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Auch früher ließ sich in den Küchen Himmlisches zaubern. Wie einst gebacken und gebraten worden ist, das ist in einer Küche mit historischen Geräten im Unterschleißheimer Heimatmuseum zu sehen. Die Waage mit Gewichten, der alte Herd sowie die gusseisernen Pfannen und Töpfe kennt auch Barbara Mayer (86) aus ihrer Jugend (Bild oben). Sie besucht das Heimatmuseum zusammen mit Tochter Doris (47).

Gerade Senioren halten gerne an alten bräuchen fest 

Ohne Platzerl und Gans geht’s nicht

Weihnachten ist ein großes Fest – da wird gefeiert und gut gegessen. Mit dieser Tradition sind viele ältere Menschen aufgewachsen. Und halten bis heute gerne daran fest. Selbst gemachte Plätzchen sind da nur ein Anfang.

Von Benedict Witzenberger

Unterschleißheim – Weihnachten ist das Fest der Familie und des guten Essens. Mit dieser Tradition ist auch Barbara Mayer groß geworden. Als Kind lebte sie in Schlesien, heute wohnt sie in München, ist 86 Jahre alt – und noch immer spielt an Heilig Abend das festliche Menü eine wichtige Rolle. Vorab aber macht sich die alte Dame erst einmal sehr viel Arbeit: Butterplätzchen, Vanillekipferl, Stollen, Lebkuchen – alles backt sie selbst. Ihre Tochter Doris Mayer (47) profitiert davon: „Plätzchenbacken ist eher nicht so mein’s, Plätzchen essen eher.“

Weihnachtstraditionen hält Familie Mayer gerne hoch: Denn schon in Schlesien wurde der Heilige Abend ganz besonders gefeiert: „Wie eine Hochzeit, die gesamte Verwandtschaft kam zusammen“, erinnert sich die 86-Jährige, die ihren Namen übrigens wegen ihres Geburtstags bekommen hat – dem Barbaratag am 4. Dezember.

Auch das Menü am Weihnachtsabend ist seit Jahren festgelegt: Gans mit Kartoffelknödel, davor eine gute Suppe. Und erst danach gibt es die Bescherung. So hat es Barbara Mayer all die Jahre gehalten. Als Kind, nach der Flucht aus Schlesien als 13-Jährige, in den Jahren in Mühldorf und in den über 60 Jahren in München. Ihren drei Kindern wollte sie diese Tradition gerne weitergeben.

Auch bei Heidi Schuldes aus Unterschleißheim gehört die Familie fest zu Heilig Abend. Genauso wie mittags Ente und die Weißwurst vor der Bescherung. Ihre Schwester kommt mit ihrer Familie dazu, insgesamt sitzen sieben Leute am Tisch. Früher hat die Schwiegermutter von Heidi Schuldes sogar Süßigkeiten selbst gemacht. Beispielsweise kleine Bonbons oder Kastanienpüree. Ganz besonders gut war aber ihre russische Dobos-Torte mit Marzipan, erinnert sich Heidi Schuldes.

Dass jede Familie ihre eigenen Bräuche zu Weihnachten hat, zeigt sehr gut, wie verschieden die Weihnachtstraditionen in allen Teilen Deutschlands und der Welt ausfallen. Barbarazweige, zum Beispiel, sind vor allem in Westfalen und Schwaben gebräuchlich, weniger in Oberbayern, sagt Sandra Nägele (49) vom Unterschleißheimer Heimatmuseum.

Dafür waren Krampusläufe im Münchner Umland durchaus geläufig. So gab es eine Krampusgruppe in Unterschleißheim, die durch den Ort zog. Allerdings waren die Krampusse dermaßen gruselig angezogen und erschreckten die Unterschleißheimer so heftig, dass es zu Schlägereien kam. Die Tradition ist seitdem eingeschlafen.

Aus München kommt außerdem der Adventskalender: Eine Mutter wollte ihrem Sohn die Wartezeit auf Weihnachten verkürzen. Sie schraubte 24 Häkchen an einen Karton und hängte daran 24 Lebkuchen. Ihr Sohn fand die Idee so gut, dass er sie auch für andere Kinder anbieten wollte. 1903 führte das zum ersten gedruckten Adventskalender, seit den 1930er-Jahren sind sie mit Schokolade gefüllt. Weihnachten und Essen – das gehört einfach zusammen.

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