Aus einem Keyou-Motor entweicht nur harmloser Wasserdampf: Firmengründer Thomas Korn ließ sich nicht beirren und setzte auf Wasserstoff, als die großen Autohersteller der E-Mobilität den Vorrang gaben. Jetzt hat das Bundesforschungsministerium das Potenzial erkannt. Foto: Innovation.Deutschland
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Aus einem „Keyou“-Motor entweicht nur harmloser Wasserdampf: Firmengründer Thomas Korn ließ sich nicht beirren und setzte auf Wasserstoff, als die großen Autohersteller der E-Mobilität den Vorrang gaben. Jetzt hat das Bundesforschungsministerium das Potenzial erkannt. Foto: Innovation.Deutschland

Unterschleißheimer rechnet in zwei Jahren mit Serienreife für seine Antriebstechnik

Mutiger Gründer setzt auf Wasserstoffmotor

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Thomas Korn hat in Unterschleißheim ein Start-Up gegründet. Der Ingenieur baut reguläre Verbrennungsmotoren mit Wasserstoffantrieb und ist überzeugt, dass in zwei Jahren die ersten Verbrennungsmotoren mit Wasserstoff auf der Straße fahren werden.

Unterschleißheim – Thomas Korn hat in Unterschleißheim ein Start-Up gegründet. Der Ingenieur baut reguläre Verbrennungsmotoren zu Wasserstoffantrieben um und ist überzeugt, dass in zwei Jahren die ersten Busse und Lkw mit grünen Verbrennungsmotoren auf der Straße fahren werden. Jetzt hat das Bundesforschungsministerium das Potenzial der Firma „Keyou“ erkannt.

Der Motor läuft - in zwei Jahren kann „Keyou" erste Busse und Lkw ausstatten

Thomas Korn ist zu einer digitalen Live-Debatte mit Bundesforschungsministerin Anja Kaliczek eingeladen. Ein großes Kompliment – schließlich ist die Konkurrenz groß und seine Firma hatte sich nicht einmal beworben. Die Mitarbeiter im Ministerium untersuchten den Wasserstoff-Markt und stießen auf „Keyou“. Als der studierte Ingenieur zum Auftakt der Kampagne „Innovation Deutschland“ seine Firma vorstellt, steht er neben einem Wasserstoffmotor in der Unterschleißheimer Firma. Im Handumdrehen gewinnt er mit einem frischen „Servus“ und seiner mitreißenden Art die Zuschauer für sich.

Als die Autohersteller auf E-Motoren setzen, glaubt er weiter unbeirrt an Wasserstoff-Technik

Er forschte 13 Jahre in der Entwicklungsabteilung von BMW. Doch als 2007 die Finanzkrise die Unternehmen belastete und die Autohersteller auf Elektromotoren setzten, „da verschwand der Wasserstoffmotor plötzlich vom Radar.“ Thomas Korn hielt diese Entscheidung für einen Fehler und kündigte bei BMW. Bei einem österreichischem Start-Up lernte er viel über Firmengründungen und wurde 2015 zusammen mit Alvaro Sousa und Ivo Pimentel selbst Unternehmer.

Sie entwickeln Hardware- und Software-Komponenten für Nutzfahrzeughersteller. Die Ingenieure zeigen erstmals, wie konventionelle Dieselmotoren – ohne große Veränderungen des Basismotors – zu emissionsfreien und bezahlbaren Wasserstoffmotoren umgebaut werden können. Es muss nur der richtige technische Ansatz gewählt werden bei der Einblasung, Abgasrückführung und Turboaufladung. „Keyou“ erforscht Bauteile, wie etwa einen Wasserstoff-Katalysator, die die Firma an Nutzfahrzeughersteller verkauft.

Was denn die größte Hürde bei der Unternehmensgründung gewesen sei, fragt Ministerin Kaliczek. „Investoren zu finden“, sagt Korn: „Man muss Geld beschaffen, damit die Leute, die hier arbeiten, auch bezahlt werden.“ Zunächst hätten ihn Familie und Freunde unterstützt. „Mein Bruder hat dabei eine wichtige Rolle gespielt.“ Der holte „Keyou“ auch nach Unterschleißheim, wo er selbst eine Firma an der Gutenbergstraße 3 aufgebaut hatte.

Zeitpunkt ist jetzt günstig: Politik fördert Wasserstoff-Antriebe

Inzwischen ist es für Thomas Korn leichter geworden, Kapitalgeber zu finden. Er zeigt auf den Motor, der neben ihm auf dem Prüfstand steht: „Jetzt können wir etwas vorzeigen. Der Motor läuft. Schon in zwei Jahren können wir erste Busse und Lkw ausstatten.“

Auch die politischen Entwicklungen seien günstig. Wasserstoffantriebe sollen der Energiewende zum Erfolg verhelfen. Im Februar 2019 hat die EU die Wasserstoffstrategie in ihre Gesetzgebung aufgenommen. „Das ist toll für uns.“

Thomas Korn hat sich nicht beirren lassen und an seine Idee geglaubt. „Die Infrastruktur ist da. Es gibt 80 Wasserstofftankstellen in Deutschland, und es werden immer mehr. Ab Mitte der 2020er Jahre wird man vermehrt Wasserstoffnutzfahrzeuge auf der Straße sehen“, sagt er. Die 40-köpfige Mannschaft von „Keyou“ wächst und wird im November in Räume an der Arnulfstraße in München umziehen.

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