Die Moosach in Unterschleißheim am Andreas-Danzer-Weg
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Ursache immer noch unklar

Krebserregende Stoffe in der Moosach

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Die Moosach steht unter Beobachtung: Das Wasserwirtschaftsamt hat krebserregende Stoffen im Schlamm der Moosach und im Grundwasser im Norden Münchens gemessen.

Unterschleißheim/Oberschleißheim – Der Moosach zwischen München und Freising gilt derzeit die erhöhte Aufmerksamkeit des Wasserwirtschaftsamts. Im Sommer 2019 wurden im Landkreis Freising Fische, vor allem Bachforellen, Rotfedern und Hechte, aus der Moosach gezogen, die mit perfluorierter Alkylsubstanz belastet waren. Großflächige Untersuchungen zeigten, dass das Grundwasser im Norden Münchens und der Schlamm der Gewässersohle der Moosach südlich von Freising erheblich durch diese krebserregenden Chemikalien verunreinigt sind.

Das Wasser der Moosach ist zum Glück nicht belastet. In Ober- und Unterschleißheim sind die Proben unbedenklich. In den drei Trinkwasserbrunnen im Berglwald wurden geringste PFOS-Mengen, weit unterhalb des Leitwerts gemessen. Die Proben sind laut Wasserwirtschaftsamt unbedenklich.

Trotz mehrerer Untersuchungen hat das Wasserwirtschaftsamt noch immer keine Ursache ausfindig machen können. Immerhin steigt die Kontamination im Vergleich zum Vorjahr nicht an. Neue Proben zeigen, dass die Belastung im Grundschlamm der Moosach deutlich geringer ausfällt. Die Suche nach der Schadstoffquelle sei „eine Detektivarbeit“, sagt Christian Leeb, der Leiter des Wasserwirtschaftsamts in München. Inzwischen vermutet man die Ursache für die PFOS-Kontamination des Grundwassers im Münchner Norden. „Die Chemikalie ist mit keinem Grenzwert belegt, und mittlerweile fast überall nachweisbar, sogar im Hochgebirge und in den Polregionen“, sagt Leeb. Die langlebigen per- und poliflorierten Chemikalien werden beispielsweise für die Herstellung von Funktionskleidung, Löschschaum, Oberflächenbeschichtungen oder Druckfarben verwendet.

Die Moosach speist sich aus dem Münchner Grundwasser. In Oberschleißheim beginnt sie als Berglbach, in Unterschleißheim heißt sie Moosach.

Trinkwasser ist nicht belastet

„Für das Trinkwasser in Ober- und Unterschleißheim besteht keine Gefährdung“, stellte Unterschleißheims Bürgermeister Christoph Böck (SPD) im Verkehrs- und Umweltausschuss klar. Die Brunnen werden regelmäßig getestet. Eine zweiwöchige Messkampagne startet am 12. April. Mit Ergebnissen darf man Ende Mai rechnen. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Oberschleißheim rät aber seit 2019 vorsorglich vom Verzehr von Fischen aus der Moosach ab.

Eine Detektivarbeit: Die Suche nach der Schadstoffquelle geht weiter

Im Rahmen der Mosaik-Studien werden regelmäßig Gewässer beprobt. Als 2019 die Moosach an die Reihe kam, wurden die erhöhten PFOS-Werte südlich von Freising festgestellt. Das Wasserwirtschaftsamt startete ein schrittweises Untersuchungsprogramm.

Eintragsquellen werden im Bereich Panzerwiese und Euroindustriepark vermutet

Da die Moosach hauptsächlich durch das Münchner Grundwasser gespeist wird, führt das Wasserwirtschaftsamt seit 2019 in den Landkreisen Freising und München Untersuchungen in Fischen aus der Moosach und im Grundschlamm des Flussbetts durch. Im Mai 2020 waren im Grundwasser des Untersuchungsgebiets PFC-Chemikalien flächenhaft nachweisbar, die sich in das Stadtgebiet München zurückverfolgen lassen. Eine genauere örtliche Eingrenzung war aufgrund der dichten Bebauung nicht möglich. Die PFOS-Gehalte überschritten den Schwellenwert der Leitlinien für PFOS von 0,1 Mikrogramm pro Liter deutlich. „Das Wahrscheinlichste ist, dass es mehrere Eintragsquellen gibt, die in der Summe im nördlichen München angesiedelt sind“, sagt Leeb. In Frage kommt der Bereich von Panzerwiese und Euroindustriepark.

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