Auf Abruf: Die First Responder Unterschleißheim sind voriges Jahr 617 Mal ausgerückt.
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Auf Abruf: Die First Responder Unterschleißheim sind voriges Jahr 617 Mal ausgerückt.

Aufwand und Belastung nimmt zu

First Responder im Landkreis München: Lebensretter denken nicht ans Aufhören

  • Laura Forster
    vonLaura Forster
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Oft sind sie die erstem am Unfallort: die First Responder der Feuerwehr. Während der Notarzt noch unterwegs ist, retten die Einsatzkräfte in manchen Fällen schon Leben.

Landkreis – In Erding und Altenerding haben die Feuerwehren diesen freiwilligen Dienst jetzt aus Kapazitätsgründen eingestellt. Im Landkreis München steht das zwar bisher nicht zur Debatte, doch auch hier nimmt der Aufwand für die meist ehrenamtlichen Einsatzkräfte spürbar zu.

50 Prozent mehr Einsätze als noch vor zehn Jahren

Die Zahlen der vergangen Jahre verdeutlichen den starken Anstieg der Einsätze der First Responder der Feuerwehr Unterschleißheim. 2019 waren sie 617 Mal unterwegs, berichtet Florian Schanderl, Fachbereichsleiter der First Responder in Unterschleißheim. Das sind etwa 50 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Die First Responder sind zu einer Einrichtung geworden, die nicht mehr wegzudenken ist. „Vor 26 Jahren haben wir als erste Kommune im Landkreis damit angefangen“, sagt Schanderl. Mittlerweile haben sie etwa 45 aktive Mitglieder, die die zwei Fahrzeuge rund um die Uhr besetzen.

Wer First Responder werden will, muss eine 80-stündige Ausbildung absolvieren. „Die läuft über den Kreisfeuerwehrverband“, sagt Schanderl, der seit 18 Jahren dabei ist. Schon oft hat er stressige Momente erlebt, an Aufhören hat er aber nie gedacht. „Wenn man sich dafür entschieden hat, bleibt man dabei.“ Vor allem die Einsätze mit positivem Ende geben Kraft und zeigen, dass die Arbeit ihren Sinn hat. „Dieses Jahr haben wir einer Zwölfjährigen das Leben gerettet“, sagt Schanderl und klingt stolz. Das Mädchen hatte einen Kreislaufstillstand. „Bis der Rettungsdienst da war, haben wir sie schon drei Mal defibrilliert.“, erinnert sich der Leiter der First Responder. Heute geht es der Zwölfjährigen wieder gut. „Das bestärkt einen, dass sich der Aufwand lohnt.“ Bis der Notarzt ankam, hat es weitere fünf Minuten gedauert.

Das Team der First Responder Hohenschäftlarn.

Das Problem ist, dass der Rettungsdienst die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist von zwölf Minuten oft nicht einhalten kann – besonders auf dem Land. Das weiß auch Mathias Buck, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Hohenschäftlarn. Bis der Notarzt in der Gemeinde ankommt, die an die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Starnberg grenzt, können schon einmal 20 Minuten vergehen. „Oft haben wir einen Zeitvorsprung von fünf bis sechs Minuten“, sagt Buck. „Die können überlebenswichtig sein.“ Im Gegensatz zu den First Respondern der Stadt Unterschleißheim schafft es die Gemeinde im Süden des Landkreises nicht, ihr Fahrzeug rund um die Uhr zu besetzten. Zurzeit haben die Lebensretter sich dazu verpflichtet, am Wochenende und in der Nacht ständig bereit zu sein. Mehr ist nicht möglich – und selbst das ist manchmal schwer zu schaffen. „Bei uns gibt es nur Ehrenamtliche – leider“, sagt Buck. „Ein Festangestellter wäre ab und zu hilfreich.“ Auch, um unter der Woche tagsüber mit dem Auto ausrücken zu können.

233 Einsätze haben die First Responder Schäftlarn pro Jahr, 15 aktive Mitglieder sind im Team. Nachwuchsprobleme? Fehlanzeige. „Das läuft erstaunlich gut, obwohl der Aufwand sehr hoch ist“, sagt Buck.

Die First Responder der Feuerwehr Unterhaching.

Diese Erfahrung hat auch Christian Albrecht, Kommandant der Feuerwehr Unterhaching, gemacht. „Die aus der Jugendfeuerwehr sind schon ganz scharf darauf, als Responder zu fahren.“ Gewisse Charaktereigenschaften sollten die angehenden Lebensretter auf Abruf aber mitbringen: „Man muss psychisch und physisch belastbar sein.“ Es gebe auch Kameraden, die die zeitaufwendige Ausbildung zwar absolviert haben, dann aber wieder aufgehört haben. Es ist eben nicht für jeden etwas. „Es ist nicht jeder Einsatz schlimm, aber manchmal wird man auch zu unschönen Unfällen gerufen“, sagt Albrecht. Obwohl die First Responder in Unterhaching ein starken Teams mit etwa 60 aktiven Mitgliedern haben, gibt es auch hier Schwierigkeiten, alle Schichten zu belegen.

Aus der Gemeinde: In einer Wohnung in Unterhaching hat es in der Nacht von Montag auf Dienstag gebrannt. Ein Rettungswagen brachte die Bewohner ins Krankenhaus.

Doch trotz der vielen Einsätze und der Besetzungsprobleme – den Dienst aufgeben, das kommt überhaupt nicht in Frage. Die Feuerwehren im Landkreis München können die Entscheidung ihrer Kameraden aus Erding und Altenerding aber nachvollziehen. „Die First Responder sind ja keine Pflicht“, sagt Buck. „Das ist ein enormer finanzieller und zeitlicher Aufwand.“ Den nehmen die hiesigen Einsatzkräfte aber gerne in Kauf, wenn sie dafür Leben retten können.

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