Die elfjährige Katze „Lilly“ ist mittlerweile das einzige Haustier in der Tierauffangstation. Von der Vereinsvorsitzenden Christine Förster lässt sie sich gnädig kraulen. Foto: ge
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Die elfjährige Katze „Lilly“ ist mittlerweile das einzige Haustier in der Tierauffangstation. Von der Vereinsvorsitzenden Christine Förster lässt sie sich gnädig kraulen.

Stadt kündigt Tierschutzverein aus Agneshaus

Macht „Lilly“ das Licht aus? Nur noch eine Katze in Tierauffangstation

Bis auf eine Katze sind alle Tiere aus der Auffangstation in Unterschleißheim ausgezogen. Die Stat hat dem Tierschutzverein gekündigt. Wie geht es nun weiter?

Unterschleißheim – Die Tierauffangstation „Agneshaus“ in Unterschleißheim hat sich fast ganz geleert, seit die Stadt im Oktober die Fundtier-Vereinbarung mit dem Tierschutzverein Schleißheim gekündigt hat. Die Vorsitzende Christine Förster zählt nur noch die Kätzin „Lilly“ und sechs Igel auf dem Areal. Im Oktober waren es noch zehn Katzen und zwei Kaninchen gewesen, in Spitzenzeiten etwa 20 Katzen. Derweil ist kein Nachfolgekonzept für die einzige Tierauffang-Infrastruktur im Landkreis München in Sicht.

Das Verhältnis zwischen Rathaus und Verein scheint angespannt. Die Stadt hatte im Herbst sowohl die Fundtier-Vereinbarung gekündigt als auch als Vermieterin das Agneshaus. Die Frist für das Areal am nordwestlichen Stadtrand läuft bis Juli, sagt Förster auf Anfrage. Es habe zwei Gespräche mit der Stadt gegeben. Dabei hätten Rathausvertreter aber weder etwas darüber gesagt, was aus dem Agneshaus – ursprünglich ein Wohnhaus – werden soll, noch, ob sie sich Unterschleißheim weiter als Tierschutz-Standort vorstellen. Die Kommune war mit dem Tierschutzverein Freising ins Boot gegangen, der ein großes, neues Tierheim in Neufahrn-Mintraching unterhält – von Unterschleißheim Luftlinie acht Kilometer entfernt.

Vorwürfe an Stadt

Christine Förster wirft der Stadt gegenüber dem „Münchner Merkur“ Folgendes vor: Von den Kündigungen habe man aus dem Internet zuerst erfahren. Dies und die Falschmeldung, das Agneshaus sei komplett baufällig und geschlossen, für die sich die Stadt später entschuldigte, habe sie und „viele“ Helfer „frustriert“. Mehrere der mehr als 300 Mitglieder seien ausgetreten. Jetzt verlange die Stadt lediglich die Gelder aus dem Bürgerhaushalt für die Kranken- und Quarantänestation zurück, die in einem Container hätte errichtet werden sollen. Dagegen habe der Verein auf seinen ein Jahr alten Antrag, den Container aufstellen zu dürfen, nie eine Antwort bekommen, ebenso wenig auf sein Abwasseranschluss-Begehren. In das gekündigte Areal will der Verein das Geld nicht investieren; man werde es zurückzahlen, hieß es.

Der Tierschutzbund Bayern hatte 2017 unter anderem solche Stationen gefordert, damit das Agneshaus als vollwertiges „Tierheim“ gilt, nicht nur als „Tierauffangstation“. Dies war 2018 an die Öffentlichkeit gelangt. Das Tierheim Mintraching hat solche Stationen. Es kann im Gegensatz zum Agneshaus auch Hunde aufnehmen. Die beiden Trägervereine haben ein kühles Verhältnis zueinander, hört man. Die Unterschleißheimer Sektion arbeitet nur mit den Münchner Kollegen zusammen.

Neue Herrchen

Die Vermittlung der restlichen Tiere Ende 2020 ist für Christine Försters ohne Kompromisse erfolgreich verlaufen: Vier Katzen und zwei Kaninchen fanden passende Herrchen und Frauchen. Fünf freiheitsliebende schwer vermittelbare Katzen kamen oder kommen auf den Gnadenhof des Tierheims München in Kirchasch südöstlich von Erding, eine davon ist noch beim Tierarzt.

Jetzt ist nur noch die elfjährige „Lilly“ da, die Igel im leerstehenden Haus für verwilderte Katzen lassen sich nach dem Winter mühelos auswildern. „Lilly“ ist zwar schmusig, brauche aber, berichtet Förster, Freilauf, und zwar ohne Autoverkehr, und vertrage sich nicht mit Artgenossen. Sollte sie idealerweise auf einen Einödhof kommen, wäre nicht unweigerlich Schluss mit der Tierauffangstation. Es könnten bis Juli noch Abgabetiere reinkommen.

Kommune baut nie selbst ein Tierheim

Und die Tierschutzpolitik? Was hat das Rathaus seit Oktober für die örtliche Tierschutz-Infrastruktur und für das Agneshauses gestaltet? Der Stadtrat hatte es damals beauftragt, „gesetzliche Notwendigkeiten und Grundlagen für neue Unterbringungsmöglichkeiten für den Tierschutzverein Unterschleißheim e.V. auch mit anderen Kommunen zu prüfen und den Gremien vorzustellen“. Thomas Stockerl, der im Rathaus den Geschäftsbereich Steuerung leitet, sagte zu den Gesprächen darüber jeweils nichts, sie seien vertraulich. Er kündigte „zeitnah“ weitere Unterredungen an.

Offenbar ist auch der Tierschutzbund Bayern nicht davon überzeugt, dass sich in Unterschleißheim ein vollwertiges Tierheim rentiert. So berichtet es Förster. Klar ist nur so viel: Eine Kommune baut nie selbst ein Tierheim, sondern stellt allenfalls einem Verein Grundstück und Fördergelder zur Verfügung. Die Unterschleißheimer Sektion hält sich für zu arm, um Bauherr zu spielen.

Georg Eble

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