Corona-Impfung in der Praxis von Dr. Friedrich Kienert in Unterschleißheim.
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„Ich bin erleichtert“: Detlef Krukenkamp (80) wird von Arzthelferin Sabine Frommhold geimpft, Dr. Friedrich Kiener sieht zu.

Pilotprojekt „Impfen in Hausarztpraxis“ gestartet

„Impf-Dokumentation ist kein Hexenwerk“

  • Martin Becker
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In Unterschleißheim hat am Freitagnachmittag das Pilotprojekt „Corona-Impfung beim Hausarzt“ begonnen. Dr. Friedrich Kiener sieht darin auf Dauer einen enorm großen Hebel.

Unterschleißheim – Hemd aus, Ärmel hoch, Spritze rein: Ein kurzer Pieks, und schon hatte Detlef Krukenkamp seine Corona-Impfung mit dem Wirkstoff Astrazeneca. „Ich bin erleichtert, mit knapp 81 hat man ja ein gewisses Alter erreicht“, sagte am Freitagnachmittag der Unterschleißheimer. Er gehörte zu den ersten 33 Patienten, die in der Praxis von Dr.Friedrich Kiener fürs Pilotprojekt „Impfen in der Hausarztpraxis“ ausgewählt worden waren. „Davon hatte ich in der Zeitung gelesen und mich gleich beworben“, berichtete der Senior. „Fünf Stunden später kam der Rückruf aus der Arztpraxis.“ Und nun die ersehnte Impfung.

Sechs Praxen im Landkreis sind dabei

Zu den sechs Praxen im Landkreis, die schon diese Woche mit dem Pilotprojekt begonnen haben, zählt die von Dr. Kiener, zugleich Leiter des Impfzentrums Unterschleißheim. Er bezeichnet sich als „Mann der ersten Stunde“, schon seit Ende Dezember setzt er Spritzen im Impfzentrum. Und jetzt eben in seiner Praxis.

Kühlungskette, Unterschiede in der Handhabung der einzelnen Impfstoffe, das richtige Setzen der Spritze? Kein Problem. Der Impfvorgang an sich unterscheide sich allenfalls in Nuancen von anderen Impfungen, beispielsweise gegen Tetanus oder Zecken oder Malaria. Medizinische Routine.

Die Fragen in der Praxis sind eher: Wie und nach welchen Kriterien rekrutiert der Arzt die zu Impfenden? Wie zügig funktionieren Aufklärung und Dokumentation? Die ersten 33 Patienten hat Dr. Kiener aus seiner Kartei ausgewählt, allesamt aus der Priorisierungsgruppe I. Sofern es nicht schon geschehen war, versehen mit dem Zusatzhinweis: „Bitte tragen Sie sich bei BayIMCO ein.“ Also ins bayernweite Online-Portal, das die Impflinge registriert.

Arztpraxen sollen auf Dauer den Verwaltungsprozess übernehmen

Zum Auftakt des Pilotprojekts stieß ein Verwalter aus dem Impfzentrum Unterschleißheim hinzu, um per QR-Code den Bogen „Dokumentation Erstimpfung“ zu generieren, was nach einem rasch behobenen Computerproblem auch prima klappte. Auf Dauer allerdings sei angedacht, „dass kooptierte Ärzte den Verwaltungsprozess übernehmen“, so Dr.Kiener. Aufklärungsgespräch (bei Hausarzt-Patienten würden Kontra-Indikationen sowieso von vornherein ausgeschlossen), Registratur, in fünf Minuten sei das machbar.

„Diese Verwaltungsaufgaben sind, wenn sie Software eingerichtet ist, wirklich kein Hexenwerk“, betont Dr. Kiener. Wichtig sei die saubere Dokumentation, um je nach Impfstoff Erst- und Zweitimpfung präzise zu takten, damit es keine Verwechslungen bei den unterschiedlichen Impfstoffen gibt. Doch das sei im Prinzip ähnlich wie bei allen anderen Impfungen auch, nur nicht so geballt.

Eine genaue Dokumentation ist wichtig.

„Nach einer kurzen Anlernzeit sollte es möglich sein, den Hausarztpraxen das Impfstoff- und Patientenmanagement zu überlassen“, sagt der Mediziner aus Unterschleißheim. „Das ist letztlich das Ziel: dass Arztpraxen autark impfen.“

Pro Woche bis zu fünf Millionen Impfungen möglich

Sollte es dazu kommen, also zu einer Vernetzung von BayIMCO mit den Arztpraxen und einem Abkoppeln von den Impfzentren, „die ja weiterhin existieren“, wie Dr. Kiener betont, sei dies „ein sehr großer Schritt“. Er hat es nämlich durchgerechnet: „Von den etwa 75 000 Hausarztpraxen in ganz Deutschland sind rund 50 000 ständige Impfpraxen, in Bayern wird in 7300 von 9000 Praxen ständig geimpft. Wenn also jede dieser Praxen pro Tag 20 Corona-Impfungen durchführt, wären das bundesweit eine Million Impfungen pro Tag und bayernweit 146 000.“ Das hieße, pro Woche könnten in Bayern 730 000 Menschen gegen das Coronavirus geimpft werden, in ganz Deutschland wären es fünf Millionen. Vorausgesetzt, es steht genug Impfstoff zur Verfügung.

In Unterschleißheim ist der Anfang gemacht, mit 33 Patienten. Vorerst einmal pro Woche wird es wieder einen Impf-Tag in der Praxis von Dr. Kiener geben.

Weitere Informationen zur Corona-Pandemie und zum Inzidenzwert im Landkreis München finden Sie hier.

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