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Ein Ort des Grauens: Zwangsarbeiterinnen mussten den Flachs für die Röste sortieren, abladen, in Scheunen einlagern, auf Diemen aufhäufen, zur Tauröste ausbreiten, regelmäßig wenden und zum Trocknen ausbreiten.

 Gemeinderätin findet geplanten Leidensweg „too much“

NS-Mahnmal-Eklat: CSU stärkt Allwein den Rücken

  • Florian Prommer
    vonFlorian Prommer
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  • Andreas Sachse
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Nach dem Eklat um das geplante NS-Mahnmal in Lohhof steht CSU-Stadträtin Lorena Allwein in der Kritik. Ihre Fraktion legt ihr aber wohl keinen Rücktritt nahe.

Unterschleißheim – Die CSU Unterschleißheim hält weiterhin an Stadträtin Lorena Allwein fest. Nach ihren kontroversen und scharf kritisierten Aussagen zum geplanten NS-Mahnmal in Lohhof musste sich die 31-Jährige am Montagabend in der Fraktionssitzung vor ihren Stadtratskollegen rechtfertigen. Offenbar mit Erfolg: Dem Vernehmen nach verzichten die Christsozialen darauf, Allwein einen Rücktritt ans Herz zu legen. Darauf hat man sich in der Sitzung offenbar mehrheitlich verständigt.

Einfach ihres Amtes entheben hätte die CSU Unterschleißheim Allwein sowieso nicht können. Grundsätzlich gilt: „Eine Partei kann per Beschluss nicht einfach das Mandat eines Mandatsträgers rückgängig machen“, erklärt eine Sprecherin des Landratsamtes München. Schließlich hätten die Bürger den Politiker ins Amt gewählt.

Lorena C. Allwein

Die finale Entscheidung über einen Rücktritt liegt somit bei Allwein. Ihre Partei stärkt ihr zwar den Rücken, jedoch kann die Ortsvorsitzende der Frauen-Union ihren Rückzug noch immer aus eigenen Stücken verkünden. Für eine Stellungnahme waren am Dienstag weder Allwein noch die örtlichen Parteispitzen zu erreichen.

Stein des Anstoßes der Rücktritts-Diskussion waren Allweins Äußerungen im Kulturausschuss über das Konzept für das Mahnmal, mit dem die Stadt den NS-Zwangsarbeitern in der Lohhofer Flachsröste gedenken will. Den Entwurf hatte sie in Teilen für übertrieben gehalten. „Was mir too much ist, ist der Leidensweg, auf dem Einzelschicksale gehypt werden sollen“, sagte Allwein. Gemeint ist damit der „Weg der Erinnerung“, entlang dem auf Stelen exemplarisch Biografien der Opfer präsentiert werden sollen. Allwein hielt das für „grenzwertig“. Schließlich seien „überall immer Leute gestorben in Schlachten, in Kriegen“.

Zwar hatte sie im Nachgang der Sitzung ihre Aussagen relativiert. Dennoch häufte sich in der Folge herbe Kritik aus Reihen der SPD und Grünen. Bela Bach (SPD) etwa verurteilte Allweins Aussagen als „untragbar“ und forderte „unmissverständlichen Konsequenzen“ vonseiten der CSU. Die Jusos München-Land forderten gar den Rücktritt Allweins von ihrem Amt als Stadträtin. Dieser Forderung hat die Unterschleißheimer CSU offenbar eine Absage erteilt.

 

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