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Unter Wasser standen Tiefgaragen rund um den Unterschleißheimer S-Bahnhof.

Stadt weist Schuld zurück

Nach Überschwemmung am S-Bahnhof: Suche nach dem Schuldigen

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Bei Bauarbeiten wurde im März eine Hauptwasserleitung am S-Bahnhof Unterschleißheim getroffen, das Gebiet stand völlig unter Wasser. Nun will niemand Schuld sein - dabei geht‘s um viel Geld.

Unterschleißheim – Fast eineinhalb Monate nach der Überflutung Unterschleißheimer Keller, Straßen, Tiefgaragen nahe des Bahnhofs herrscht noch immer Unklarheit, wer den Rohrbruch zu verantworten hat. Und wer letztlich für den entstandenen Schaden, Einsatz von Rettungskräften und die Folgearbeiten an der Trinkwasserleitung aufkommt. Die Stadt weist die Schuld von sich. Die Bahn schweigt momentan, beziehungsweise verschickt auf Anfrage ein nichtssagendes Statement. Niemand will es gewesen sein. Klar ist: Es geht um viel Geld.

Der Unterschleißheimer Bahnhof soll barrierefrei werden. Dafür beauftragte die Bahn mehrere Baufirmen. Deren Mitarbeiter wollten am 12. März am Bahnhof Spundwände setzen. Sie rammten die tonnenschweren Wände in den Boden und durchtrennten dabei aus Versehen die gusseiserne Hauptleitung. Mit 600 Liter pro Sekunde schoss das Wasser aus dem beschädigten Rohr. Es überschwemmte die Fußgängerunterführung komplett. In Kellern und Tiefgaragen angrenzender Wohnhäuser in der Pegasus- und Siriusstraße stand es knöcheltief. 40 Rettungskräfte pumpten es bis in die Morgenstunden ab.

 150.000 Euro Schaden für Stadt

Nun muss die beschädigte Leitung umgelegt werden. Das alles kostet Geld. Wie groß der Schaden insgesamt ist, kann auch Wochen später niemand sagen. Die Stadt selbst ist von Wasserschäden betroffen. Sie ist Miteigentümer am Gebäude in der Pegasusstraße 14-26 und hat ihre Versicherung informiert. Auch in die Kellerräume der Volkshochschule in der Pegasusstraße lief Wasser. In einem ersten Gutachten, das der Verwaltung vorliegt, ist für die Einheiten der Stadt von einem Schaden in Höhe von 150 000 Euro die Rede.

Schadensstelle für Betroffene

Die Bahn wiederum hat eine Schadensstelle in Berlin benannt, an die sich Betroffene wenden können. Doch welche Versicherung – ob vonseiten der Bahn, Stadt oder Baufirma – für den Schaden, die Umlegung der Leitung sowie für das ausgelaufene Wasser aufkommt, bleibt unklar. Hinzu kommt: Der Feuerwehreinsatz dürfte einen fünfstelligen Betrag kosten. Laut Feuerwehrgesetz muss der Verursacher dafür aufkommen.

Die Stadt hat laut Bürgermeister Christoph Böck (SPD) keinen Fehler gemacht. „Wir haben die Pläne der Firma zukommen lassen. Warum die Leitung trotzdem getroffen wurde, wird der weitere Prozess ergeben“, sagte er im Stadtrat. Die Leitungen seien in den Bauplänen jedenfalls richtig dargestellt worden. Das ist das Gegenteil von dem, was ein Bahnsprecher einen Tag nach dem Unglück gesagt hatte: Ausgerechnet die beschädigte Leitung fehle in den Plänen der Stadt, so der Sprecher damals. „Niemandem ist das aufgefallen.“

Bahn schweigt

Jetzt klingt das ein wenig anders. Auf eine erneute Anfrage des Münchner Merkur hat die Bahn per Mail mitgeteilt: „Die Ermittlungen und Abstimmungen zu dem beschrieben Wasserrohrbruch sind noch nicht abgeschlossen. Wir bitten um Verständnis, dass wir den Ergebnissen nicht vorgreifen wollen und können. Wir verwahren uns gegen jede Form der Vorverurteilung.“ Heißt: Die Bahn schweigt. Der Münchner Merkur wollte mit der beauftragten Firma sprechen, die den Wasserrohrbruch verursacht hat. Man hat die Bahn gebeten, einen Kontakt herzustellen. Die Mitarbeiter müssten schließlich erklären können, wie es zur Überflutung kam. Doch die Bahn schreibt: „Die Baufirmen haben kein Mandat mit den Medien zu sprechen.“

Damit bleibt eine weitere Frage ungeklärt: Im Bericht des Bürgermeisters zur jüngsten Stadtratssitzung heißt es: „Tatsache ist, dass die Stadtwerke weder von DB Station & Service noch von der ausführenden Firma zu einem Spartengespräch hinzugezogen worden sind.“ Außerdem habe die Baufirma vorab die Stadtwerke nicht aufgefordert, sich zeigen zu lassen, wie die Leitungen im Baufeld verlaufen. „Der Grund hierfür ist bisher nicht bekannt. Bei allen anderen Baustellen mit der Bahn waren immer mehrere Abstimmungsgespräche im Vorfeld erfolgt.“

Schadensstelle der Bahn

Wer in Folge des Rohrbruchs von Wasserschäden betroffen ist, kann sich wenden an: Deutsche Bahn Station&Service AG Kaufmännisches Schadensmanagement Washingtonplatz 2, 10557 Berlin, Telefon: 030/29 76 52 80.

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