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„50 Prozent Politik, 50 Prozent Spaß“: Der neue Kreisvorsitzende der Jungen Union im Portrait

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„50 Prozent Politik, 50 Prozent Spaß“: Jan Kämmerer (21) ist Kreisvorsitzender der Jungen Union.
„50 Prozent Politik, 50 Prozent Spaß“: Jan Kämmerer (21) ist Kreisvorsitzender der Jungen Union. © Robert Brouczek

Seit Sommer 2022 ist Jan Kämmerer der neue Vorsitzende der Jungen Union im Landkreis München. Zu diesem Posten kam er dank seines Engagements als Schülersprecher.

Landkreis – Als Jan Kämmerer 2017 die Abschlussrede an der Unterschleißheimer Therese-Ghiese-Realschule hielt, war er eine Institution im Haus. Alle kannten ihn. Seit der sechsten Jahrgangsstufe war er Schülersprecher. Er gab dem Amt, das sonst immer die Großen innehatten, eine neue Ausprägung: Schülerradio, Info-Briefe, Lehrer-Schüler-Olympiade und viele andere Projekte stieß er an. Im Münchner Merkur erschien damals ein Artikel mit einem Foto des umtriebigen 17-Jährigen, der auch einen ausgezeichneten Abschluss machte. Wer hätte gedacht, dass man sich diesen jungen Mann merken muss?

CSU-Bundestagsabgeordneter Florian Hahn nahm jedenfalls nach Erscheinen des Artikels sofort Kontakt zu ihm auf. Und seitdem passierte im Leben von Jan Kämmerer so ziemlich alles, was in vier Jahre hineinpasst. Er machte den Führerschein, trat in die CSU und ihre Jugendorganisation, die Junge Union (JU) ein, gründete die Schüler-Union im Landkreis, legte das Fachabitur ab, leistete freiwilligen Wehrdienst und steckt jetzt mitten im dualen Studium zum Diplom-Verwaltungswirt. Sein Arbeitgeber ist das Landratsamt.

„Wer Deutschland gut politisch gestalten will, muss Land und Leute kennen“

Neben Arbeit und Studium ist der 21-Jährige in der JU voll in seinem Element: kommunizieren, Projekte ankurbeln, netzwerken. Er wurde im Sommer mit 100-prozentiger Zustimmung zum JU-Kreisvorsitzenden gewählt und trat die Nachfolge von Nicola Gehringer an, die sieben Jahre an der Spitze stand, jetzt zur JU-Landesgeschäftsführerin aufgestiegen ist und deren Stellvertreter Jan Kämmerer war.

Kurzer Haarschnitt, gepflegter Dreitagebart, adrett gekleidet und zielstrebig, so der erste Eindruck. Im persönlichen Gespräch ist Kämmerer ernsthaft, zugewandt und fröhlich. Mit Eifer hat er sich in die Aufgabe gestürzt und ist mit der JU auf Reisen gegangen, „Wer Deutschland gut politisch gestalten will, muss Land und Leute kennen“, sagt er – und macht keinen Hehl daraus, dass sich die JU als politische Nachwuchsschmiede versteht. Seit 2019 organisiert Jan Kämmerer für den Kreisverband Reisen in die Bundesländer, in denen eine Wahl ansteht. „Der Auftakt war eine Reise in die EU-Hauptstadt Brüssel“, erzählt er. Dort traf die JU die CSU-Abgeordnete Monika Hohlmeier traf.

Es folgte 2019 Dresden zur Landtagswahl in Sachsen und in diesem Jahr Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. „Mein heimliches Ziel ist, alle Landtage in Deutschland von innen gesehen zu haben.“ Vor Ort sind die JU-ler tagsüber an Infoständen und im Haustürwahlkampf aktiv oder nehmen an Landtagsführungen teil, abends lernen sie das Nachtleben kennen. Ganz nach dem Motto: „50 Prozent Politik, 50 Prozent Spaß“, sagt Kämmerer, „die gemeinsamen Reisen schweißen zusammen.“ Die rürige Wahlkampftruppe legte sich im Bundestagswahlkampf zuhause für Florian Hahn ins Zeug. Aber schon nächstes Jahr geht sie wieder auf Fahrt. „Wir haben vor, unsere JU-Freunde im Saarland, Nordrein-Westfalen und Niedersachsen zu besuchen und im Landtagswahlkampf zu unterstützen.“

Politisches Vorbild ist Bayerns Innenminister Joachim Herrmann

Im Moment liegt Kämmerers Augenmerk pandemiebedingt auf der inhaltlichen Arbeit, heißt: Anträge stellen. Der Kreisverband fordert niedrigere Rundfunkgebühren und ein kostenloses Interrail-Ticket von der Europäischen Union für jeden 18-Jährigen. Sein Schleißheimer Ortsverband beantragte, dass das Lohhofer Volksfest 2022 eine Stunde länger läuft, statt um 23 Uhr soll erst um Mitternacht Schluss sein. „Als Ausgleich für die Jahre 2020 und 2021.“

Seine Hobbys sind Laufen, „um als Reservist eine Grundkondition zu erhalten“ und große Radtouren durch Deutschland. Jedes Jahr erkundet er verschiedene Bundesländer und lernt Menschen kennen, die über ihre Regionen und Geschichten berichten. Sein politisches Vorbild ist der bayerische Innenminister Joachim Herrmann. Er bewundere Politiker, die ihre Standpunkte besonnen verteidigen könnten, sagt der 21-Jährige, und die auch in einer Ausnahmesituation Ruhe bewahrten.

„Uns würde es guttun, wenn...“

Als JU-Kreisvorsitzender wünscht sich der Unterschleißheimer, dass junge Leute im Landkreis ihre Heimat finden. „Wir haben einen starken Zuzug“, er selbst ist gebürtiger Magdeburger und zog 2003 mit seiner Familie in den Landkreis. „Es geht darum, die Zugehörigkeit zu stärken, egal ob Leute aus Deutschland, Europa oder von anderen Kontinenten kommen“, Kämmerer betont aber auch: „Es ist wichtig, dass der, der herkommt, sich an die Lebensweise im Landkreis anpasst.“

Neue Ortsverbände will Kämmerer gründen, wo noch Lücken auf der Landkreis-Karte sind. „Ich habe mir auf die Fahne geschrieben, unsere Mitgliederstärke von 500 Mitgliedern zu halten. Die CSU ist ja eine Volkspartei“, betont der angehende Diplom-Verwaltungswirt, und nutzt die Gelegenheit zu einem Aufruf: „Uns würde es guttun, wenn mehr Mitglieder aus dem Handwerk oder aus Ausbildungsberufen zu uns kommen würden.“

Dass sein Wirken Erfolg haben wird, daran zweifelt Kämmerer nicht. „Wenn man für eine Sache brennt, kriegt man die Leute“, sagt er selbstbewusst, „man muss aber schon selbst Euphorie mitbringen und hinter der Sache stehen.“

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