Kleines Idyll: Der Hollerner See. Die Stadt Unterschleißheim wollte hier selbst einmal eine Therme bauen – was an einem Bürgerentscheid gescheitert ist.
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Kleines Idyll: Der Hollerner See. Die Stadt Unterschleißheim wollte hier selbst einmal eine Therme bauen – was an einem Bürgerentscheid gescheitert ist.

Empörung

Stadtrat gegen Gewerbe am Hollerner See

  • Charlotte Borst
    VonCharlotte Borst
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Mit Empörung reagieren Unterschleißheimer Stadträte auf Echings Pläne: Die Nachbarn wollen vom Landschaftsschutzgebiet rund um den Hollerner See drei Flächen mit insgesamt 45,3 Hektar für kommerzielle Nutzungen abzwacken.

Unterschleißheim – Der Echinger Gemeinderat trifft damit Vorbereitungen für die Ausweisung eines neuen Gewerbegebiets (25 Hektar) direkt an der Grenze zu Unterschleißheim. Zudem will Eching einen Surfpark am steilen Südufer des Hollerner Sees realisieren (12,3 Hektar) und eventuell auch einen Caravan-Park nordöstlich des Sees (8 Hektar). Für alle drei Flächen hat der Gemeinderat mit knapper Mehrheit beim Kreistag eine Herausnahme aus dem Landschaftsschutzgebiet „Freisinger Moos und Echinger Gfild“ beantragt.

Im Gegenzug wollen die Echinger das Landschaftsschutzgebiet um eine Fläche von 47 Hektar erweitern. Diese Ausgleichsfläche liegt direkt am Nordufer des Hollerner Sees und war bisher für die Therme vorgesehen.

Widerstand aus der Bevölkerung

Als Unterschleißheims Bürgermeister Christoph Böck (SPD) die Echinger Beschlüsse in der Unterschleißheimer Stadtratssitzung bekannt gab, machte sich Empörung breit. Manfred Riederle (FDP) wirft den Nachbarn vor, dass sie rund um den Hollerner See, „machen, was sie wollen, ohne uns einzubinden“. Nur über die Presse habe man bisher von diesen Plänen erfahren. Es liege ihm fern, anderen Kommunen zu sagen, was sie planen sollten, sagte Zweiter Bürgermeister Stefan Krimmer (CSU), „aber viele Leute sind emotional strikt gegen die Ansiedlung des Gewerbegebiets“. Er sei gespannt, wann Eching seine Nachbarn mit Informationen versorgen werde, „und wie dann der Widerstand aus der Bevölkerung kanalisiert werden kann“.

Lausige Informationspolitik

Als „suboptimal“ bezeichnete Riederle das Verhalten der Echinger. Er fragte Bürgermeister Böck: „Inwieweit wurde der Zweckverband Hollerner See über diese Themen informiert? Wir sind hier massiv mitbetroffen.“ Er forderte: „Eching soll mit offenen Karten spielen, was am Surfpark geplant ist und ob damit eine dichte Bebauung einhergeht.“ Riederle warf auch die Frage auf, ob man das ruhende Gerichtsverfahren gegen die Nachbarn vielleicht wieder aufnehmen sollte. Mit Verwunderung reagierte Bernd Knatz (ÖDP): „Ich bin entsetzt, wie hier mit Flächen umgegangen wird – als wären sie Manövriermasse! Ich dachte, ein Landschaftsschutzgebiet soll erhalten bleiben.“

Bürgermeister Böck stellte klar, dass es sich bei den Flächen nicht um Eigentum des Zweckverbands handelt. Es sei positiv, so Böck, dass die 47 Hektar große Fläche direkt am Nordufer ins Schutzgebiet aufgenommen werde: „Genau das ist die Beschlusslage der Stadt Unterschleißheim.“

Auch Katharina Bednarek (SPD) verwies auf Vorteile für Unterschleißheim: Sie betonte, dass Eching ja Flächen für den vergrößerten Unterschleißheimer Autobahnanschluss opfern müsse, wovon Unterschleißheim profitiere. Die Stadtverwaltung wird ihre Stellungnahme zu den Vorhaben offiziell abgeben, wenn sie im Zuge der Behördenbeteiligung dazu aufgefordert wird. Böck sicherte aber zu: „Wir adressieren den Anspruch an Eching, dass mit nichts hinterm Berg gehalten wird.“

Zwischen der A 92-Ausfahrt „Unterschleißheim“ und der B 13 will Eching einen international erfolgreichen Maschinenbaukonzern ansiedeln. Voraussetzung für das Unternehmen, dessen Name Echings Bürgermeister Sebastian Thaler (SPD) noch nicht bekannt gibt, ist, dass die Firmenzentrale direkt an der A 92 errichtet werden kann. 1800 Arbeitsplätze könnten entstehen.   

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