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Diese Menschen sorgen für Weihnachtsstimmung: Inge Seidl ist mehr als eine Baum-Expertin

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Von: Charlotte Borst

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„Immer wieder ein großes Hallo“: Ingrid Seidl steht wieder am Volksfestplatz in Unterschleißheim.
„Immer wieder ein großes Hallo“: Ingrid Seidl steht wieder am Volksfestplatz in Unterschleißheim. © Dieter Michalek

Im Landkreis wird jedes Jahr mit viel Herz und Liebe für Adventsstimmung gesorgt. Einige Menschen, die für den Erhalt weihnachtlicher Traditionen sorgen, stellt der Münchner Merkur bis zum 24. Dezember vor. Heute: Ingrid Seidl, die in Unterschleißheim Christbäume verkauft.

Unterschleißheim – Ingrid Seidl wartet in Gummistiefeln, gut verpackt in Regenjacke und Thermohose vor ihrem Verkaufsstand am Volksfestplatz. Schnee fällt aus dem wolkenverhangenen Himmel. Die 65-Jährige steht vor einer kleinen Bude zwischen den Bäumen und verabschiedet gerade einen Kunden, der ein Bäumchen unter dem Arm trägt, „dann bis nächstes Jahr“, ruft er im Gehen. Ein Schild am Zaun informiert: „Christbäume gut und günstig“. Ingrid Seidl und ihr Mann Fritz sind das ganze Jahr mit der Aufzucht ihrer Tannen beschäftigt, die auf vielen kleinen Feldern am Waldesrand bei Pförring (Lkr. Eichstätt) wachsen.

Wie schützen Sie sich gegen die Kälte?

Die Schuhe sind das Wichtigste. Ich habe Thermostiefel mit einem guten Fell, die würde ich auch nie mehr hergeben. Am allerbesten besten hilft, wenn viel los ist, dann bin ich abgelenkt.

Sie feiern ja heuer sogar ein Jubiläum...

Seit genau 25 Jahren verkaufe ich Christbäume in Unterschleißheim. Es kommen lauter treue Kunden. Das ist so schön! Viele kenne ich persönlich, das ist immer ein großes Hallo. Manche erzählen mir dann von ihren Schicksalsschlägen. Die Kinder, die damals dabei waren, sind heute selbst Eltern und bringen ihre eigenen Kinder mit. Ein Vater kommt jedes Jahr mit seiner Familie und bringt mir immer eine Tüte Platzerl mit.

Welche Bäume kaufen die Kunden denn am liebsten?

Hauptsächlich die Nordmanntannen. Sie ist der Klassiker mit ihren langen Nadeln. Unsere Bäume werden ganz frisch geschlagen und halten lange. Die Blaufichte verkaufen wir auf Bestellung, aber nur etwa fünf pro Jahr.

Wie wird man überhaupt Christbaumverkäuferin?

Ich bin gelernte Bankkauffrau. Mein Mann hat bei Hoechst im Büro gearbeitet, er stammt aber aus einer Gärtnerei. Eine Nachbarin hatte uns gebeten, ihren kleinen Christbaumverkauf zu übernehmen. Die ersten 50 Bäume haben wir dann in Winterberg im Sauerland geholt. Alles Rotfichten, die wollte damals jeder. Wir hatten fünf große dabei, jede für 55 D-Mark, und ich weiß noch, wie wir inständig hofften, dass uns die auch bloß jemand abkauft. Am Ende waren alle weg. So fing es an. Zehn Jahre später haben wir Christbäume aus eigener Aufzucht verkauft, und, so wie es ausschaut, machen unsere Töchter weiter.

Was hat sich in all den Jahren verändert?

Es geht früher los mit dem Christbaumkauf, und letztes Jahr waren wir fünf Tage vor Weihnachten schon ausverkauft. Man bekommt seit vorigem Jahr mehr Trinkgeld. Und noch etwas ist anders, ich sage jetzt zum Abschied nicht mehr ,Frohe Weihnachten’, sondern ,Bleiben Sie gesund‘.

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