+
Die perfekte Welle findet Paul Hänchen während der Reise immer wieder. Auch hier, auf der indonesischen Insel Lombok.

Paar Aus Unterschleißheim ist ein Jahr lang unterwegs 

Mit dem Surfbrett um die Welt

  • schließen

Einmal um den Globus auf der Suche nach der perfekten Welle: Anna Trumm (30) und Paul Hänchen (29) aus Unterschleißheim sind ein Jahr lang auf Weltreise. Mit dem Surfbrett.

Von Bernadette Heimann

UnterschleißheimEin kleines Fischerdorf in Mosambik war im Herbst vergangenen Jahres das erste Ziel. Gerade ist das Paar zur letzten Etappe aufgebrochen, den Philippinen. Unzählige Flugmeilen liegen dazwischen. Afrika, Südamerika, Australien, Asien, Neuseeland, noch mal Asien. Und als nicht geplanter Zwischenstopp Haiwaii. Einen Tauchschein haben sie auch gemacht.

Es sind die Abenteuerlust und die Liebe zum Surfen, die die beiden auf die Idee mit der Auszeit bringt. Kennengelernt haben sich die Unterschleißheimerin und der gebürtige Görlitzer bei der Arbeit in Ingolstadt. Paul Hänchen surft seit 2009, seine Freundin seit zwei Jahren. Der gemeinsame Arbeitgeber unterstützt den Traum von einer Auszeit auf dem Surfbrett. Er genehmigt ein Sabbatical. „Dafür haben wir ein Jahr lang voll gearbeitet, aber nur die Hälfte des Gehalts ausbezahlt bekommen“, erzählt der 29-Jährige am Telefon. Von der anderen Hälfte des Geldes leben sie derzeit. Geschlafen wird meistens in kleinen Hostels. „Dort, wo man Surfer trifft. Die Leute kommen aus allen Ecken der Welt“, erzählt Paul. „Surfen verbindet. Wir sind wie eine kleine Community.“ Gesprochen wird meist Englisch. „Aber auch viel Deutsch. Deutsche findet man überall auf der Welt.“

Gebucht haben die beiden alles selbst. „Die Reiseroute ist zu exotisch.“ Das Surfen bestimmt wie ein „roter Faden“ die Planungen. „Daher ist unsere Route nicht die logischste und nicht die preiswerteste.“ Als die beiden von Südamerika nach Australien fliegen wollen, führt sie die günstigste Verbindung über Hawaii. Es gibt Schlimmeres, was einem Surfer passieren kann. „ Wir sind dort zwei Wochen geblieben“, erzählt Paul. Länger als geplant war auch der Australien-Trip. Aus vier wurden sieben Wochen, das Paar reiste im Camper ins Outback, und schob, wie bereits im argentinischen und chilenischen Patagonien, eine surffreie Zeit ein. Die 5000 Kilometer lange Fahrt von Brisbane nach Darwin über Uluru beschreiben die beiden in ihrem Blog surfingcurls.com. „Wir sahen endlose Wüsten und schöne Oasen, fühlten größte Hitze am Tag und bittere Kälte in der Nacht, schliefen in unserem Zelt mitten im Nichts, in einem hergerichteten altertümlichen Dorf oder zusammen mit anderen Reisenden und Dauercampern auf den schönsten und einmaligsten Campingplätzen, tankten ständig unseren 120 Liter Tank voll, füllten stets unsere Wasserbehälter auf, blieben einmal stecken, sodass wir heftig buddeln mussten, hörten während der Fahrt Tausende Minuten Hörbuch oder manchmal mitten im Nichts hörten wir einfach gar nichts, trafen wir Kängerus und Kamele und manchmal trafen wir für hunderte Kilometer einfach niemanden.“ Dann, endlich war es geschafft. Im Uluru-Nationalpark liegt der gigantische Berg. „Sehen dein Herz rot erleuchtet. Rot erleuchtet von der untergehenden Sonne. Strahlend als ob es pure Wärme ist.“

Gesurft sind Anna und Paul natürlich auch in Down Under. Australien bezeichnen die beiden als ihr liebstes Ziel, allerdings, erst nachdem sie länger überlegt haben: „Wir tun uns sehr, sehr schwer. Kein Land ist mit dem anderen vergleichbar.“ Im August waren sie noch auf der indonesischen Insel Lombok, die letzte Etappe ihrer Reise führte sie auf die Philippinen. Neben Schnittverletzungen am Fuß, „das gehört zum Surf-Leben“, sagt Paul, dem diverse Riff-Splitter aus dem Fuß entfernt werden mussten, sind die beiden kaum krank geworden. „Hätten Sie vor ein paar Tagen gefragt, hätte ich gesagt: Wir waren nie krank“, erzählt Paul am Telefon. Auf Lombok hatte es die beiden dann doch erwischt. Magen-Darm. Nach drei Tagen war es vorbei. „Wir sind sehr glimpflich davongekommen.“

In Kürze geht es zurück nach Unterschleißheim. Anna und Paul, die „sehr freundes- und familienverbunden“ sind und auf ihrer Tour mehrfach Besuch aus Deutschland bekamen, haben zwei Wochen Zeit, sich einzugewöhnen. Dann beginnt die Arbeit wieder. Die vielen Abenteuer, unzählige Eindrücke gilt es einzuordnen, zu verarbeiten: „Unsere Köpfe brauchen eine Pause“, sagt Paul. Die beiden finden, „es tut gut, auch irgendwo anzukommen“. Obwohl: „Fragen Sie Anfang Oktober noch mal.“ Auf ihrem Blog zitieren die beiden Arthur Schnitzler: „Die Sehnsucht ist es, die unsere Seele nährt, nicht die Erfüllung.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Rauchvergiftung nach Saunabrand
Im Sportpark Ismaning hat es gebrannt, die Ursache ist noch unklar. Eine Person wurde ins Krankenhaus gebracht.
Rauchvergiftung nach Saunabrand
Zusammenstoß an der Kreuzung
An einer Kreuzung ist besondere Vorsicht geboten, dennoch nahm eine 40-Jährige einer 58-Jährigen die Vorfahrt.
Zusammenstoß an der Kreuzung
20-Jähriger prallt betrunken in Auto mit Kleinkindern
Betrunken hat ein 20-Jähriger in Kirchheim am Dienstag einen schweren Unfall verursacht.
20-Jähriger prallt betrunken in Auto mit Kleinkindern
Wasserkästen in Schieflage
Um ein Haar hätte es auf der Autobahn A 99 eine „Riesenpfütze“ gegeben.
Wasserkästen in Schieflage

Kommentare