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Das lustige und das traurige Bayern zeigt Karin Krug mit ihren Partnern Markus Zett und Robert Lansing.

Improvisationstheater auf Boarisch

Spontanes Polit-Gstanzl trifft Lohhofer Geschmack

Sie hatten gerade erst von der Geschichte erfahren, doch das Gstanzl der Schauspieler vom „Fastfood Theater München“ traf den Nerv des Publikums in Lohhof:

Unterschleißheim – Und das Gstanzl geht so: „Am Hollener See wolln’s a Hotel hinbaun – koana weiß, warum. Am Ende sitzt keiner drin, dann schaun’s gar dumm.“ Mit Spitzen gegen ein geplantes Bauprojekt in Eching bekommt man die Unterschleißheimer eben auf seine Seite. Und die Schauspieler bewiesen in dieser Zugabe noch einmal das Talent, das sie an diesem Abend ausgiebig gebraucht hatten: Spontanität. Denn bei der „Bayerischen Volksimpro“ im Jugendkulturhaus Gleis 1 in Lohhof gab es eine Regel: Es gibt keine Regeln.

„Wir haben uns nichts überlegt, außer was wir uns anziehen“, sagte Karin Krug zu Beginn, die einzige Frau auf der Bühne. Neben ihr spielten Markus Zett und Robert Lansing. Aus den Zurufen des Publikums entstanden zwei kleine, bayerische Theaterstücke. „Das tragische und das heitere Bayern“, versprach Krug den Zuschauern.

Das tragische und das heitere Bayern

Das fröhlichere Stück spielt an der Grenze zwischen den Orten Brezn und Brezl – wegen des falsch ausgesprochenen Wortes einer Hannoveranerin im Publikum. Als Hauptfiguren wünschten sich die Zuschauer: Yuppies, ein Pfarrer, eine Pfarrhaushälterin und ein Kuckuckskind. Aus drei Stühlen ließen die Schauspieler das Wohnzimmer einer Familie entstehen. Eine unsichtbare Tür mussten sie immer wieder öffnen, um hereinzukommen. Die Geschichte wurde dann verzwickt: Das Pfarrhaus in Brezn wird verkauft, deshalb muss die schwangere Pfarrhaushälterin ausziehen. Sie zieht bei einem Ehepaar ein. Der Bürgermeister Burger-Moaster, so der spontan ausgewählte Name, will auf deren Nachfrage zuerst nicht so recht sagen, wer das Haus gekauft hat. Der Pfarrer sagt nur, dass es sehr viel Geld dafür gab. Nebenbei versucht der Burger-Moaster die Menschen von Brezn und Brezl zu überzeugen, die Gemeinden zusammenzulegen.

Schwangere Pfarrersköchin muss umziehen

Am Ende kommt heraus: Die Pfarrhaushälterin ist schwanger von einem Hannoveraner, der das Pfarrhaus gekauft hat und sie jetzt heiratet und mit ihr dort einzieht. Und der Hannoveraner hat zudem noch die Menschen in Brezn und Brezl überzeugt, doch die Vereine der Orte zusammenzulegen. Das freut die Menschen dort, denn dann müssen sie nicht zweimal aus denselben Anlässen Bier trinken. Klingt chaotisch? Es fehlte ganz klar die festgelegte Dramaturgie. Aber das ist nicht schlimm. Denn so konnten die Schauspieler immer wieder Bezug auf Rufe aus dem Publikum nehmen, konnten spontane Späße machen oder verrückte Gedanken weiterspinnen.

Von Münchner Studenten gegründet

Das Ergebnis kann sehr vielschichtig sein. So spielten die drei Ensemblemitglieder des Fastfood Theaters nach einer Pause ein Drama; das tragische Bayern. Es geht um die verworrenen Strukturen eines Bergdorfes, auch das ein Wunsch aus dem Publikum, in denen sich Trauer, Lachen und Liebe abwechseln. Die Schauspieler schlüpfen in verschiedene Figuren, zu unterscheiden nur an Kleidungsstücken, die sie an oder ablegen.

Seit 2011 spielt das Fastfood Theater seine Bayerische Volksimpro. Schon seit 1994 bietet das Theater, das ursprünglich von Münchner Studenten gegründet wurde, Improvisationskurse an. Inzwischen spielt das Theater auch einmal wöchentlich im Münchner Schlachthof. Ob sich dort aber genauso guter Gstanzlstoff findet wie in Lohhof und Unterschleißheim?

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