+
Unterschiedliche Laune: (v.l.) Annette Ganssmüller-Maluche, Christoph Nadler, Otto Bußjäger und der amtierende Landrat Christoph Göbel.

Kommunalwahl Bayern

Landrats-Wahlkampf im Corona-Modus

  • Martin Becker
    VonMartin Becker
    schließen
  • Charlotte Borst
    Charlotte Borst
    schließen

Christoph Göbel (CSU) und Christoph Nadler (Grüne) kämpfen am 29. März in der Stichwahl um das Amt des Landrats. Eine schwierige Herausforderung in Zeiten der Coronakrise: Ein klassischer Straßenwahlkampf ist nicht möglich.

+++ Die Bürgermeister- und Landrat-Stichwahl im Landkreis München live im Ticker am Wahlabend (29. März) - News, Ergebnisse und Reaktionen +++

Landkreis – In zwei Dingen herrschte Einigkeit zwischen Christoph Göbel (CSU) und Christoph Nadler (Grüne), die in einer Stichwahl am 29. März den künftigen Landrat ermitteln. Erstens bei der Kleidungswahl – beide kamen am Sonntagabend im dunkelblauen Sakko zum Wahltreff ins Landratsamt. Zweitens bei der Frage, woran sich die Stichwahl entscheidet: „Die Mobilisierung der Wähler wird entscheidend sein“, sind sich Göbel und Nadler einig.

Nadler denkt über Podcast nach

Eine schwierige Herausforderung in Zeiten der Coronakrise: Ein klassischer Straßenwahlkampf mit Infoständen fällt flach, somit sind für die nächsten Tage kreative Ideen gefragt jenseits von neuen Plakaten, Flugblättern, Zeitungsanzeigen und Facebook-Botschaften. „Vielleicht mache ich einen täglichen Podcast“, sinniert Nadler, auf diesem Weg erreicht beispielsweise der Berliner Virologe Professor Christian Drosten mit seinem täglichen 30-Minuten-Beitrag unzählige Menschen in puncto Coronavirus.

Die Ausgangslage ist jedenfalls klar: Christoph Göbel mit 44,5 Prozent der Wählerstimmen und Christoph Nadler mit 24,9 Prozent haben sich für die Stichwahl qualifiziert mit klarem Vorsprung vor den vier weiteren Mitbewerbern Annette Ganssmüller-Maluche (SPD/14,0 Prozent), Otto Bußjäger (Freie Wähler/9,3 Prozent), Gerold Otten (AfD/4,4 Prozent) und Michael Ritz (FDP/2,9 Prozent). Damit wird die AfD auch erstmals in den Kreistag einziehen.

Göbel: „In solchen Zeiten wollen die Menschen Sicherheit“

Von der Coronakrise könnte vor allem Göbel als Amtsinhaber profitieren. „In solchen Zeiten wollen die Menschen Sicherheit und stützen eher das Bewährte, statt Neues zu riskieren“, glaubt Stichwahlgegner Nadler. Göbel widerspricht nicht: „Wir spüren durch die Corona-Epidemie, dass die Leute am selben Strick ziehen und die aktuelle Situation ein gesamtgesellschaftliches Zusammenstehen erfordert. Da experimentiert man als Wähler weniger.“ Zum bevorstehenden Wahlkampf-Endspurt sagt Göbel, dass der „sehr atypisch“ werde: „Christoph Nadler und ich verstehen uns gut und werden keine Attacken gegeneinander fahren. Es wird ein Wahlkampf werden, bei dem jeder für seine Person wirbt.“

In Süd-Gemeinden war für die SPD-Kandidatin nichts zu holen

Ein Blick ins Detail zeigt, dass Göbel natürlich in seiner Heimatgemeinde Gräfelfing gut punktete (65,5 Prozent), aber auch in Planegg (52,5 Prozent) und Brunnthal (51,19 Prozent) überproportional vorn lag. Sein mit 32,8 Prozent schwächstes Resultat fuhr Göbel in Ismaning ein, der Heimat von SPD-Kandidatin Annette Ganssmüller-Maluche – die holte „vor der Haustür“ 34,5 Prozent. Ansonsten hielt sie sich recht passabel in Unterföhring, Garching, Unter- und Oberschleißheim mit Werten oberhalb von 20 Prozent, doch in Süd-Kommunen wie Grünwald (4,0 Prozent) oder Aying (4,8 Prozent) war für die Sozialdemokratin nichts zu holen. „Die Partei kann trotzdem nicht unzufrieden sein. Ich habe Platz drei erkämpft und für den Kreistag einiges an Stimmen rausgeholt“, resümierte Annette Ganssmüller-Maluche.

Freie Wähler haben es schwer im städtischen Umfeld

Ebenfalls den Kreistag im Blick hatte Otto Bußjäger, für die Freien Wähler auf Platz vier der Landratswahl gelandet. „In einem städtischen Umfeld wie dem Landkreis München tun wir Freien Wähler uns erfahrungsgemäß schwer“, sagte der 49-Jährige aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Dort verbuchte er sein drittbestes Ergebnis in den 29 Landkreis-Kommunen (18,6 Prozent), noch besser lief es mit 20,0 Prozent in Grasbrunn, wo Bußjäger einst Bürgermeister war, und im ländlichen Aying (20,7 Prozent).

AfD-Kandidat schneidet in Heimatgemeinde am besten ab

AfD-Kandidat Gerold Otten schnitt in seiner Heimatgemeinde Putzbrunn am stärksten ab (6,5 Prozent), aber auch in Unterschleißheim (5,9 Prozent), Haar (5,3 Prozent) und Ottobrunn (5,1 Prozent) sahen einige in dem Bundestagsabgeordneten eine Alternative. Michael Ritz (FDP) blieb außer in seinem Heimatort Grünwald (11,8 Prozent) überall einstellig.

Alle Ergebnisse der Kommunalwahl im Landkreis München gibt es hier

Auch interessant

Kommentare