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Dichter-Wettstreit: Jung, poetisch und sprachbegeistert

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Von: Sabrina Graf

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Inhalt, roter Faden und Bühnenpräsenz flossen in die Wertung der Jury um Mentorin Sophie Kompe (vorne l.) ein.
Inhalt, roter Faden und Bühnenpräsenz flossen in die Wertung der Jury um Mentorin Sophie Kompe (vorne l.) ein. © dieter michalek

Unterschleißheim – Beim Poetry-Slams in der Parkgaststätte unterhielten acht Kandidaten das Publikum mit ihren kreativen Geschichten. Die „Regenbogenpoeten“ als Gastgeber nahmen am Pult der Jury Platz.

Der Geruch von Regen, der auf trockene Erde fällt. Diesen Duft soll der Begriff „Petrichor“ einfangen. So nennt sich auch die vierköpfige Band der Regenschirmpoeten, die den ersten „Unterschleißheimer Poetry Slam“ musikalisch begleitet hat. Die Regenschirmpoeten sind eine Gruppe Jugendlicher, die sich wöchentlich treffen, um an lyrischen Texten zu feilen, Bühnenauftritte zu proben oder gemeinsam Pommes zu essen. Während des Poetry-Slams in der Parkgaststätte standen sie jedoch erst einmal nicht selbst auf der Bühne, sondern nahmen hinter dem Jurypult Platz.

„Abischnitt halbieren, Finanzen dublizieren“

„Wir verfolgen den Grundsatz, dass wir nicht gegeneinander antreten“, erklärt Sophie Kompe, die Mentorin der Regenschirmpoeten. Die Regeln eines Poetry-Slam-Auftritts sind denkbar simpel: Eine Länge von sieben Minuten darf nicht überschritten werden, und es dürfen keine Requisiten oder Musikinstrumente genutzt werden. Ansonsten stand es den acht Kandidaten, die aus dem Großraum München stammen, aber auch aus Regensburg, Nürnberg und Würzburg angereist waren, frei, wie sie ihre Auftritte gestalteten. Die Münchnerin Theresa Conradi verarbeitete Themen wie Vielfalt, soziale Ungleichheit und ihre eigene Schulzeit in ihrem Poetry-Slam. Ihr Wunsch: „Den Abischnitt halbieren und die Finanzen duplizieren.“ Lucia Leonhardt aus Nürnberg philosophierte über die lange Zeit der Lockdowns, die sie nun wie einen Kokon abstreifen möchte, um nach der Metamorphose das Leben wieder in vollen Zügen genießen zu können. Themen, die sich durch die Texte der Schüler und Studentinnen zogen, waren außerdem der Klimawandel, Nachhaltigkeit, Schule und Studium sowie die eigene Identität.

Drei Jungs bekommen besonders viel Applaus

Die siebenköpfige Jury der Regenschirmpoeten war meist begeistert von den durchdachten Texten und vergab hohe Punkte für freies Sprechen, einen inhaltlichen, roten Faden oder eine besonders wohlklingende Metrik. „In erster Linie sind aber die Publikumsreaktionen ausschlaggebend, da es bei Poetry-Slams so üblich ist, dass das Publikum mitentscheidet“, sagte Kompe. Bei drei Jungs klatschen die Zuschauer besonders laut und so zogen Julius Althoetmar, Yannik Ambrusits und Jobinski Leitenmeier zu dritt ins Finale ein.

Doch was unterscheidet einen guten Poetry-Slammer von einem außergewöhnlichen? „Ein außergewöhnlicher Poetry-Slammer“, erklärte Kompe, „schafft es, eine besondere Stimmung im Publikum zu erzeugen, sodass alle Zuschauer die Luft anhalten.“

Inspirierender Auftritt

Yannik Ambrusits, der vor zwei Jahren bereits bayerischer U20-Poetry-Slam-Meister war, gewann schlussendlich den Dichterwettstreit in Unterschleißheim. Er begeisterte mit seinem Text über die metaphorische Schere zwischen Alt und Jung. Ein Satz, der im Gedächtnis bleibt: „In hohem Alter ändert sich nicht nur die Welt zu schnell, auch die Nutzung von Emojis steigt exponentiell.“ Der Einsatz sprachlicher Stilmittel und der souveräne Bühnenauftritt machen Ambrusits zu einem außergewöhnlichen Poetry-Slammer, so die Jury. Und so endete das „Unterschleißheimer Open Air“ mit einem außergewöhnlichen Poetry-Slam in entspannter Biergarten-Atmosphäre. Sophie Kompe und die Regenschirmpoeten genossen die inspirierenden Auftritte und setzen ihre Eindrücke vielleicht ja bald selbst in kreative Texte um.

SABRINA GRAF

Die Regenschirmpoeten

treffen sich mittwochs um 18 Uhr im „JugendKulturHaus Gleis 1“ in Unterschleißheim.

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