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Garry Lee-Winser überlegt, im Extremfall sogar die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen.

Interview mit Garry Lee-Winser

Als überzeugter Europäer gegen den "Brexit"

Unterschleißheim – Es gibt Themen, da platzt sogar einem diplomatischen Briten die Hutschnur. Die für den morgigen Donnerstag im Vereinigten Königreich terminierte Volksabstimmung über den „Brexit“ ist so ein Aufreger-Thema. Zwischen dem Ausstieg aus der Europäischen Union, also dem „Brexit“, und dem Verbleib in der EU, dem sogenannten „Bremain“, scheinen die Positionen unversöhnlich. Auch Garry Lee-Winser (63), Kulturmanager beim Forum Unterschleißheim und gebürtig aus Hastings, reagiert so emotional, dass ihm sogar ein milder bayerischer Kraftausdruck herausrutscht.

Herr Lee-Winser, Sie wohnen seit 31 Jahren in München oder der Umgebung. Ist die „Brexit-Debatte“ da überhaupt noch ein Thema für Sie?

Garry Lee-Winser: Sehr sogar, denn ich bin immer noch britischer Staatsbürger und viele meiner Angehörigen wohnen in England. Sogar Teile meiner eigenen Familie sind in der Meinung zur EU gespalten.

Wie begründen sich die Positionen bei den einfachen Leuten in Großbritannien?

Garry Lee-Winser: Meine Schwägerin hat Tierhaltung und ärgert sich über die immer aufwändigeren EU-Vorschriften, die will rausgehen. Kleinunternehmer haben das Gefühl, aus Brüssel wird zu viel aufgezwungen. Andererseits kenne ich einen Bauern in Schottland, der von 500 Hektar nur 200 wirtschaftlich sinnvoll nutzen kann – aber er bekommt für den Rest EU-Subventionen. Natürlich ist der für den Verbleib in der EU.

Was sagen Sie zum Meinungsstreit der britischen Politiker?

Garry Lee-Winser: Viele Argumente der Pro-Brexit-Politiker finde ich eine Katastrophe. Ich war vor kurzem in England und habe mitbekommen, wie manche Äußerungen beispielsweise von Boris Johnson schon wieder darauf hindeuten, Deutschland eine Schuld zu geben – als würde Deutschland in der Verkleidung der EU versuchen, in Europa die Vormacht auszuüben. Es ist mir unvorstellbar, wie man so argumentieren kann. Ja wo samma denn! Diese Politiker sollen einmal hierher kommen und sich anschauen, wie es wirklich ist.

Würde ein „Brexit“ Großbritannien eher nutzen oder eher schaden?

Garry Lee-Winser: Besser wird die Wirtschaft durch den „Brexit“ jedenfalls nicht. Was ich als Kulturfachmann noch viel gefährlicher finde: Wenn sich die Mentalität der Abgrenzung durchsetzt, dann werden auch Wissenschaft und Kultur durch eingeschränkte Kontakte leiden. Es gibt manche Kreise, die wollen sich am liebsten in kleinen Staaten einigeln, fast wie im Mittelalter. Damit geht dann im Worst Case aber alles den Bach runter, denn dann trennen sich auch das pro-europäische Schottland und vielleicht sogar Nordirland vom Vereinigten Königreich.

Können Sie uns Ihre persönliche Meinung verraten?

Garry Lee-Winser: Bei einem knappen Abstimmungsergebnis könnte es sein, dass die Briten sich nach dem Referendum politisch selber zerfleischen. Falls es ganz schlimm kommt bin ich wirklich am überlegen, die britische Staatsbürgerschaft aufzugeben und die deutsche anzunehmen. Zur Brexit-Frage brauche ich keine langen Worte: Ich bin überzeugter Europäer!


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