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Das Problem mit den Stellplätzen: Die Stadt München hat seit 2011 eine Fahrradstellplatzsatzung. Unterschleißheim zieht jetzt nach. 

Stadt Unterschleißheim erlässt Satzung

Parkraum für Fahrräder ist Pflicht

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Weil Radfahren hoch im Kurs steht, müssen genügend Stellplätze her: Mit einer „Fahrradstellplatzsatzung“ verpflichtet die Stadt Unterschleißeheim ab 1. Januar Bauherren, eine konkrete Zahl an Radlstellplätzen zu schaffen.

Unterschleißheim– Für das Abstellen von Autos machen die Kommunen schon lange Vorgaben. Aber immer mehr Städte und Gemeinden regeln nun auch den Parkraum für Räder: Bei Neubauten fordern sie, ausreichend Abstellplatz für Fahrräder einzuplanen. Neben München, Garching oder Erding hat nun auch Unterschleißheim eine Fahrradstellplatzsatzung beschlossen. Vier Jahre hat es gedauert: Jetzt hat der Bauausschuss die Vorgaben, die ab 1. Januar in Kraft treten, einstimmig verabschiedet.

Investoren müssen demnach einen Stellplatz pro angefangene 40 Quadratmeter Wohnfläche einplanen; für eine 100 Quadratmeter-Wohnung sind also drei Radlstellplätze nachzuweisen. Strenger sind die Vorgaben für Arztpraxen oder andere Räume mit viel Besucherverkehr: Hier ist ein Fahrradstellplatz pro 30 Quadratmeter Nutzfläche einzurichten, bei Gaststätten sogar ein Stellplatz pro zehn Quadratmeter Gastraumfläche. Bei Bürohäusern liegt gilt ein Schlüssel von einem Fahrradstellplatz pro 60 Quadratmetern Bürofläche.

Spielraum bei der Ausgestaltung

Auch die Größe der Stellplätze schreibt die Stadt vor: Die Grundfläche soll mindestens 1,5 Quadratmeter aufweisen, der Stellplatz soll möglichst überirdisch und in Eingangsnähe liegen, gut zugänglich und überdacht sein. Zudem sollten Fahrradständer installiert werden, an denen die Fahrradrahmen angeschlossen werden können.

Noch vor vier Wochen hatte die Stadtverwaltung in einem ersten Entwurf für Bürogebäude weit weniger gefordert, nämlich nur die Hälfte: einen Fahrradstellplatz pro 120 Quadratmetern, so wie die Vorgabe auch in München ist. Das war Bernd Knatz (ÖDP) und Jürgen Radtke (Grüne) zu „dürftig“ gewesen. Die Fraktionen berieten sich nochmals und kamen jetzt bei 60 Quadratmetern überein, übrigens verwendet auch die Stadt Garching den Schlüssel 1:60 bei Bürogebäuden.

Die Vorstellung von überdachten Stellplätzen vor Geschäften und an Gehwegen, gefiel Thomas Breitenstein (SPD) allerdings gar nicht: „Oft sind solche Installationen potthässlich. Das wünsche ich mir nicht vor Gewerbegebäuden.“ Bürgermeister Christoph Böck (SPD) wandte ein: „Die Überdachung ist ja nur eine Soll-Bestimmung.“ Aus Sicht der Stadt ist mit der Satzung ein weiterer großer Schritt geschafft, um den Fahrradverkehr weiterhin zu fördern. Gleichzeitig unterstreicht die Stadt als Mitglied in der „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen“ nochmals die Ernsthaftigkeit.

Die Stadt macht ernst mit der Fahrradfreundlichkeit

Natürlich ist den Stadträten bewusst, dass die neuen Verpflichtungen Bauprojekte durchaus teurer machen. „Es gibt Dinge, die nötig sind“, sagt Knatz, „das ist wie beim Brandschutz“. Schon viel früher hätte sich der ÖDP-Stadtrat, der die Initiative schon vor 20 Jahren – damals aber noch ohne Resonanz – eingebracht hatte, die Fahrradstellplatzsatzung gewünscht. Und sie hätte in seinen Augen verbindlicher formuliert werden können. 

ÖDP-Stadtrat Bernd Knatz: Zu viel „Soll“, zu wenig „Muss“

Er kritisiert, dass die Satzung zu viel „Soll“ und zu wenig „Muss“ enthält. Verpflichtend sei nur die Anzahl der Plätze, die Ausgestaltung aber lasse viel Spielraum: „Krass ausgedrückt, reicht ein Gehweg mit Plattenbelag. Es muss kein Fahrradständer aufgestellt werden.“

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