Rote Karte für Fairtrade

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Fairer Handel ist gut, faire Produkte sind es auch. Aber irgendwo muss eine Grenze sein. Findet eine Mehrheit der Stadträte in Unterschleißheim.

Unterschleißheim – Fairtrade-Schokolade? Kennt man. Fairtrade-Kaffee? Hat man im Zweifel sogar schon einmal getrunken. Aber Fairtrade-Sportbälle? Das geht ein Stück zu weit – selbst in einer Fairtrade-Stadt. So zumindest die Einschätzung des Unterschleißheimer Stadtrats.

In der jüngsten Sitzung sind die Grünen und die ÖDP mit ihrem Vorstoß gescheitert, Vereine anzuhalten und städtische Schulen sogar zu verpflichten, künftig nur fair produzierte und gehandelte Bälle einzukaufen.

Begründet hatten die Parteien ihren Antrag damit, dass die Spielgeräte in der Regel unter äußerst schlechten Arbeitsbedingungen produziert würden. Als Beispiel führt der Antrag die Fußball-Produktion in Pakistan auf. Demnach sei es üblich, dass Näher nicht pro Stunde, sondern pro Ball bezahlt werden. Die Gehälter lägen meist weit unter den gesetzlichen Mindestlöhnen. Um von der Fußballproduktion leben zu können, würden viele Näher bis zu zwölf Stunden pro Tag arbeiten. Obendrein sei Kinderarbeit weit verbreitet.

Unterschleißheim ist zwar Fairtrade-Stadt. Darauf dürfe man sich jedoch nicht ausruhen, argumentierte Jolanta Wrobel (ÖDP), die Antragsstellerin. Zusammen mit dem Zweckverband staatlicher weiterführender Schulen könne sich die Stadt darauf festlegen, künftig nur fairgehandelte Bälle für den Unterricht anzuschaffen. Auch Vereine oder Firmen, die ihren Mitarbeitern Sport anbieten, könne man animieren, auf Fairtrade-Bälle zu setzen.

Im Stadtrat stieß der Antrag nicht sonderlich auf Gegenliebe. Brigitte Weinzierl (CSU) gab zu bedenken, dass sich manche Vereine, abhängig davon, in welcher Spielklasse das jeweilige Team spielt, an Vorgaben des Verbandes halten müssen, was die Marke des Spielballs angeht. Auch an der Qualität dieser Bälle gab es Zweifel. Am deutlichsten wurde Georg Schaller, SPD: „Fairtrade-Schokolade, da mache ich gerne mit – aber übertreiben sollten wir das Ganze nicht.“

Zwar lehnte das Gremium den Antrag damit 13:17 Stimmen ab, allerdings erklärte sich Heidi Kurz (FB) dazu bereit, einen Fairtrade-Fußball für vier Wochen mit ihrer Jugendmannschaft vom SV Riedmoos zu testen.

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