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Planen eine Demo-Aktion: Die Geschäftsinhaber (v.l.) Anne-Monika Schön, Petra Sonntag, Martina Haasmann und Heinz Glatzeder sind gegen den „Shared Space“.

Die Protestaktion soll für jedermann sichtbar sein

Angst vor der Fußgängerzone: Geschäftsinhaber in Bezirksstraße protestieren am Samstag

  • vonAndreas Sachse
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Ein Abschnitt der Bezirksstraße verwandelt sich am Samstag in einen „Shared Space“. Ein Probelauf, der den Geschäftsinhabern gar nicht schmeckt. Sie berieten einen Protest vor.

Unterschleißheim – Kommenden Samstag geht es in Unterschleißheim hoch her. Grüne, SPD und ÖDP verwandeln einen Abschnitt der Bezirksstraße in einen „Shared Space“, einen Bereich, den alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt nutzen dürfen. Geschäftsleute aus der „Werbegemeinschaft Bezirksstraße“ fürchten eine Fußgängerzone und schlagen Alarm. Mit einer Gegendemonstration bringen sie am Samstag ihre Abneigung zum Ausdruck.

„Wir haben die Nase voll“, schimpft Petra Sonntag aus dem Juwelierladen in der Bezirksstraße 28: „Erst Tempo 30, dann der von uns abgelehnte Bus, schließlich die Bauarbeiten.“ Einen ganzen Sommer lang habe die Stadt an den Bürgersteigen herumwerkeln lassen. „Jetzt soll daraus eine Fußgängerzone werden?“ Petra Sonntag, in der Werbegemeinschaft für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, nennt so was eine „Geldvernichtungsaktion“.

Eine Fußgängerzone in der Bezirksstraße: „Das wäre unser Untergang“

Von einer Fußgängerzone hält sie schon gar nichts. In Zeiten da Online-Shops und Outlet-Center dem innerstädtischen Einzelhandel auf die Bilanzen drücken, versuchen Sonntag und ihre Nachbarn mit Kundennähe zu punkten: mehr Service, ein Parkplatz vor dem Laden.

Parkplätze allerdings sieht der „Shared Space“ nicht vor. „Das wäre unser Untergang“, befürchtet Sonntag. Ohne Parkplätze gegen die Konkurrenz im Internet anzustinken, Kunden abzuhalten, in München oder auf der Grünen Wiese einzukaufen, „dafür sind wir nicht attraktiv genug.“

Initiatoren: „Shared Space“ ist keine Fußgängerzone

„Shared Space“ ist kein neues Konzept, die Philosophie vom geteilten Raum steht auch nicht für eine reine Fußgängerzone. Den Veranstaltern ist es wichtig, auf diesen feinen Unterschied hinzuweisen. „Shared Space“ sei für jeden da. Radfahrer, Autos, Fußgänger, Lieferverkehr. Es gibt keine Hinweisschilder, keine ausgewiesenen Fahrspuren. Alle Verkehrsteilnehmer sind gleichberechtigt. Es gilt das Rechts-vor-Links-Gebot.

Durchaus gelungene Beispiele wie in Freising lassen die Veranstalter hoffen, in der Bezirksstraße eine für Jedermann attraktive Begegnungszone zu schaffen. Mehr Platz zum Flanieren und für die Gastronomie. Autos können weiterhin vor G1eschäften parken, müssen dabei aber Rücksicht nehmen auf schwächere Verkehrsteilnehmer. Das Konzept erzeugt eine gewollte Unsicherheit, die Verkehrsteilnehmer zu mehr Achtsamkeit zwingt, so die Idee. Seitdem Studien in den 80er Jahren belegten, dass die Zahl der Verkehrsunfälle durch die Trennung von Autos, Fußgängern und Radfahrern nicht abnahm, sondern im Gegenteil sogar stieg, gewinnt „Shared Space“ unter Stadtplanern zunehmend an Aufmerksamkeit.

Protestaktion für jedermann sichtbar

Derlei Überlegungen tangieren Petra Sonntag nicht. Die Geschäftsfrau ist überzeugt, dass die Stadt eine Fußgängerzone durchsetzen will. Einige ihrer Kollegen wohnen auswärts. „Die können nicht einfach mit dem Rad zu ihren Laden fahren.“

Dass die Werbegemeinschaft derart kurzfristig über den geplante „Shared Space“-Probetag informiert wurde, ärgert Petra Sonntag über die Maßen. „Man hat uns keine Zeit gelassen, zu reagieren.“ Mit ihren Mitstreitern hat sie dennoch eine Gegendemonstration für Samstag auf die Beine gestellt.

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