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Leben im Containerdorf - In Unterschleißheim stehen erste Unterkünfte des Landkreises für Ukraine-Flüchtlinge

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Von: Charlotte Borst

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Auf zwei Stockwerken bietet die Unterkunft Wohneinheiten für insgesamt 118 Personen.
Auf zwei Stockwerken bietet die Unterkunft Wohneinheiten für insgesamt 118 Personen. © Landratsamt

Das Containerdorf, das der Landkreis München an der Nördlichen Ingolstädter Straße in Unterschleißheim errichtet hat, beherbergt seit den letzten Julitagen sechs ukrainische Flüchtlinge. 118 Personen können hier eine Bleibe auf Zeit finden.

Unterschleißheim/Landkreis – Vor allem ukrainische Flüchtlinge bringt das Landratsamt hier in Lohhof unter. Die meisten leben schon in Unterschleißheim oder Umgebung und sind von Obdachlosigkeit bedroht oder betroffen. Die Stadt hat dem Landkreis das Grundstück zur Verfügung gestellt. Die Containeranlage, die aus zwei Bauteilen besteht, ist zunächst auf zwei Jahre befristet. „Eigentlich hätte sie schon längst fertiggestellt sein sollen“, teilt Christine Spiegel, Sprecherin des Landratsamts, mit. Doch unter anderem Lieferschwierigkeiten auf dem Container- und Stahlmarkt – ebenfalls bedingt durch den russischen Angriffskrieg – hätten den Bezug der Unterkunft verzögert. Nach Unterhaching, wo ein Containerdorf Mitte Juli fertiggestellt wurde, ist es die zweite Containerunterkunft, die bezugsfertig ist. Betreut werden die Geflüchteten von den Caritas-Diensten im Landkreis München, die hier regelmäßig Sprechstunden abhalten. Auch der Unterschleißheimer Helferkreis steht den Menschen zur Seite.

Landkreis will 3000 Plätze bereitstellen

Aktuell leben 5127 Geflüchtete aus der Ukraine im Landkreis, wobei diese Zahlen wegen Umzügen und Wegzügen stark schwanken. Das Landratsamt verfolgt das Ziel, 3000 Plätze in staatlichen Unterkünften zur Verfügung zu stellen und sie möglichst gerecht und im Verhältnis zu den Einwohnerzahlen der Kommunen im Landkreis zu verteilen. „Es sind insgesamt neun Container-Anlagen in neun verschiedenen Landkreisgemeinden in Planung, im Bau oder bereits realisiert“, heißt es aus dem Landratsamt. Diese seien über den gesamten Landkreis verteilt. Die Standorte befinden sich in großen oder mittelgroßen Städten und Gemeinden. Dazu kommen weitere Unterkunftsplätze in zehn Großunterkünften, ebenfalls über den Landkreis verteilt, von denen neun realisiert sind und sich eine noch im Anmietungsprozess befindet. Die Neuerrichtung von Container-Standorten erfolge im engen Austausch mit der jeweiligen Gemeinde. „Unser Ziel ist eine vor Ort funktionierende Unterbringung und Integration, keine Überforderung einzelner Gemeinden“, erklärte die Kreisverwaltung in der jüngsten Kreistagssitzung auf Anfrage der SPD-Fraktion.

Zurück nach Unterschleißheim: Wie das Landratsamt Mitte August informierte, sind von den 421 Ukrainerinnen und Ukrainern, die aktuell in Unterschleißheim wohnen, 264 in privaten und 157 in staatlichen Unterkünften untergekommen. Von ihnen verteilen sich – neben den sechs Personen, die gerade in das Containerdorf eingezogen sind – 46 Personen auf sechs Wohnungen sowie 105 auf zwei Großobjekte.

BRK hilft bei der Jobsuche

Für die große Offenheit und ihr Engagement bei der Aufnahme der Geflüchteten ist Landrat Christoph Göbel (CSU) den Bürgern sehr dankbar: „Nur gemeinsam kann es uns gelingen, den Menschen, die unter so furchtbaren Umständen ihre Heimat verlassen mussten, eine vorübergehende Bleibe, vor allem aber auch einen sicheren, von Menschlichkeit getragenen Hafen zu geben.“

Die Stadt Unterschleißheim hat eine verwaltungsinterne Arbeitsgruppe „Ukraine“ unter Vorsitz des Bürgermeisters installiert, die regelmäßig aktuelle Themen behandelt, um den Geflüchteten in jeder Hinsicht Unterstützung und Hilfe zu bieten. Voller Tatkraft engagieren sich auch eine Vielzahl von Vereinen, Organisationen und ehrenamtliche Helfer.

Stadt bietet Telefonsprechstunde

Die wichtigsten Informationen für Geflüchtete und Helfer werden über die Homepage der Stadt bereitgestellt. Auch eine Telefonsprechstunde bietet die Stadt, unterstützt von einer Dolmetscherin, täglich für Geflüchtete und Helfer auf Ukrainisch, Deutsch und Englisch an. Oftmals geht es dabei um das Ausfüllen von Dokumenten oder um Schulen und Arbeitssuche. Zu klären ist auch, wie die Menschen, die in zentralen Unterkünften leben, ihre Post bekommen. Manchmal werden auch telefonische Übersetzungen benötigt oder psychologische Unterstützung gesucht. Eine kostenlose psychologische Beratung durch einen in Unterschleißheim ansässigen Psychologen vermittelt die Caritas.

Das Familienzentrum hat eine Spielgruppe aufgebaut, das städtische Spielmobil und das Jugendkulturhaus Gleis1 machen Angebote. Der Tanz-Sport-Club und die Hockey Nerds Lohhof laden zum Training ein. Es gibt kostenlose Deutschkurse an der VHS und ein Jobsuche-Portal des Bayerischen Roten Kreuzes auf der Stadt-Homepage.

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