“, verspricht er. Innerstädtisch will er mehr Menschen zum Radfahren bringen, „denn wir haben das Glück, dass wir so gut wie keinen Durchgangsverkehr haben.“ Überörtlich benötige die Region „einen Quantensprung“ beim ÖPNV. Auf dem Esso-Grundstück will er einen Magneten ansiedeln, um die Attraktivität der Bezirksstraße zu stärken. 

Eine Seilbahn? „Ja ich weiß, das ist derzeit schwer vorstellbar“

Ein „Haus der Vereine“ – das auf einen CSU-Antrag zurückgeht – schlägt Böck am Standort der Michael-Ende-Grundschule vor, sobald sie neu gebaut ist – und nicht im Gewerbegebiet. Krimmer setzt auf genossenschaftlichen Wohnbau und „aktives Standortmanagement“, dafür soll im Rathaus eine Stelle entstehen: „Wir müssen aktiv dafür sorgen, dass gewerbesteuerträchtige Firmen zu uns kommen.“ Auch in der Bezirksstraße solle man aktiv Handel ansiedeln. Damit die Vereine nicht gegen die Datenschutzgrundverordnung verstoßen, will der 41-jährige Marketingfachwirt virtuellen Speicherplatz im Rathaus anbieten. Um Verkehr zu verringern, setzt er auch auf Seilbahn und Magnetschwebebahn. „Ja ich weiß, das ist derzeit schwer vorstellbar“, sagt er, als Zuhörer auflachen.

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Reichart fordert mehr „Entscheidungsfreude und Tatkraft“: „Wir ernten Bürgerproteste, sobald wir ein Gebiet für Wohnungsbau ausgesucht haben.“ Die bayerischen Ballungsräume würden verschmelzen. „Wir sind Teil einer Entwicklung. Den Zuzug werden wir nicht stoppen. Wir werden in Zukunft noch mehr Druck verspüren.“ Hier müsse man lenken. Böck wirft er vor: „In den letzten sieben Jahren ist keine städtische Wohnung gebaut worden.“

600 Zuhörer verfolgen die Statements zur Stadtpolitik, sie spenden allen Kandidaten viel Applaus.

Auf Wohnungsbau legt der 61-Jährige den Fokus, damit die 4000 neuen Mitarbeiter in Business Campus und Koryfeum die Pendlerströme nicht noch verstärken. Das Capitol-Kino – „ein hübsches Pantoffelkino“ – könnte ins Gartenquartier umsiedeln. Seine Mitbewerber wollen die GTU-Geothermie ausbauen, der Architekt hat einen anderen Vorschlag für Bauherren: „Wir sitzen auf einem Bodenschatz. Wir könnten auf einen Schlag sehr viel CO2 sparen, wenn wir Grundwasserwärmepumpen einbauen.“

Die Bürgermeisterkandidaten aller Gemeinden aus dem Landkreis München, haben wir für Sie in unserem Überblicksartikel zu den Kommunalwahlen 2020 aufgelistet. Zudem können Sie sich in unserem Artikel zu den Landratswahlen über die dort antretenden Kandidaten informieren. Alle weiteren Hintergrundberichte finden sie auch auf unserer Themenseite zu den Kommunalwahlen 2020 im Landkreis München.

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