„Da kommt einiges zusammen“: Familie Galetzki mit Liam (15), Linda (46), Lars (46) und Laila (12).
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„Da kommt einiges zusammen“: Familie Galetzki mit Liam (15), Linda (46), Lars (46) und Laila (12).

Drei Wochen Bewegung und frische Luft

„Egal welches Wetter, rauf aufs Rad“: Stadtradeln 2021 erzielt neuen Teilnehmer-Rekord

  • Charlotte Borst
    VonCharlotte Borst
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Drei Wochen lang lief die Aktion „Stadtradeln“ nun wieder. Wir haben mit Teilnehmern über ihre Erfahrungen gesprochen.

Landkreis – Stadtradeln, das heißt: drei Wochen autofrei und viel Bewegung an der frischen Luft. Die Kampagne endet am heutigen Samstag, und sie hat in diesem Jahr so richtig Fahrt aufgenommen. So viele Teams und Teilnehmer wie nie zuvor haben im Landkreis München mitgemacht. Möglichst viele Alltagsstrecken klimaneutral mit dem Fahrrad zurückzulegen, ist die Herausforderung. Die Aktion soll dazu beitragen, den Radverkehr voranzutreiben und das Radfahren zur Gewohnheit zu machen.

Jeder geradelte Kilometer, ob beruflich oder privat, wird gezählt. Seit dem Startschuss am 27. Juni sind 649 Teams im Landkreis München gemeinsam schon 1 081 389 Kilometer gefahren und so 159 Tonnen CO2 eingespart (Stand: 16. Juli, 18 Uhr).

Schüler treffen sich auch in Freizeit für Radtouren

Spitzenreiter ist die Stadt Garching. Hier ging in den Vorjahren stets die stärkste Pedalen-Dynamik von Radfahrer-Teams im Forschungscampus aus. Diesmal treiben die Schüler des Werner-Heisenberg-Gymnasiums die Kilometerzahlen in schwindelnde Höhen; 25 924 Kilometer – das ist mit Abstand das beste Team-Ergebnis. 186 Schüler und Lehrer sind mitgeradelt.

„Wir sind mit der SMV durch die Klassen gegangen und haben im Sinne von Fridays for Future für die Aktion geworben: Demonstrieren ist das eine, aber jetzt können wir was tun“, spornte Direktor Achim Eifertinger die Schüler an, „auf geht‘s radeln!“. Eifertinger weiß, wovon er spricht. Er legt selbst täglich zwischen Trudering und Garching rund 50 Kilometer auf dem Sattel zurücklegt. Den allergrößten Eifer haben eine achte und eine zehnte Klasse entwickelt. „Die haben sich auch in ihrer Freizeit getroffen und Radtouren unternommen“, erzählt Eifertinger.

David Grothe (34) hat sich bei einem Unwetter auf dem Weg von der Arbeit nach Hause untergestellt.

David Grothe ist „Stadtradeln-Star“ und berichtet über seine Erfahrungen als Alltagsradler in einer Kolumne. Als Stadtradeln-Star darf er 21 Tage lang kein Auto von innen sehen. Und damit nicht genug. Der Taufkirchner Gemeinderat legt noch eins drauf: „Ich nutze in den drei Wochen auch keine öffentlichen Verkehrsmittel.“ Neben den Alltagsfahrten zur Arbeit – 9,5 Kilometer in 25 Minuten – findet der 34-Jährige die Familienausflüge mit Frau und Töchterchen besonders schön. „Einfach spontan los, keine Tickets buchen, kein Auto packen, kein Stau – das ist die Freiheit des Fahrrads.“

Der Soziologe hat den Eindruck, „die Idee mit dem Radfahren in die Arbeit greift immer weiter um sich.“ Auch beim Reisen auf überregionaler Ebene ändert sich einiges, beobachtet Grothe: „Die Bahn hat 30 neue ICE-Züge mit Fahrradabteil bestellt.“ Dank ihres Lastenrads braucht seine kleine Familie viel seltener das Auto. Nur „wettertechnisch“ hatten diesmal die drei Stadtradeln-Wochen alles zu bieten. „Es regnet immer genau dann, wenn ich aufs Rad steigen will.“ Einmal kam er sogar nachts ins Gewitter. Die Regenhose in der Fahrradtasche ist relativ oft im Einsatz.

Passionierte Radfahrer sind Sonja Lipus und Andreas Klaffki aus Unterschleißheim ohnehin. Beim Stadtradeln haben sie noch ein paar zusätzliche Kilometer am Wochenende gesammelt.

Fahrradfahren ist für Sonja Lipus aus Unterschleißheim seit einigen Jahren das Fortbewegungsmittel der ersten Wahl. „Ich fahre durch schöne Landschaft am Schleißheimer Schloss vorbei, und nebenbei mache ich Sport“, sagt Sonja Lipus, die im Vertrieb einer Modefirma arbeitet und von Unterschleißheim nach Dietersheim pendelt. „Das Radfahren ist entspannter. Ich kann durchfahren, ohne im Stau zu stehen.“ Zum Umstieg vom Auto aufs Rad hat auch die bessere Ausstattung von Fahrrad und Equipment beigetragen. So haben auch die starken Regengüsse der vergangenen Wochen die 32-Jährige nicht abgehalten. „Es gibt kein falsches Wetter. Das ist nur eine Frage der richtigen Regenjacke,“ sagt sie mit einem schelmischen Lachen.

„Da kommt einiges zusammen“

Im Vorjahr war Sonja Lipus Siegerin der Unterschleißheimer Frauen. Sie hatte die meisten Kilometer gesammelt. Gemeinsam mit ihrem Freund Andreas Klaffki (34) sucht sie am Wochenende immer neue Strecken und unternimmt weite Touren von 80 bis 120 Kilometern.

Viele Radelkilometer, bedeutet auch für Linda, Lars, Liam und Leila Galetzki weniger Autofahren. Auf dem Küchentisch der Unterschleißheimer Familie liegt ein Notizzettel. Darauf tragen alle vier Mitglieder ihre täglichen Strecken ein: zur Schule, zur Arbeit, zum Fußball oder Yoga. „Da kommt einiges zusammen“, Linda Galetzki (46) wird die Familienbilanz der vergangenen drei Wochen nun beim Förderverein des Carl-Orff-Gymnasiums verbuchen, dessen Kapitänin sie ist. Eltern, Freunde, Nachbarn hat sie überzeugt, die Autoschlüssel öfter mal liegenzulassen und die neue Freiheit auf dem Fahrradsattel für sich zu entdecken.

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