Das Tanklöschfahrzeug aus dem Jahr 1993 beim Einsatz im Gewerbegebiet, damals brannten mehrere Lkw.
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Das Tanklöschfahrzeug aus dem Jahr 1993 beim Einsatz im Gewerbegebiet, damals brannten mehrere Lkw. Das Tanklöschfahrzeug muss in zwei Jahren aus Altersgründen ausgesondert werden.

CSU-Stadtrat legt gegen Kauf eines Tanklöschfahrzeugs in letzter Minute Protest ein

Löschen, bergen, attackieren: Knatsch um neues Feuerwehrauto

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Unterschleißheim – Die Stadt kauft ein größeres Tanklöschfahrzeug für die Freiwillige Feuerwehr. Seit einem Jahr ist die Ersatzbeschaffung Thema. Doch in letzter Minute legte CSU-Stadtrat Thomas Bittner am Donnerstag Protest gegen den Kauf ein. Er ist selbst Mitglied der Unterschleißheimer Wehr.

Voll Stolz blickt die Stadt Unterschleißheim auf ihre Freiwillige Feuerwehr. 1000 Einsätze pro Jahr fahren die Lösch- und Rettungsmannschaften. 148 Mitglieder sichern die Einsatzfähigkeit. Nachwuchsprobleme gibt es nicht. Und der Stadtrat steht hinter der Mannschaft. Eigentlich. Denn am Donnerstag flogen in der Sitzung plötzlich die Funken, es qualmte heftig, als es um den Kauf des Tanklöschfahrzeugs TLF 4000 zum Preis von 599 000 Euro und Mehrkosten von 29 000 Euro ging, für das es keine Zuschüsse vom Freistaat gibt.

Bittner: 8000 Liter-Tank ist übertrieben

CSU-Stadtrat Thomas Bittner (46), selbst Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und angestellt bei der Berufsfeuerwehr München, hält das TLF 4000, das 8000 Liter Wasser fasst und sechs Personen befördert, für „übertrieben“. „So etwas braucht man für Flughäfen und große Industrieanlagen. Ein Tanklöschfahrzeug mit 3000 Liter Wasser würde für Unterschleißheim reichen.“

Kommandant Markus Brandstetter, der mit seinem Stellvertreter Dirk Baquet im Zuschauerraum zuhörte, war völlig überrascht. „Das ist jetzt schon starker Tobak, von einem der sich auskennen müsste“, sagte Brandstetter, als ihm Bürgermeister Christoph Böck (SPD) das Wort erteilte. Das TLF 4000 ist als Ersatzbeschaffung seit einem Jahr Thema im Stadtrat, weil eins der drei Tanklöschfahrzeuge in zwei Jahren ausgemustert wird, es stammt aus dem Jahr 1993, fasst 4800 Liter Wasser und ist in die Jahre gekommen.

Brandstetter: Auf die Stadt kommen Herausforderungen zu

„Auf Unterschleißheim kommen Herausforderungen zu, bei denen man weiterdenken muss“, erklärte Kommandant Brandstetter. Neben Gas-Hersteller Linde gibt es weitere Unternehmen, die mit Zukunftstechnologie arbeiten, Lithium-Ionen-Batterien zerlegen oder Wasserstoffmotoren bauen. Für das TLF 4000 spreche auch die Fahrdynamik: Das größere Fahrgestell lasse sich besser steuern. „Das kleinere Modell ist bei anderen Feuerwehren schon mehrfach umgekippt“, sagte Brandstetter, „und wenn wir mit dem größeren Fahrgestell nicht auch den größeren Tank für 8000 Liter bestellen würden, wären wir ja blöd.“

All diese Fragen wurden in mindestens vier Sitzungen bereits erörtert. Bittner hätte seine Kritik in die Beratungen einbringen können, sagte Bürgermeister Böck, der Kommandant habe die Stadträte umfassend informiert.

Große Mehrheit stimmt für den Kauf

Bittner ging darauf nicht ein, sondern regte einen Feuerwehrbedarfsplan an, erarbeitet von einem externen Experten. Das begrüßte Jürgen Radtke (Grüne): „Frühere Kommandanten haben Fahrzeuge angeschafft, die dann nicht eingesetzt wurden.“ Brandstetter reagierte offen: „Dem würde die Feuerwehr zustimmen. Das ist zwar mit Kosten verbunden, gibt aber auch Sicherheit.“ Ein solcher Bedarfsplan sei in anderen Bundesländern sogar verpflichtend. Bürgermeister Böck beendete diese Diskussion jedoch fürs Erste: „Wir haben eine kompetente Verwaltung, sie hat die Anschaffung eingehend geprüft.“ Bis auf Bittner stimmten alle Stadtratsmitglieder für den Kauf des TLF 4000.

Auf Nachfrage, warum er sein Missfallen nicht schon vor einem Jahr geäußert habe, sagt Bittner, er habe kurz vor der Kommunalwahl das Fass nicht aufmachen wollen, ihm sei die Größe des Ersatzfahrzeugs bisher auch nicht so klar gewesen. Schon im Dezember hatte Bittner im Bauausschuss plötzlich den neuen Saal im Feuerwehrhaus kritisiert und aus seinem Unmut über die Baupläne keinen Hehl gemacht. Bittner war sechs Jahre Vize-Kommandant, ist inzwischen aber ohne Führungsfunktion. Auch beruflich sind Bittner und Brandstetter Kollegen, beide sind in verschiedenen Wachen der Berufsfeuerwehrmann München tätig.

Kommandant Brandstetter und Stellvertreter Baquet einstimmig ins Amt bestellt

Ungeachtet dessen gab es vor der Diskussion eine einstimmige Personalentscheidung: Die sechsjährige Amtszeit von Markus Brandstetter und seinem Stellvertreter Dirk Baquet war im Februar eigentlich abgelaufen. Einstimmig bestellte der Stadtrat beide vorübergehend in ihre Ämter, bis die Corona-Situation eine reguläre Wahl ermöglicht. Beide stehen für eine weitere Amtszeit zur Verfügung.

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